
Nachrichten-Archiv: 9/97- Vuelta a Espana 1997Vuelta, 22. Etappe: Alex Zülle gewinnt erneut die Vuelta a Espana
Zeitfahr-Weltmeister Alex Zülle ist rechtzeitig vor den Weltmeisterschaften in San Sebastian wieder in Form gekommen. Der 29jährige Schweizer verteidigte am Sonntag seinen Vorjahressieg bei der Spanien-Radrundfahrt, obwohl die Vorzeichen denkbar ungünstig waren. Zuvor hatte er eine wenig befriedigende Saison mit schweren Stürzen erlebt. Ein nicht restlos verheilter Schlüsselbeinbruch zwang ihn vor der 5. Etappe zur Aufgabe bei der Tour de France. Jetzt brachte er sich im Vorfeld der Straßen-WM (7.-12. Oktober) wieder ins Gespräch.
Die eindruckvollste Leistung bot Zülle am Samstag, als er beim 43- km-Einzelzeitfahren seinen einzigen Tagessieg feierte und seinen unmittelbaren Kontrahenten in der Gesamtwertung, den Tour-Fünften Fernando Escartin (Kelme), kurz vor dem Ziel einholte. Damit bleibt die Vuelta fest in Schweizer Hand. Seit 1992 gingen die Gesamtsiege mit einer Ausnahme (Laurent Jalabert/1995) nur an Eidgenossen. Dreimal hintereinander gewann Tony Rominger, Zülle hat zwei Siege nacheinander auf dem Konto. 1991 gab es den letzten Gastgebersieg durch Melchior Mauri.
Mit 5:07 Minuten Rückstand belegte Escartin hinter Zülle Platz zwei und geht damit in die wohlverdienten Ferien. Wie soviele andere prominente Fahrer verzichtet er auf die Titelkämpfe im Baskenland. Dritter der Vuelta-Gesamtwertung wurde der Schweizer Laurent Dufaux (6:11), der im vorigen Jahr hinter Zülle Zweiter war und als Topfavorit an den Start vor drei Wochen in Portugal gegangen war.
Den letzten Etappensieg sicherte sich am Sonntag nach einem 148 km langen Rundstreckenrennen in Madrid der Niederländer Max van Heeswijk (Rabobank) vor Jan Svorada (Mapei) und Marcel Wüst (Festina-Lotus).
Aus deutscher Sicht zählen vor allem die drei Etappensiege von Marcel Wüst, womit der 30jährige WM-Starter sein Top-Ergebnis von 1995 wiederholte. Der exzellente Sprinter setzte sich jeweils im Massenspurt durch. Der ebenfalls dreimal erfolgreiche Slowake Jan Svorada stand ihm in nichts nach.
Neben Zülle, seit der 8. Etappe in Gelb, stärkte ein weiterer Enttäuschter der Tour de France sein Selbstbewußtsein. Der französische Weltranglisten-Erste Jalabert stellte sich während der 22 Etappen über 3.784 Kilometer nach seinem Einbruch in der Sierra Nevada in den Dienst seines Schweizer Teamgefährten. Jalabert gewann trotzdem zwei Etappen und gehört wie die Schweizer zu den WM-Favoriten.
Wie schon in den Jahren zuvor hatten namhafte Rennfahrer auf einen Start in Spanien verzichtet, darunter kurzfristig auch das deutsche Team Telekom. Vor allem Bjarne Riis (Dänemark) und der mit großen Hoffnungen nach San Sebastian fahrende Deutsche Udo Bölts wollten die Vuelta nutzen, um sich auf die Weltmeisterschaft vorzubereiten. Aufgrund gewisser Differenzen in finanzieller Hinsicht zwischen Telekom-Team und den Vuelta-Organisatoren mußten sie aber auf Rennen in der Schweiz (GP Tell) und Italien umsteigen, obwohl sich die Fachleute einig sind, daß die Spanien-Rundfahrt die beste WM- Vorbereitung ist. Der langjährige Telekom-Kapitän Olaf Ludwig, zusammen mit Altmeister Rudi Altig für das deutsche Zwölfer-Team im Elite-Rennen zum WM-Abschluß verantwortlich, sagte voraus, daß der diesjährige Weltmeister "aller Voraussicht nach" aus dem Teilnehmerfeld der Vuelta kommen werde. [Daniel Good, dpa]
Vuelta, 21. Etappe: Zülle gewinnt Zeitfahren und steht vor erneutem Vueltasieg
27.09.97 - Alex Zülle (ONCE) steht kurz vor der Wiederholung seines Gesamtsieges bei der Spanien-Rundfahrt aus dem vergangenen Jahr. Der 29jährige, der bei der Tour de France mit seinem zweiten Schlüsselbein-Bruch in diesem Jahr ausgeschieden war, gewann am Samstag das 48 Kilometer lange Einzelzeitfahren in Alcobendas bei Madrid und feierte damit bei der 21. Etappe seinen ersten Tagessieg. Zülle nahm seinen direkten Kontrahenten Fernando Escartin (Kelme) 1:39 Minuten und Laurent Dufaux (Festina-Lotus) 2:17 Minuten ab.
Einen Tag vor Abschluß der Rundfahrt hat der Schweizer Weltmeister im Zeitfahren damit einen komfortablen Vorsprung von 5:07 Minuten vor Escartin und 5:42 Minuten vor Dufaux. Die letzte Etappe, die am Sonntag traditionell in Madrid endet, wird damit zur "Ehrenrunde" für den Träger des Gelben Trikots. [dpa]
Vuelta, 20. Etappe: Jalabert schnappt Lokalmatador Jimenez den Sieg weg
26.09.97 - Laurent Jalabert verdarb am Freitag Jose Maria Jimenez eine triumphale Heimkehr. In einem verregneten Finale vor der beeindruckenden Kulisse der mittelalterlichen Stadtmauern von Avila gewann Jalabert knapp vor Sergei Ivanov (TVM) und Laurent Dufaux (Lotus), nachdem sie die lange führenden Pascal Richard und Jose-Maria Jimenez auf dem letzten Kilometer einholten.
Jimenez, der ganz in der Na¨he der Etappenankunft in Avila wohnt, hatte wie bereits am Vortag zusammen mit Pascal Richard einen Fluchtversuch unternommen. Bei km 73 der 199.4km langen Etappe waren dsie dem Feld enteilt, aber die konstante Arbeit von Jalaberts ONCE-Team ließ den 2-Minuten-Vorsprung der beiden schnell schmelzen. Hinzu kam, daß Pascal Richard sich kaum an der Führungsarbeit beteiligte. Jimenez dazu im Ziel: "Richard hat überhaupt nicht gearbeitet. Ich bin froh, daß Jalabert gewonnen hat und nicht er."
Jalabert meinte: "Wichtig war vor allem, die Gesamtführung (von Teamkamerad Zülle) zu schützen, aber ein Etappensieg ist immer gut." der Etappensieg am Freitag war Jalaberts zweiter Vueltatagessieg 1997 und sein 18. insgesamt.
Zülle zog nach der Etappe zum 12. Mal das Gelbe Trikot des Spitzenreiters über, blieb aber immer noch vorsichtig: "Vielleicht gewinne ich nicht das Zeitfahren am Samstag, wichtiger ist die Rundfahrt zu gewinnen. Ich habe viel gelitten in diesem Rennen. die Situation ist ähnlich wie die im Vorjahr, aber als ich dieses Jahr zur Vuelta kam, war ich nicht in Form und ich hatte in der ersten Woche Mühe, mitzuhalten. Dann wurde ich aber besser in den Bergen." [Reuters}
Vuelta, 19. Etappe: Drei Spanier vorn, Jimenez gewinnt souverän
Der Schweizer Alex Zuelle strebt mit Können und Routine dem zweiten Vuelta-Sieg entgegen. Auf der bergigen Etappe zwischen Valladolid und Los Angeles de San Rafael traf der Mann im Gelben Trikot zwar rund 50 Sekunden nach dem Etappensieger Jose Maria Jimenez (Banesto) im Ziel ein, doch gab er gegen seine hartnäckigsten Konkurrenten Fernando Escartin (Kelme) und Laurent Dufaux (Festina-Lotus) keinen Meter preis.
Nach zwei zweiten und einem dritten Rang schaffte Bergspezialist Jimenez auf dem 193 km langen 19. Tagesabschnitt endlich den angestrebten Erfolg. Beim letzten Antritt vor dem Ziel-Berg ließ er seinen Landsleute Roberto Heras (Kelme) und Sebastian Clavero (Estepona) keine Chance und verteidigte auch das Trikot des Bergkönigs.
Die Etappe stand noch einmal im Zeichen des Altmeisters Tony Rominger (Cofidis) aus der Schweiz, der bei einer dynamischen Alleinfahrt bis zu 12:56 Minuten auf das Feld herausfuhr. 30 Kilometer vor dem Ziel wurde der dreimalige Vuelta-Gewinner aber vom Feld wieder gestellt und verlor auf den letzten Kilometern noch 8:33 Minuten. Rominger plant, nach dieser Saison seine Laufbahn zu beenden. [dpa]
Vuelta, 18. Etappe: Leon Van Bon gewinnt den Sprint einer 9köpfigen Ausreissergruppe
24.09.97 - Die heutige Etappe von Burgos nach Valladolid war flach wie eine Tortilla und schien wie gemacht für eine Sprintentscheidung. Stattdessen jedoch dominierte eine 9köpfige Spitzengruppe den Tag. Claudio Chiappucci, der bei Fluchtgruppen grundsätzlich anzutreffende Mariano Piccoli, sowie Stefano Colage, Viatcheslav Ekimov, Sergui Ouslamine, Leon van Bon, Alvaro Galeano, J. Garcia Acosta und Laurent Brochard arbeiteten gut zusammen und hatten am Schluß fast fünf Minuten Vorsprung auf das Feld.
ONCE hatte die Hauptarbeit bei der Verfolgung gemacht, aber es sah mehr wie eine Pflichtübung der Mannschaft mit dem Gelben Trikot aus. Allzu besorgt schien man bei Once nicht und brauchte es auch nicht zu sein, denn keiner von den Ausreissern stellte eine Bedrohung für das Gelbe Trikot von Alex Zülle dar.
Zahlreiche Attacken innerhalb der Spitzengruppe fanden auf den letzten 10 km statt. Chiappucci, der immer noch auf einen großen Sieg in diesem Jahr wartet, und Galeano attackierten sechs Kilometer vor dem Ziel, aber 500 Meter vor dem Ziel wurden sie gestellt. Leon van Bon stellte sich als der stärkste im Finish heraus. Der Niederländer aus dem Rabobank-Team ließ Brochard (Festina-Lotus) und Colage (Refin) locker hinter sich.
[Marca, VeloCity]
Irritationen wegen Tonkovs Vuelta-Aufgabe
24.09.97 - Pavel Tonkov (Mapei) war am Montag nicht zum Start der 16. Etappe der Vuelta a Espana erschienen. Dies hatte Tonkov mehr oder weniger bereits seit Tagen angekündigt. Tonkov wollte die Vuelta vorzeitig beenden, um bei seiner Frau zu sein, die Tage zuvor ein Baby zur Welt gebracht hatte. Nach seinem zweiten Etappensieg am Sonntag reiste Tonkov dann ab.
Grundsätzlich hatte die Organisation der Vuelta auch großes Verständnis dafür. Doch was nun gewisse Irritationen verursacht, ist daß die Mapei-Teamleitung Tonkov mit einer vom Teamarzt attestierten Bronchitis entschuldigte --allerdings war Tonkov schon weg, bevor die offiziellen Vuelta-Ärzte ihn untersuchen konnten. Nun fühlt man sich seitens der Vuelta-Organisation, die glaubt, die Bronchitis sei nur vorgeschoben, betrogen. Die Organisatoren wollen den "Fall" bei der UCI vorbringen und halten fürs erste die Preisgelder von Tonkov zurück.
[El Mundo Deportivo/Frank Gonzalez]
Vuelta, 17. Etappe: Wüst - Svorada 3:3 ...
23.09.97 - Jan Svorada (Mapei) gewann seine dritte Etappe bei der Vuelta, es ist sein zweiter Tageserfolg innerhalb von zwei Tagen und für Mapei jetzt schon Etappenerfolg Nr. 5.
Fünf Tage vor dem Vuelta-Finale in Madrid war Svorada zu schnell für seinen schärfsten Widersacher, Marcel Wüst, der ebenfalls bereits dreri Etappensiege verbuchen konnte. Auf den dritten Platz kam Sven Teutenberg (USPS) aus Mettmann.
"Die Sprints sind immer gefährlich. Heute hatte ich Glück, daß ich nicht gestürzt bin", so Marcel Wüst im Ziel. "Ich habe noch einige Gelegenheiten zu gewinnen. Und drei Siege und zwei zweite Plätze sind ja auch nicht so schlecht." Svorada meinte nach seinem 16. Saisonsieg: "Wenn man gut drauf ist, fallen einem Siege leicht. Aber heute mußte mein Team hart arbeiten, weil auch die anderen stark kämpfen."
Die Etappe am Dienstag über die kastillanische Ebene war sehr schnell, wodurch das Feld schon bald auseinandergerissen wurde. Svorada kam an der Spitze einer 63köpfigen Gruppe ins Ziel, der Rest der insgesamt noch 130 Fahrer kam 1:39 Minuten nach Svorada ins Ziel.
In der Gesamtwertung behält Alex Zülle seine 2:46 min-Führung. Zülle nach der Etappe: "Heute gab es keine Chance zur Erholung. Svoradas Team ging so ein hohes Tempo, wenn man da einmal in eine ungünstige Position kommt, dann wars das." [Reuters]
Vuelta, 16. Etappe: Svorada liefert vierten Sieg für Mapei
22.09.97 - Das Mapei-GB-Team ist über den Großteil der Saison eines der gefürchteten Teams überhaupt. Die Mapei's dominieren die Klassiker und unzählige andere Rennen. Bei der Vuelta 97 aber spielen sie eine Nebenrolle. Der Teamkapitän Pavel Tonkov stürzte schwer bei einer Trainingsfahrt nur ein Tag vor dem Vueltastart. Zu den Verletzungen von diesem Sturz kam in der ersten Vueltawoche bei Tonkov auch noch eine Magenverstimmung hinzu, die Folge waren entscheidende Zeitverluste bereits im ersten Drittel der Vuelta.
Das Gelbe "Amarillo" Trikot des Gesamtführenden war für Mapei schnell in weiter Ferne und es blieb Mapei nur die Jagd nach Etappenerfolgen. Aber in dieser Disziplin machen sie sich wirklich nicht schlecht. Bei der heutigen 16. Etappe über 169 km von Cangas de Onis nach Santander erkämpfte der Mapei-Sprinter Jan Svorada seinen zweiten Etappenerfolg, für Mapei nach den beiden Etappensiegen von Tonkov nun der vierte Tageserfolg bei der Vuelta a Espana 1997.
Pavel Tonkov hatte nach seinem Erfolg vom Sonntag am heutigen Montag nach Absprache mit seiner Teamleitung den ersten Flieger nach Hause nach Italien genommen, um bei seiner Frau zu sein, die vor wenigen Tagen ein Baby zur Welt gebracht hat. Ohne weitere Bergetappen auf dem Restprogramm der Vuelta war Tonkovs Vuelta eh vorbei. Aber dafür war dann Tonkovs Teamkamerad Svorada bei der heutigen Sprintentscheidung zur Stelle. Auf dem Boulevards von Santander schlug Svorada leicht und locker das Feld der Sprinter. "Am Beginn der Vuelta lief es mir gar nicht gut, aber im Verlauf des Rennens bin ich stärker geworden," erklärte Svorada nach der Etappe.
Auf der 16. Etappe war für das Peloton nach vier schweren Bergetappen ein wenig Erholung angesagt. Auch die spanische Sonne schien wieder, nachdem bei der Bergetappe am Sonntag noch schlechtes, kaltes Wetter geherrscht hatte. Und spätsommerlich entspannt rollte das Feld dann auch auf dem größten Teil der heutigen Etappe dahin. Erst auf den letzten 25 km gab es zahlreiche ernsthafte Attacken. Jacky Durand, Maurizio Fondriest, Neil Stephens --alle versuchten sie ihr Glück, aber keiner von ihnen entwischte dem Feld. Die Sprinter rochen bereits das Ziel und ihre Teams arbeiteten und stellten sicher, daß keiner der Ausreißer mehr als einige Sekunden Vorsprung erreichte. Im Finale der Sprinter war dann Svorada unschlagbar. 100 Meter vor dem Ziel trat er an und hatte am Ende mehr als eine Radlänge Vorsprung vor Marcel Wüst (Festina) und Alessio Di Basco (Saeco).
In der Gesamtwertung blieb nach der heutigen Sprintentscheidung alles beim alten: Zülle vor Escartin und Dufaux. Die 17. Etappe am Dienstag, 195 km von Santander in das wunderschöne nordspanische Burgos, verspricht wieder ein Tag für die Sprinter zu werden. Svorada wird gewiss Sieg Nr. 3 ansteuern, aber ganz sicher wird Marcel Wüst etwas dagegen haben und seinerseits versuchen, seinen vierten Tageserfolg zu feiern. Für Spannung ist gesorgt. [Marca, VeloCity]
Vuelta, 15. Etappe: Tonkov gewinnt Etappe, Zülle ist Vuelta-Sieg kaum noch zu nehmen
21.09.97 - Eine Woche vor Ende der 52. Spanien- Rundfahrt ist dem Vorjahressieger Alex Zülle der erneute Sieg kaum noch zu nehmen. Der 29jährige Schweizer, der aus der diesjährigen Tour de France wegen eines noch nicht überstandenen Schlüsselbeinbruchs nach fünf Etappen ausscheiden mußte, nimmt die letzten sieben Tage mit einem komfortablen Vorsprung von fast drei Minuten auf den Spanier Fernando Escartin (Kelme) in Angriff.
Zülles inzwischen gesundheitlich angeschlagener Landsmann Laurent Dufaux, zu Beginn erklärter Topfavorit und bis Sonntag zweiter im Gesamtklassement, verlor am Sonntag über zwei Minuten auf den Träger des Gelben Trikots.
Den 15. Tagesabschnitt von Orviedo an den 1,120 m hochgelegenen Lago die Cavadonga, die vierte Bergetappe in Folge, gewann nach 159 Km der Russe Pawel Tonkow (Mapei), der in Spanien damit am Sonntag seinen zweiten Tagessieg feierte. Zülle wurde mit 18 Sekunden Rückstand Zweiter.
Die 12 km lange Schlußsteigung am Sonntag war doppelt unangenehm, weil das Wetter verrückt spielte. Die Fahrer mußten sich bei niedrigen Temperaturen zum Teil durch Hagel- und Regenschauer und dichten Nebel kämpfen. Erst hatte Escartin, fünfter der diesjährigen Tour, attackiert, dann drei Kilometer vor dem Ziel der diesjährige Giro-zweite Tonkow, der noch beinahe von Zülle eingeholt worden wäre. [dpa]
Vuelta, 14. Etappe: Garcia Acosta mit Überraschungssieg - Zülle baut Führung aus
20.09.97 - Der Außenseiter Jose Garcia Acosta (Banesto) hat am Samstag die 14. Etappe der Vuelta gewonnen. Der Spanier löste sich auf dem 160 km langen Tagesabschnitt zwischen Oviedo und Alto del Naranco wenige Kilometer vor dem Ziel am letzten Berg aus einer fünfköpfigen Spitzengruppe und fuhr noch über eine Minute Vorsprung auf seine Begleiter heraus. Es war der vierte Etappenerfolg der Gastgeber bei der diesjährigen Vuelta.
In der Gesamtwertung baute Spitzenreiter Alex Zülle (Once) seinen Vorsprung um weitere knapp 30 Sekunden aus, indem er sich bei der letzten Steigung von seinen ärgsten Widersachern Laurent Dufaux (Festina) und Fernando Escartin (Kelme) löste. [dpa]
Vuelta, 13. Etappe: Sieg für Pawel Tonkow - Zülle weiter im Gelben Trikot
19.09.97 - Der Russe Pawel Tonkow (Mapei) hat am Freitag die 13. Etappe der Spanien-Radrundfahrt für sich entschieden. Mit einem Antritt am letzten Anstieg rund fünf Kilometer vor dem Ziel hängte der Giro-Gewinner von 1996 die Vuelta-Favoriten auf der 196 km langen Strecke von Ponferrada und Branillin noch ab und kam mit einem Vorsprung von 31 Sekunden auf den schon am Vortag zweitplazierten Spanier Jose Maria Jimenez (Banesto) ins Ziel. Es war der zweite Etappensieg für das Tonkows Mapei-Team bei der Vuelta.
In der Gesamtwertung gab es kaum Veränderungen, da sich die Chefs der Fahrt, die beiden Schweizer Alex Zülle und Laurent Dufaux, in den Bergen argwöhnisch beschatteten. Dufaux sicherte sich als Dritter zwar noch eine Zeitgutschrift, doch Zülle war als Sechster unmittelbar hinter ihm im Ziel. Die entscheidende Steigung hatte eine etwa 25köpfige Spitzengruppe in Angriff genommen, wobei immer wieder der Weltranglisten-Führende Laurent Jalabert (Once) Vorstöße inszenierte. Auf den letzten 16 Kilometern zerriß am letzten Berg schließlich auch diese Gruppe. [dpa]
Laurent Jalabert wurde am Ende von der Jury mit einer Zeitstrafe von 1 Minute belegt, weil der Franzose auf den letzten 20km der Etappe unerlaubte Reperaturen an seinen Rad erhielt. Zusätzlich wurde er auf den letzten Platz der Tageswertung relegiert und Manolo Saiz, der sportliche Leiter von Once, mit einer 200 SFr-Strafe belegt. [Reuters]
Vuelta, 12. Etappe: Zülle trotzt den Angriffen von Dufaux und Escartin
18.09.97- Vorjahressieger Alex Zülle hat am Donnerstag auf der 12. Etappe der 52. Spanien-Rundfahrt von Leon nach Alto de Morredero die ersten ernsthaften Angriffe auf sein Gelbes Trikot mit Erfolg abgewehrt. Auf der ersten schweren Berg-Etappe nach dem Ruhetag erreichte der Schweizer nach 142 Kilometern das Ziel sogar mit zehn Sekunden Vorsprung vor seinem ärgsten Widersacher und Landsmann Laurent Dufaux (Festina).
Die Berg-Etappe mit der 16 Kilometer langen Schlußsteigung hoch nach Ponferrada auf 1.750 Meter gewann der Spanier Roberto Heras (Kelme), der vier Kilometer vor dem Ziel den bis dahin führenden Solisten Jose- Maria Jimenez (Banesto) (ebenfalls Spanien) überholt hatte.
Auf der Schlußsteigung, auf der die Fahrer zum Teil zwölfprozentige Steigungspassagen bewältigen mußten, versuchten sich die Favoriten durch ständige Attacken gegenseitig auszuschalten. Aber Zülle, der aus der Tour de France ausgeschieden war, weil sein zuvor gebrochenes Schlüsselbein eine Fortsetzung der Fahrt durch Frankreich unmöglich machte, war immer Herr der Lage.
Der Zeitfahr-Weltmeister hielt vor allem Dufaux und den mehrmals attackierenden Fernando Escartin in Schach. Auf den letzten 100 Metern fuhr er sogar einen kleinen Vorsprung vor den beiden heraus.
Bis zum Sonntag folgen nacheinander anspruchsvolle Berg-Etappen. Den 13. Tagesabschnitt nach Branillin über 196 Kilometer nimmt Zülle am Freitag mit 42 Sekunden Vorsprung auf Dufaux, der im kommenden Jahr bei Festina sein Mannschafts-Kollege sein wird, in Angriff. [dpa]
Vuelta, 11. Etappe: Das Peloton ist aufmerksam - Svorada gewinnt im Sprint
16.09.97 - Nachdem das Feld bei der gestrigen Etappe ein wenig das Finale verschlafen hatte und ein Ausreisser den Sprintern den Sieg wegschnappte, waren die Teams der Sprinter bei der heutigen 11. Etappe, die über 194,5 km von Almendralejo nach Plasencia führte, um so aufmerksamer. Eine ganze Reihe von Fluchtversuchen wurden von der aufmerksamen Führungsarbeit vor allem von Mapei und Scrigno mehr oder weniger im Keim erstickt. Am Ende gewann der Sprinter der Mapei-Mannschaft, Jan Svorada, den Sprint vor Maurizio Fondriest (Cofidis) und Laurent Jalabert (ONCE).
Fondriest hatte den Sprint angezogen, aber Svorada, der in dieser Saison bereits unzählige zweite und dritte Plätze belegte, konnte am Ende noch vorbeiziehen.
In der Gesamtwertung gab es am Dienstag keine Änderungen. Alex Zülle führt weiter vor Dufaux und Escartin. Am Mittwoch gibt es bei der Vuelta den von vielen Fahrern herbeigesehnten Ruhetag bevor es am Donnerstag wieder in die Berge geht, wo Zülle, der bei der heutigen 11. Etappe einen sehr guten Eindruck machte, seine Führung vor allem gegen Kletterer wie Dufaux, Escartin und auch Enrico Zaina verteidigen muß. [KV]
Vuelta, 10. Etappe: Piccoli gewinnt nach geglückter 180km-Flucht
15.09.97 - Mariano Piccoli (Brescialat) und Juan-Carlos Vicario (Estepona) waren die Männer des Tages bei der 10. Etappe der Vuelta über 224km von Cordoba nach Almendralejo am Montag. Die Beiden waren bei der Vuelta 97 bisher fast an jedem Tag in einer der frühen Fluchtgruppen, die jedoch bisher stets rechtzeitig vor dem Ziel gestellt wurden. Unermüdlich versuchte es das italienisch-spanische Duo auch heute wieder und sie attackierten wieder früh bei Kilometer 44. Vielleicht auch weil man sich an die (erfolglosen) Fluchten der beiden gewöhnt hatte im Feld, ließ man sie zunächst gewähren. Der maximale Abstand zum Feld betrug bei km 102 solide 12:38 Minuten. Dann erst machte das Feld unter der Führung von Mapei und Scrigno ernst. Doch dieses eine Mal reichte es nicht: Piccoli und Vicario hielten durch, und sie hatten es auch ein bißchen dem Rückenwind am Schluß zu verdanken, daß sie sich mit einem Vorsprung von 25 Sekunden ins Ziel retteten. Piccoli, eigentlich eher ein Bergspezialist, gewann den Sprint gegen Vicario. Für den Italiener, der vor vier Tagen 27 Jahre alt wurde, ist es der 27. Sieg seiner Karriere.
In der Gesamtwertung gab es keine Änderungen, Alex Zülle führt weiterhin und der Schweizer gibt sich zuversichtlich: "Die erste Woche war hart. Ich fand gar keinen Rhythmus. Aber jetzt habe ich ihn wieder. Der Ruhetag am Mittwoch kommt zur richtigen Zeit. Meine ONCE-Mannschaft hat heute hart gearbeitet. Die letzten Kilometer waren unglaublich schnell. Escartin's Team hat auch viel gearbeitet. Ich sehen in ihm auch noch einen ernsten Rivalen." [Marca, VeloCity]
Vuelta: Beeindruckendes ONCE-Team: Mauri gewinnt Zeitfahren, Zülle in Gelb
15.09.97 - "Arriba, arriba, --Venga, venga, venga!" ONCE-Directeur Sportif Manolo Saiz dürfte auch am Montag morgen noch heiser sein nach seinen 45 Minuten langen Anfeuerungsrufen am Sonntag. Aber Alex Zülle, der amtierende Zeitfahr-Weltmeister, brauchte wirklich jede Hilfe, die er kriegen konnte. Das 38km-Zeitfahren bei der 9. Etappe bot dem Schweizer die Gelegenheit, die Führung der diesjährigen Vuelta zu übernehmen. Aber Zülle ist nicht in Topform, Manolo Saiz selbst sagte zu Beginn der Vuelta, Zülle sei etwas übergewichtig und habe wenig Chancen. Dennoch oder gerade deshalb war Saiz dann am Sonntag aber lauter als je zuvor.
14 Sekunden trennten Zülle in der Geamtwertung von seinem Landsmann Laurent Dufaux (Festina) vor der Etappe. Aber niemand erwartete, daß Dufaux das Zeitfahren in Gelb überstehen würde. Am Start sagte Dufaux, er wäre schon froh, wenn er gegenüber Zülle nur zwei Minuten verlöre. Am Ende waren es nur 46 Sekunden. Für einen Bergspezialisten wie Dufaux zählt das wie ein Sieg. "Es war ein hartes Zeitfahren," so Dufaux im Ziel. "Heute hatte man Gegenwind fast auf der ganzen Strecke, aber ich bin hier (bei der Vuelta), um zu gewinnen. Und ich war fest entschlossen, auf Alex nicht zuviel Zeit zu verlieren."
In den verbleibenden zwei Wochen der Vuelta stehen noch vier Bergankünfte auf dem Programm. Dufaux scheint entschlossen, jede Möglichkeit zur Attacke wahrzunehmen. Für Zülle hingegen steht nur noch ein Zeitfahren auf dem Etappenplan und Zülle weiß, daß 32 Sekunden in den Bergen so gut wie nichts sind. Zülle, der Vorjahressieger der Vuelta a Espana, zeigte sich nach der 9. Etappe zwar hocherfreut über die neuerliche Führung, aber: "Meine Führung ist noch nicht sehr sicher."
Ein großer Plus-Punkt für Zülle ist sicher sein Team. Angeführt vom Tagessieger Melchior Mauri holte ONCE am Sonntag vier der fünf ersten Plätze. Und auffallend: Laurent Jalabert ist von seinem Einbruch am Freitag wieder erholt: dritter Platz für ihn, sogar noch vor Zülle (!), was wiederum auch offenbart, daß Zülle noch lange nicht in seiner Topform ist. Ein starker Jalabert ist andererseits auch ein sehr wichtiger Verbündeter für Zülle in den nächsten zwei Wochen.
Die 8. Etappe am Samstag gewann der Niederländer Bart Voskamp (TVM), der zuletzt bei der Tour um einen Etappensieg nach der ominösen "Voskamp/Heppner"-Jury-Entscheidung (s. News 25.07.97) gebracht wurde, Nach 175 km von Granada nach Cordoba setzte sich der 29jährige Profi im Spurt vor dem Italiener Mariano Piccoli (Brescialat) durch. Beide hatten sich kurz vor dem Ziel aus einer zehnköpfigen Spitzengruppe abgesetzt.
Die 10. Etappe an diesem Montag führt von Cordoba über 235 km nach Almendralejo.
[Marca, VeloCity, Reuters, dpa]
Vuelta, 7. Etappe: Showdown in der Sierra: Olano gibt auf, Jalabert bricht ein
12.09.97 - So war das eigentlich nicht gedacht. Die Spanien-Rundfahrt 1997 kam in die Berge der Sierra Nevada und jeder erwartete, daß die Topfavoriten nun richtig auftrumpfen. Die ganze Woche bisher schaute die Radsport-Welt auf zwei Fahrer: auf Laurent Jalabert und Abraham Olano. Aber just in dem Moment, in dem die Vuelta erst richtig begann, gingen die beiden Favoriten unter. Jalabert landete am Ende auf Rang 44, verlor über acht Minuten in der Gesamtwertung. Noch schlimmer erwischte es Olano, der bereits nach gut 90 Kilometern der 7. Etappe aufgab und vom Rad stieg.
Laurent Jalabert hingegen schien in einer außerordentlich guten Verfassung. Erst gestern, bei der 6. Etappe am Donnerstag, gewann er die bergige Etappe locker und leicht und holte sich die Führung im Gesamtklassement. Auch heute war er bei der 219 km langen 7. Etappe ständig an der Spitze zu finden, umgeben von seinen ONCE-Teamkollegen. Auf dem größten Teil des letzten Anstiegs, 30 km lang hinauf zur Ski-Station Sierra Nevada (Ehren-Kategorie), zeigte der Franzose absolut keine Schwächen. Aber dann, ganz plötzlich, auf den letzten vier Kilometern, ging gar nichts mehr für "Jaja". Er litt, quälte sich, aber er kam dennoch kaum vom Fleck. Acht Minuten verlor er auf den letzten vier Kilometern der Etappe, als Fernando Escartin furios attackierte.
Foto: AFP, VeloCityOlano, der vom Banesto-Team anfang der Saison als Nachfolger von Miguel Indurain verpflichtet wurde, kam in sehr guter Form zur Vuelta. Aber bereits am Donnerstag hatte er stark zu kämpfen. Am Freitag, bei der ersten richtigen Bergetappe, ging dann gar nichts mehr: nach 93 Kilometern stieg der Ex-Weltmeister entnervt vom Rad. "Vor vier Tagen fühlte ich mich gut, und nun das," sagte Olano frustriert gegenüber der spanischen Presse. "Es macht einfach keinen Sinn."
Gewinner des Tages ist der Schweizer Laurent Dufaux. Der 28jährige Mann von Festina war Zweiter bei der Vuelta im letzten Jahr und hofft nun, dieses Ergebnis noch zu übertreffen. Über die meiste Zeit der Saison steht Dufaux im Schatten seines Team-Kapitäns Richard Virenque, aber wenn dieser nicht da ist, hat er die Chance, seine eigene Klasse zu zeigen. Wie schon bei der gestrigen 6. Etappe belegte er auch bei der 7. Etappe den zweiten Platz, vor Fernando Escartin, dem wiedererstarkten Jose-Maria Jimenez und Alex Zülle. "Es war ein fantastischer Tag für mich," so Dufaux im Ziel. "es ist das erste Mal, daß ich das Gelbe Trikot bei der Vuelta trage."
Vergessen werden sollte natürlich nicht der Etappensieger des Tages, Yvon Ledanois, der mit einem beherzten Angriff wenige Kilometer vor Schluß die Entscheidung herbeiführte. Wie hart die Etappe war, zeigt die Liste der Aufgaben: 25 (!) Fahrer stiegen aus. Damit sind nach erst sieben Etappen nur noch 154 der 198 in Lissabon gestarteten Fahrer dabei.
[Marca, VeloCity]
Vuelta, 6. Etappe: Der große Angriff von Jalabert bringt Olano in Schwierigkeiten
11.09.97 - Auf dem Anstieg des Alto Mirador de la Cabra Montes (span. f. "Aussicht der Bergziegen", Kat. 1) im Küstengebirge der Sierra Almijara fuhr heute Laurent Jalabert (Once) das Feld der 52. Vuelta a Espana auseinander. Nur drei Fahrer vermochten Jalabert zu folgen: der Schweizer Laurent Dufaux (Festina), Fernando Escartin (Kelme) und Jalaberts Teamkamerad Alex Zülle, aber Jalabert gewann den Schlußsprint der Vierer-Gruppe leicht und holte sich neben dem Tageserfolg der 6. Etappe auch die Führung in der Gesamtwertung.
Wichtiger noch für Jalabert, daß er seinen größten Rivalen, Banesto's Abraham Olano distanzieren konnte. Bei Jalaberts Attacke konnte Olano nicht folgen. Der Ex-Weltmeister mußte hart arbeiten, um den Rückstand auf Jalabert noch halbwegs im Rahmen zu halten. Olano kam in einer 31köpfigen Gruppe, in der sich neben Olano auch Pavel Tonkov (Mapei), Claudio Chiappucci (Asics) und Tomy Rominger (Cofidis) befanden, 1:57 Minuten nach Jalabert ins Ziel der Alhambra-Stadt Granada.
"Ich habe attackiert und dann mal geschaut, was passiert," meinte Jalabert, der wie entfesselt den ersten größeren Anstieg der Vuelta hinauffuhr. "Als wir sahen, daß wir gegenüber Fahrern wie Olano Zeit gutmachen konnten, sind wir dann ans Limit gegangen, um das meiste aus der Situation zu machen. Er ist gefährlich bei den Einzelzeitfahren die noch kommen, daher müssen wir auf der Hut sein." Der 28jährige Franzose aus Mazamet, der die Vuelta 1995 so eindrucksvoll dominiert hatte mit fünf Etappengewinnen und einem Vier-Minuten-Vorsprung in der Endabrechnung, hatte das Rennen heute absolut unter Kontrolle. Mit der zusätzlichen 12-Sekunden-Bonifikation für den Etappensieg und einer Drei-Sekunden-Bonifikation von der dritten Sprintwertung des Tages hat "Jaja" nun einen 16-Sekunden-Vorsprung auf Dufaux, 21 Sekunden auf Escartin, 26 Sekunden auf &Zülle. Olano liegt nun schon über zwei Minuten zurück. Olanos Teamkamerad Jose-Maria Jimenez, der Bergspezialist, der eine so gute Tour gefahren war, erwischte es noch schlimmer. "Ich konnte einfach nicht mithalten," so Jimenez, der fast 13 Minuten verlor. "Ich hatte auf eine besserer Vuelta gehofft."
"Wir wußten, daß heute ein Kampftag werden würde," sagte Alex Zülle, der Gewinner des letzten Jahres, der nach seinen Verletzungs-Problemen vor und während der Tour seine Form anscheinend wiedergefunden hat. "Ich habe doppelt soviel gelitten wie die anderen, aber ich fühle mich besser als ich dachte. Und es ist eine böse Niederlage für unsere Konkurrenz." Jalabert errang heute neben dem Gelben Trikot auch das Rote Trikot des in der Punktewertung führenden und auch das Blaue Trikot für die Führung in den Metas Volantes (Zwischensprints). Die einzige Wertung, in der Jalabert nicht führt, ist die Bergwertung, in der der Spanier Francisco Cerezo (Estepona-Toscaf) vorne liegt. In der Teamwertung führt, nach der heutigen Mannschaftsleistung mehr als verdient, Jalaberts ONCE-Team.
Die Etappe am Freitag verspricht einen großartige Kampf: auf dem Programm der 7. Etappe von Guadix hinauf zur Bergankunft in der Sierra Nevada (Ehrenkategorie/ 2.520m) sind mit dem Puerto de la Ragua (1. Kategorie/2.000m) und dem Alto de Berchules (2. Kategorie) einige Hürden auf dem Weg ins Ziel zu bewältigen. [Marca, VeloNews]
Vuelta, 5. Etappe: Wüst zum Dritten! - Michaelsen erobert Gelb zurück
10.09.97 - Der Festina-Sprinter Marcel Wüst kam am Mittwoch in Malaga zu seinem dritten Etappenerfolg bei der 52. Vuelta a Espana und wiederholt mit diesem "Hattrick" seine Leistungen von der Vuelta 95, als er ebenfalls drei Mal siegreich war. Im Sprint des geschlossenen Hauptfeldes setzte sich der 30jährige Kölner in eindrucksvoller Weise durch und gewann vor Giancarlo Raimondi (Brescialat) und dem Kelme-Fahrer Angel Edo die 5. Etappe der Rundfahrt. Wüst riß die Arme zum Jubel hoch, während Raimondi frustriert auf seinen Lenker schlug. Wüst im Ziel: "Wenn man eine Etappe gewinnt, weiß man, daß man es auch wiederholen kann. Das ist, was mir jetzt passiert. Ich habe auch 1995 dreimal gewonnen. Jetzt will ich meinen Rekord brechen."
Kurz vor dem Ziel hatte es erneut einen Massensturz gegeben, von dem aber die Spitzenfahrer nicht betroffen waren. Mit dem Sieg am Mittwoch übernahm Wüst damit auch das Rote Trikot des besten Sprinters der Vuelta. Der Däne Lars Michaelsen (TVM) holte sich das Gelbe Trikot des Gesamt-Spitzenreiters zurück. Michaelsen löste aufgrund von Zeit-Bonifikationen den Italiener Fabrizio Guidi (Scrigno) ab. Michaelsen und Guidi lieferten sich wieder einmal ein spannendes Duell um die Zeitgutschriften bei den Zwischensprints: beim ersten Zwischensprint (Km 28) holte sich Guidi eine Sekunde auf Michaelsen, der da leer ausging, den letzten Zwischensprint 15 Km vor dem Ziel gewann dann aber Michaelsen, während Guidi dort leer ausging. Guidi hatte drei Kilometer vor der letzten Sprintwertung defekt, kam dennoch noch rechtzeitig wieder heran an die Spitze, aber er hatte letztlich dann keine Chance auf eine vordere Platzierung und eine entsprechende Zeitgutschrift.
Die Etappe wurde vor allem geprägt von Cedric Vasseur (Gan), der ähnlich wie schon bei der Tour einen beherzten Ausreissversuch unternahm. Bei Kilometer 49 attackierte Vasseur und führte zeitweise 9:30 vor dem Hauptfeld. Nach mehr als 100 km Alleinfahrt holte ihn eine Gruppe von Ausreissern (Roscioli/Asics, Vicario/Estepona und Laiseka/Euskadi) ein, aber die Gruppe wurde schließlich vom Hauptfeld, in dem vor allem Scrigno und Aki arbeiteten, gestellt. Mit der bei den Profis üblichen, aber immer wieder erstaunlichen Präzision, war das Peloton 16 Kilometer vor dem Ziel wieder geschlossen und der Boden für ein Sprintfinale bereitet.
Auf den gut 230 Kilometern zwischen Jerez de la Frontera und Malaga stand mit dem Puerto del Boyar (Kat. 2) nicht nur die erste ernstzunehmende Bergwertung auf dem Programm, sie war auch die längste Etappe der Vuelta und Temperaturen von bis zu 40 Grad machten die Etappe nicht leichter. Prompt gab es auch etliche Aufgaben, darunter Frederic Moncassin (Gan), Eros Poli (Gan) und Jesper Skibby (TVM). Insgesamt 11 Fahrer gaben auf.
Vuelta: Anguita beendet spanische Durststrecke - Guidi jetzt in Gelb
Eleuterio Anguita (Estepona) hat am Dienstag für den ersten Etappensieg der Gastgeber bei der 52. Vuelta a Espana gesorgt. Auf dem 192 km langen vierten Tagesabschnitt von Huelva nach Jerez de la Frontera nutzte der Spanier vom Estepona-Toscaf-Team die Gunst der Stunde, als große Teile des Feldes rund zwei Kilometer vor dem Ziel auf Kopfsteinpflaster in einen Massensturz verwickelt waren. Er setzte sich einige Meter vom Feld ab und rettete den Sieg vor Claudio Camin (Brescialat) und Jan Svorada (Mapei) ins Ziel. [dpa]
Anguita beendete damit eine lange spanische Durststrecke bei der nationalen Rundfahrt der Spanier: das letzte Mal, das ein Spanier bei einer Vuelta-Etappe siegte, war 1995, als Olano zu drei Tagessiegen kam.
Der Italiener Fabrizio Guidi (Scrigno) übernahm das Gelbe Trikot des Spitzenreiters. Er hatte dem bisherigen Spitzenreiter Lars Michaelsen (TVM), der in den Sturz kurz vor dem Ziel verwickelt war und somit keine weiteren Bonifikationen am Schluß erkämpfen konnte, bereits bei der ersten Sprint-Wertung bei Kilometer 36 die eine Sekunde Vorsprung weggenommen, als er die Sprintwertung vor dem Dänen gewann. Guidi war rechnerisch schon da im Gelben Trikot.
Die Etappe war mittags in Huelva bei angenehmen Temperaturen vor einer großen Zuschauerzahl gestartet worden. Eros Poli (Gan) unternahm den ersten Fluchtversuch bereits nach wenigen Kilometern, aber vor allem Guidis Scrigno-Equipe arbeitete und ließ ihn nicht ziehen, um Guidi die Chance auf die entscheidenden Zeitgutschrift bei der ersten Sprintwertung zu erhalten. Diese Chance nahm Fabrizio Guidi dann bei Kilometer 36 auch wahr. Kurz danach gelang es einer fünfköpfigen Gruppe um den Dänen Claus Möller (Estepona-Toscaf) sich vom Feld abzusetzen. Die Gruppe erreichte schnell einen Drei-Minuten-Vorsprung, der jedoch im Verlauf der nächsten gut 100 Kilometer langsam dahinschmolz, bis Möller schließlich bei Kilometer 156 nochmals, diesmal alleine, attackierte und bis zu einer Minute auf das Feld herausfahren konnte. Möller konnte den Vorsprung aber nicht halten, und das Peloton erreichte schließlich im geschlossenen Feld die Stadtgrenzen von Jerez. [KV]
Am Mittwoch geht es auf der fünften Etappe von Jerez nach Malaga erstmals in die Berge, ab Donnerstag stehen in der Sierra Nevada dann die ersten großen Bergwertungen der ersten Kategorie an.
Zwei Etappensiege für Marcel Wüst: der zweite deutsche Sprint-Star rückt in den Mittelpunkt
09.09.97 - Ein Unbekannter ist er ja eigentlich nicht. Aber nun, im erfolgreichsten deutschen Radsportjahr überhaupt, steht Wüst nach nach seinen zwei Triumphen in Spanien natürlich mehr als jemals zuvor im Mittelpunkt.
Marcel Wüst hat schon einige große Siege errungen. Beispielsweise hat der 30jährige Kölner auch schon 1995 drei (!) Etappensiege bei der Vuelta a Espana errungen. Und dieses Jahr hat er auch schon beim Giro eine Etappe gewonnen. Und viel Pech hatte er auch schon in seiner Karriere. Etwa als er bei dem 1996er Spitzen-Team Le Groupement (Kapitän war der damalige Weltmeister Luc Leblanc) fuhr, das kurz vor dem Start der Tour 1996 aufgelöst wurde, weil der dubiose Sponsor nicht mehr zahlen wollte oder konnte. Wüst schlüpfte danach kurzfristig beim kleinen spanischen Team MX-Onda-Eurosport unter, für das er dann u.a. bei der Vuelta 96 fuhr, wo er zweimal Zweiter wurde.
Interessant, was Wüsts Team-Kamerad Neil Stephens bei VeloCity über ihn schreibt:
Das mußt Du einfach lieben! Mein Junge Marcel Wüst holt sich zwei Etappen hintereinander. Mann, er fliegt praktisch im Moment. Nichts kann ihn stoppen. Ich glaube, man kann gewiss sagen, er ist der beste Sprinter (in der Vuelta 97). Ich meine, er fliegt ja geradezu. Direkt nach der 3. Etappe sagte er zu mir, er habe schon gewußt, daß er gewinnen würde, als er den Sprint anzog. So viel Selbstvertrauen hat er.
Vergleiche von Wüst mit Sprintwunder Erik Zabel fehlen natürlich nicht. Der EXPRESS schaute am Mittwoch schon in die Zukunft, wenn möglicherweise Wüst und Zabel zusammen die Tour fahren, der eine mit Ullrich bei Telekom, der andere mit Virenque bei Festina. In der Tat eine brisante Situation. Festina und Telekom, die Erzrivalen. Der EXPRESS weiter:Und ehrlich gesagt jeder gönnt Marcel die Siege. Er ist ganz bestimmt einer der coolsten im Peloton. Und ich meine 'cool' in jeder Hinsicht. Er ist locker, macht jeden Spaß mit. Ich glaube, das haben in der Vergangenheit manche Teamchefs ihm vorgeworfen. Die glaubten, weil er immer grinst, wäre er nicht ernsthaft dabei. Aber nichts könnte weiter von der Wahrheit sein. Marcel ist wirklich der perfekte Profi. Er spricht alle möglichen Sprachen und er liebt es, zu reisen. Hey, letztes Jahr, glaube ich, hat er mehr Zeit in Australien verbracht als ich. Ich kann mich erinnern, als ich ihn das erste Mal traf. Er meinte: "Heh, ich mag Deinen Akzent. Ich glaube, ich fang' an Australisch zu sprechen." Und das hat er auch gemacht.
[VeloCity]Wird Wüst den großen Zabel stürzen können? Ex-Radstar und Verbands-Vize Olaf Ludwig: "Nein. Die Tour de France ist das Maß aller Dinge. Und da hat Erik bewiesen, was er kann: Fünf Etappensiege in den letzten zwei Jahren. Aber ich kann Marcel Wüst jetzt nur gratulieren."
Telekom-Teammanager Rudy Pevenage: "Marcel Wüst ist ein ernsthafter Konkurrent mehr für uns, wenn er die Tour fährt. Und mit 30 Jahren befindet er sich im besten Alter. Aber die Spanien-Rundfahrt ist eine andere Kategorie als die Tour de France."
Artur Tabat, 25 Jahre lang Cheforganisator von "Rund um Köln": "Der Marcel gehört ins Telekom-Team. Ich habe das in der Vergangenheit immer wieder betont. Wenn ein deutscher Radprofi schon stark ist, muß er auch für eine deutsche Mannschaft starten. Marcel wird eine starke Konkurrenz für Erik Zabel." Schon vor zwei Jahren feierte Wüst in Top-Form drei Etappensiege bei der Spanien-Rundfahrt.
[Express v. 10.09.97]
Vuelta: Erneuter Etappensieg für Wüst, Teutenberg Dritter
08.09.97 - Marcel Wüst bestimmt die Sprintentscheidungen der 52. Spanien-Rundfahrt zur Zeit nach Belieben. Der 30jährige Kölner sicherte sich nach seinem Erfolg vom Sonntag auch den Tagessieg am Montag bei der 3. Etappe der Vuelta von Loula in Portugal nach Huelva in Andalusien über 173 km.
Wüst, der Anfang des Jahres vom spanischen MX-Onda-Team zum französischen Festina-Teams kam , und der nur aufgrund der Gesamtsiegambitionen von Festinas Kapitän Virenque nicht für die Tour de France berücksichtigt wurde, sorgte dafür, daß die Gastgeber weiter auf den ersten Sieg bei "ihrer" Rundfahrt warten müssen. Wüst setzte sich im Sprint ungefährdet vor dem Italiener Fabrizio Guidi (Scrigno) und dem aus Mettmann bei Düsseldorf stammenden Sven Teutenberg (US Postal) durch. Der Marktwert von Marcel Wüst, der bereits bei der Vuelta 1996 mit zwei zweiten Plätzen knapp an Etappensiegen dran war, wird durch diese Siege sicher enorm steigen, ob er allerdings "jetzt auch in die Yellow Press" gehört, wie Eurosport-Kommentator Karsten Migels meinte, ist dann doch eher zweifelhaft.
Die dritte Etappe der Vuelta war zunächst ruhig verlaufen. Bis zum Kilometer 82, als das Peloton im geschlossenen Feld die Brücke über den Guadiana-Fluß, der die Grenze zwischen Portugal und Spanien bildet, überquerte, hatte das Peloton bereits 35 Minuten Rückstand auf den langsamsten Schnitt der Marschtabelle, was zum Teil auch am starken Gegenwind lag. Bei Kilometer 99 versuchten dann Mauro Bettin (Refin), Martin Hvastija (Cantina Tollo) und Filippo Simeoni (Asics) einen Fluchtversuch, kamen aber nicht über einen 1.20 Min-Vorsprung hinaus. Die Ausreißer wurden bei Kilometer 162 gestellt. Auf den letzten Kilometern gab es verschiedene taktische Attacken, unter anderem von Neil Stephens (Festina) und Alessio Di-Basco (Saeco), aber 800 Meter vor dem Ziel war das Feld wieder beisammen und es kam zum Massesprint, den Wüst relativ locker gewann.
In der Gesamtwertung führt weiter Lars Michaelsen (TVM), der nun eine Sekunde vor Fabrizio Guidi (Scrigno) liegt.
Die 4. Etappe der Vuelta führt am Dienstag von Huelva über 193 km nach Jerez.
Vuelta: Etappensieg für Marcel Wüst - Michaelsen trotz Sturz weiter vorn
07.09.97 - Marcel Wüst hat am Sonntag die zweite Etappe der 52. Spanien-Rundfahrt über 224 Kilometer von Evora nach Vilamoura im Süden Portugals im Massenspurt gewonnen. Das Gesamtklassement führt weiter der Däne Lars Michaelsen an, der in der langezogenen Zielkurve in einen bösen Sturz verwickelt war. Erst Minuten nach der Zieldurchfahrt rappelte sich der Däne auf und stieg wieder auf sein Rad und fuhr mit der Hilfe seines Teamkameraden Jesper Skibby ins Ziel. Ob er das Rennen fortsetzen kann, muß erst eine ärztliche Untersuchung klären.
Wüst, der auch bereits beim Giro einen Etappenerfolg verbuchen konnte, zog auf den entscheidenen 300 letzten Metern innen an seinen Konkurrenten vorbei und siegte ungefährdet vor Jan Svorada (Mapei) und Fabrizio Guidi (Scrigno). Vom Sturz war der 30jährige nicht betroffen. Sein vermeintlich größter Konkurrent um Sprintsiege bei der Vuelta, der Italiener Mario Cipollini, war am Morgen zum Start der zweiten Etappe nicht angetreten. Cipollini, der bei der gestrigen ersten Etappe einen 12-Minuten-Rückstand einfuhr, gab als Grund eine Magenverstimmung an.
Die zweite Etappe war geprägt vom Fluchtversuch von Jacky Durand (Casino). Der 30jährige Franzose war bereits nach 20 Kilometern dem Feld enteilt und konnte seinen Vorsprung kontinuierlich ausbauen. Bei Kilometer 74 hatte Durand einen Vorsprung von über 15 Minuten und es sah beinahe so aus, als ob das Peloton, das es bei Temperaturen von bis zu 35 Grad ruhig anging, ihn ziehen lassen würde. 70 Kilometer vor dem Ziel machten dann aber zunächst Festina-Lotus und dann auch TVM Tempo. Dreißig Kilometer vor dem Ziel war es dann um Durand geschehen und seine 174 km lange Alleinfahrt beendet.
Die großen Favoriten auf den Gesamtsieg in Madrid, hielten sich zum Auftakt der Vuelta erwartungsgemäß noch zurück. Der Top-Favorit, Ex-Weltmeister Abraham Olano (Banesto), kam ebenso mit dem Hauptfeld ins Ziel wie der Schweizer Laurent Dufaux (Festina), seine Landsleute, Titelverteidiger Alex Zülle, der ehemalige Stunden-Weltrekordler und dreifache Vuelta-Sieger Tony Rominger (Cofidis) und der Weltranglisten-Erste und Vuelta-Sieger von 1995 Laurent Jalabert (ONCE). Jalabert zeigte sich jedoch aufmerksam bei allen Sprintwertungen. Der Franzose ist hochmotiviert, die Punktewertung der Vuelta zum vierten Mal in Folge zu gewinnen. [dpa, Reuters]
Vuelta: Michaelsen gewinnt erste Etappe und übernimmt Gesamtführung
06.09.97 - Lars Michaelsen (TVM) schenkte den dänischen Radsport-Fans mal wieder einen Freudentag, als er am Samstag im portugisieschen Estoril die Anfangsetappe der Vuelta gewann. Michaelsen ist in der 62-jährigen Vueltageschichte der erste Däne der das Trikot des in der Gesamtwertung Führenden trägt.
Der 28jährige Däne aus Kopenhagen konnte in einer knappen Sprintentscheidung Claudio Chiappucci und den Vuelta-Sieger von 1995, Laurent Jalabert, auf der Formel1-Rennstrecke in Estoril schlagen. Durch die Zeitbonifikationen für den Etappensieg übernahm Michaelsen den ersten Rang der Gesamtwertung und er liegt nun vier Sekunden vor Chiappucci. Dritter ist der Italiener Angelo Canzonieri (Saeco), der zusammen mit dem Spanier Francisco Cerezo (Estepona-Toscaf) mit einem 45-Km Ausreißversuch die Etappe lange geprägt hatte.
Lars Michaelsen kam zur Vuelta um eine für ihn unglückliche, von Verletzungen geprägte Saison noch zu retten. "Ich habe gemerkt, daß dies mein Tag werden könnte als ich sah, daß die Top-Sprinter wie Mario Cipollini bei den Anstiegen zurückfielen," so Michaelsen im Ziel. "Jalabert hat Tempo gemacht auf den letzten 250 Metern, aber 60 Meter vor dem Ziel kam ich nach vorne."
Canzonieris Flucht war 12 km vor dem Ziel beendet nachdem vor allem Laurent Jalabert auf dem letzen Anstieg Druck machte, wodurch das Feld vollkommen auseinander riß. 74 Fahrer, darunter alle Favoriten kamen über eine Minute vor einer zweiten großen Gruppe ins Ziel. Cipollini, der in diesem Jahr sowohl bei Giro als auch bei der Tour die Leader-Trikots getragen hat und der am Morgen noch als einer der Favoriten für den Tageserfolg gestartet war, kam mehr als zwölf Minuten nach dem Sieger ins Ziel.
Die zweite Etappe am heutigen Sonntag gibt Cipollini und den anderen Sprintern eine weitere Chance, wenn es über 225 km von Evora nach Vilamoura geht (ab 15:00h live bei EUROSPORT). [Reuters]
Vuelta: Jalabert gibt die Favoritenrolle an Olano weiter
06.09.97 - Er ist immer noch die Nummer 1 in der Welt, aber Laurent Jalabert spielte am Donnerstag abend seine Chancen auf einen Vuelta-Sieg herunter. Jalabert glaubt viel eher, der Spanier Abraham Olano (Banesto) sei der große Favorit. Heute beginnen die 3.762 km der Vuelta 1997 in Lissabon, zum ersten Male überhaupt außerhalb Spaniens, und Jalabert sagt von sich, er sei nicht mehr als ein "starker Mitstreiter". Der Franzose, der bei der Vuelta 1995 Olano klar schlagen konnte, weiter: "Als ich Olano bei der Vuelta schlagen konnte, kam ich völlig entspannt in das Rennen, weil ich nicht als Favorit gehandelt worden war. Jetzt fühle ich mich wie damals, und ich will mich nicht unter Druck setzen. Bei der Tour war zuviel Druck auf mir und ich war katastrophal. Deswegen bin ich noch mehr motiviert bei der Vuelta."
Laurent Jalabert hat eine Vorliebe für die Spanien-Rundfahrt. Er gewann nicht nur 1995 die Gesamtwertung, sondern insgesamt 16 Etappen in den letzten vier Jahren und letztes Jahr gewann er zum dritten Male hintereinander die Punktewertung der Vuelta, vor zwei Jahren gewann er auch noch die Bergwertung.
Olano will bei der diesjährigen Vuelta hingegen die Erinnerungen an letztes Jahr auslöschen. Damals war zum ersten Mal überhaupt Spanien leer ausgegangen: kein einziger Spanier unter den ersten fünf der Gesamtwertung oder in den anderen Wertungen. Olano, Dritter im Giro 1996 und Vierter in der diesjährigen Tour, ist besonders stark im Zeitfahren. Jalabert: "Wenn man bedenkt, daß es bei der Vuelta zwei Zeitfahren gibt, dann bin ich sicher nicht der Favorit. Es könnte bedeuten, daß ich Tag für Tag attackieren muß um Zeit aufzuholen." Das erste Zeitfahren der Vuelta findet erst bei der neunten Etappe in Cordoba statt, das zweite dann bei der vorletzten Etappe in Alcobendas.
Im ONCE-Team fahren neben Jalabert auch der Vuelta-Sieger von 1991, Melchior Mauri und der Sieger vom Vorjahr Alex Zülle. Zülle wird dieses Jahr nur die Rolle eines Helfers innehaben, denn, so ONCE -Team -Manager Manolo Saiz, Zülle ist "übergewichtig und nicht in Form", eine Nachwirkung von Zülles Schlüsselbein-Bruch, den er bei der Tour de Suisse erlitt und ihn auch zwang, die Tour de France bereits in der ersten Woche aufzugeben.
Zülles Landsmann, der dreimalige Vuelta-Gewinner Tony Rominger, Dritter im Vorjahr, gibt den Schweizern auch nur wenig Hoffnung dieses Jahr. Rominger, der sich sein Schlüsselbein bei der Tour de France gebrochen hatte, wird auch mit geringen Chancen auf einen vorderen Platz in der Gesamtwertung in Lissabon starten.
Die erste Etappe der Vuelta führt heute die 198 Fahrer über 155,7 Km von Lissabon zur Autorennbahn in Estoril. [Reuters]
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