Fährt Richard Virenque den Giro d'Italia?

03.12.97 - Richard Virenque, der aus steuerlichen Gründen mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter seit kurzem in der Schweiz lebt, denkt über einen möglichen Giro-Start nach. Seit sein Teamchef bei Festina, Bruno Roussel ihm die Infos zum Giro 98 gefaxt hat, denkt der in Marokko geborene Franzose darüber nach, ob er seinen neuen Teamkameraden Alex Zülle im "rosa Rennen" begleiten will.

"Ich möchte den Italienern sagen, daß ich vor dem Ende meiner Karriere mindestens einen Giro fahren werde," so Virenque gegenüber der Gazzetta dello Sport. "Ich will den Giro fahren, um zu beweisen, daß ich nicht nur ein Fahrer für die Tour bin, sondern für alle großen Rundfahrten. Meine Frau ist Italienerin und ich habe schon in Italien um Siege gekämpft, als Amateur, im Aosta-Tal, ein Etappenrennen, das damals Ivan Gotti gewann. Ich kenne die Klassiker: San Remo, Sabatini, Emilia, Piemont, Lombardei. Aber ich weiß nichts von den anderen Rennen- ob sie schwer sind, ob Nervosität herrscht oder nicht. Ich möchte den Giro fahren. Ich weiß aber noch nicht, ob bereits nächstes Jahr. Die Tatsache, daß der Giro in Nizza startet, nahe meinem Heimatort, und der Giro über französische Straßen führt, ist sicherlich interessant."

Richard Virenque

Geb. am 19.11.1969 in Casablanca, Marokko
Profi seit 1991, 30 Siege

Virenque ist einer der besten Kletterspezialisten der Welt. 1994 gewann er bei der WM in Agrigento die Silbermedaille. In den letzten vier Jahren gewann er ununterbrochen die Bergwertung der Tour de France. Bei der Tour 97 gewann er die großartige Etappe in Courchevel und wurde in der Gesamtwertung Zweiter hinter Jan Ullrich. 1992 trug Virenque einen Tag lang das Gelbe Trikot.

Virenque weiter: "Die Tour 98 hat weniger Berge und mehr Zeitfahrkilometer. Deshalb ziehe ich (den Girostart) in Erwägung, es ist eine Idee. Während in den vergangenen Jahren die Möglichkeit eines Girostarts gleich Null war, besteht jetzt zumindest eine 20prozentige Chance, weil die Tour eine Woche später als sonst stattfindet und somit länger Zeit zur Erholung bleibt." Nur mitfahren will Virenque allerdings nicht: "Wenn ich nach Italien gehe, dann als Protagonist."

Und ist Festina-Teamchef Bruno Roussel überrascht von Virenques möglichen Giro-Ambitionen? "Nein," sagt er. "Der Giro 1998 hat die klassische Struktur der Tour, die Virenque liegt: ein langsamer Start und ein hartes Finish. Auch weil aufgrund der Fußball-WM die Tour fünf Wochen nach dem Giro stattfindet- das ist besser für die Erholung."

Der Sponsor des Rennstalls, der Uhrenhersteller Festina, möchte 1998 sein Marketing vor allem auch in Richtung Italien ausdehnen, nicht zuletzt aus diesem Grund, wurde Alex Zülle als designierter Giro-Fahrer verpflichtet. Die Pläne des Sponsors haben jedoch nicht unmittelbar mit Virenques Entscheidung zu tun, so Roussel: "Sie werden kein Druck auf ihn ausüben. Ich werde ihn nicht zu einer schnellen Entscheidung drängen, er muß seine Hauptziele setzen. Virenque kann sich soviel Zeit nehmen, wie er will, um darüber nachzudenken. Aber die Struktur des Giro 1998 liegt ihm."

Wenn Alex Zülle beim Giro Kapitän von Festina sein soll und Virenque gleichzeiting ein Protagonist sein will - sind da nicht Probleme vorprogrammiert? Roussel dazu: "Wir werden dem Beispiel von Jan Ullrich und Bjarne Riis folgen, als beide eine Chance hatten die Tour zu gewinnen. Es wird kein Problem werden. Virenque und Zülle sind zwei vernünftige Jungs."

Eine Entscheidung, so Bruno Roussel, wird wohl noch vor Weihnachten fallen: "Wir treffen uns in Hyeres irgendwann in der Woche zwischen 14. und 20. Dezember. Zuerst mit Weltmeister Laurent Brochard, Gianluca Bortolami und den anderen Fahrern für die Klassiker. Danach dann mit den Fahrern für die Rundfahrten- mit Virenque, Zülle und Laurent Dufaux."

[Gazzetta dello Sport]


[ Index - News-Übersicht - Ergebnis-Übersicht - Features ]



Copyright © 1996, 1997, 1998 by Kersten Volk
Alle Rechte vorbehalten.

www.radsport-news.com