
EXPRESS: Wenn sie jetzt Ihre Form mit der von 1996 vergleichen....Ullrich: Durch das riesige Medieninteresse seit dem letzten Jahr ging die Vorbereitung nicht so reibungslos vonstatten. Außerdem fehlte mir oft der Mittagsschlaf, den ich so liebe.
EXPRESS: Sind Sie denn jetzt mit dem Tour-Sieg dran?
Ullrich: Dafür fehlt mir noch die Erfahrung. Bjarne Riis ist bei uns die Nummer eins und das akzeptiere ich.
EXPRESS: Ihr junges Alter, der Ring im Ohr. Bei den Kids sind Sie besonders begehrt.
Ullrich: Das habe ich auch gemerkt. Über 60 Prozent der Fan-Post kommt von ganz jungen Leuten.
EXPRESS: Wenn man sich die Berge hochquält, wenn man beim Zeitfahren allein gegen die Uhr kämpft, woran denken Sie da, wie motivieren Sie sich immer wieder neu?
Ullrich: Ich bin durch die Strecke genügend abgelenkt. Ich konzentriere mich darauf, daß ich immer wieder am Limit fahre, nicht bei 90 Prozent einschlafe.
EXPRESS: Die Doping-Selbstbezichtigungen und -Enthüllungen des Kölner Radrennfahrers Jörg Paffrath. Wie stehen Sie dazu?
Ullrich: Das war für mich ein Schock. Ich las das während der Tour de Suisse. Das war für unsere komplette Mannschaft ein Schlag. Was wir durch unsere guten Leistungen in den letzten zwölf Monaten an Ansehen für den deutschen Radsport aufgebaut haben, macht der mit einem Schlag zunichte.
Wir können uns das, was sich der viertklassige Herr Paffrath an Mißbrauch von Arznei- und Dopingmitteln da erlaubt hat, gar nicht leisten. Das wäre Raubbau an unserem Körper.
EXPRESS: Demnächst sind Sie wieder drei Wochen mit ihrem Rennrad "verheiratet". Kommt ihre Freundin Gaby mit zur Tour de France, wäre ihre Gegenwart angenehm, oder stört das sogar eher in der Konzentration?
Ullrich: Nein. Ob und wann sie kommt, wird kurzfristig entschieden. Sehr wahrscheinlich kommt sie zur Etappe nach Colmar, die fast an unserer Haustür vorbeiführt.
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