
Abraham Olano: "Die Vuelta 97 war der schlimmste Moment meiner Karriere"19.12.97 - Abraham Olano (Banesto), Weltmeister von 1996, verbringt seinen sechsten Winter als Radprofi ganz anders als all die Jahre zuvor. In seinem siebten Jahr als Profi an der Weltspitze im Radsport will er die Dinge etwas ruhiger angehen lassen. Ein Interview mit Abraham Olano aus der baskischen Zeitung El Diario Vasco:
Waren Sie lange im Urlaub?
Olano: Mehr oder weniger, etwa 40 Tage. Ich habe noch nie so lange Urlaub gemacht, seit ich Radrennfahrer bin.
Es ist schon eine Weile her, daß Sie im Wettkampf waren. Vermissen Sie die Rennen?
Olano: Ich habe trainiert bis kurz vor den Weltmeisterschaften im Oktober und ich werde erst wieder auf Mallorca (im Februar --KV) Rennen fahren, obwohl meine Saison wahrscheinlich erst im März richtig beginnt. Ich werde die Dinge ruhig angehen. Ich trainiere momentan drei Stunden am Tag auf dem Rad, nicht mehr, momentan ist das ausreichend.
Haben Sie die Strecke der Tour de France 98 angeschaut?
Olano: Ich denke an die Tour, aber nicht ausschließlich. Ich habe Route und Profil noch nicht näher angeschaut, auch wenn viele das nicht glauben können. Ich weiß, daß es diesmal kein Bergzeitfahren gibt, aber es gibt viele Berge, sogar mehr als in diesem Jahr. Es sieht nur nach weniger Bergen aus, weil es nur zwei Bergankünfte gibt.
Haben Sie die TV-Bilder der Weltmeisterschaften in San Sebastian gesehen?
Olano: Ich habe sie nicht gesehen. Wozu?
Wie sehen Sie diese Saison im nachhinein?
Olano: Für die Presse und die Leute im allgemeinen war meine Saison eine Enttäuschung, in erster Linie wegen all dem Gerede, daß ich die Tour gewinnen wollte. Für mich war die Saison gut, wenn ich sehe, wie ich gefahren bin. Es hätte besser sein können und es ist klar, daß ich nicht die Leistungen gebracht habe, die ich hätte bringen sollen.
Was war der schlimmmste Moment der Saison?
Olano: Bei der Vuelta aufgeben zu müssen. Das war wirklich schlimm. Das war der schlimmste Moment in meiner ganzen Karriere. Das Loch, in das ich bei der Vuelta fiel, war das allerschlimmste.
Schlimmer als Ihre erste Profi-Saison, schlimmer als alle anderen Stürze und andere Mißgeschicke?
Olano: Viel schlimmer. Nicht zu wissen, was mit einem geschieht, ist schrecklich. Ich habe keine Erklärung gefunden und niemand konnte mir eine geben.
Waren Sie deprimiert?
Olano: Eine Depression? Ja, in gewisser Hinsicht. Ich habe an mir gezweifelt, weil ich keinen Grund finden konnte für das, was mit mir passierte.
Könnte es sein, daß die Trennung von Ihrem Trainer Michele Ferrari etwas damit zu tun hatte?
Olano: Nein, das hatte nichts damit zu tun. Die Sache mit Ferrari war eine logische Distanzierung, er ist ein Trainer, der sich um viele Fahrer kümmern muß und Freundschaft in dem Sinne ist mit ihm nicht möglich. Für mich ist Freundschaft wichtig. Er ist ein großartiger Trainer, aber ich erwarte keine Freundschaft von ihm. Er darf nicht parteiisch sein.
[El Diario Vasco]
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