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Vor der Tour 97: Jean Marie Leblanc im Interview

Leblanc ist Direktor der Societe du Tour de France. Das Interview erschien in einer italienischen Zeitung.

Monsieur Leblanc, kurz vor dem Start der Tour scheinen viele Topfahrer nicht topfit; wir meinen vor allem Riis, aber auch Jalabert, Pantani, Virenque und sogar Ullrich. Und auch den Unfall von Zülle. Macht Ihnen das Sorgen?

Leblanc: Ich würde nicht sagen, daß ich besorgt bin, aber normal ist das auch nicht. In der Vergangenheit sind die Fahrer gewöhnlich top gewesen in den Wettbewerben unmittelbar vor der Tour. Aber der Radsport ist gewissen Trends unterworfen. Hinault und Fignon haben früher den Giro als Vorbereitung zur Tour benutzt, heute tun dies einige in der Dauphine, andere machen stattdessen eine Wettkampfpause. Ich vertraue den Fahrern, ich kann nicht glauben, daß Riis oder Jalabert in schlechter Form zur Tour kommen würden. Das Überraschungselement bleibt aber.

Dies wird die erste Tour ohne Indurain. Die Führungsfigur fehlt. Ist das ein Nachteil oder ein Vorteil?

Leblanc:Ein Vorteil. Sicherlich ist es wichtig, einen Fixpunkt zu haben und ich denke, Riis wird das auch ein bißchen sein. Aber es gibt eine Menge Favoriten, die sich zeigen müssen, weil es kein Zeitfahren vor den Pyrenäen gibt. Früher wurde das Maillot Jaune beim Zeitfahren erobert und dann verteidigt. Jetzt muß man attackieren. Die Fahrer müssen sich etwas einfallen lassen.

Was erwarten Sie von Gotti und Pantani?

Leblanc:Gotti ist ein guter Athlet, er kam gut aus dem Giro und er kennt die Tour. Ich würde hinzufügen, daß er eine große Moral hat und auch ein gutes Team. ich erwarte viel von ihm. Er könnte die Überraschung der Tour werden. Was Pantani angeht: wenn er den Unfall beim Giro nicht gehabt hätte, hätte ich das gleiche über ihn gesagt wie zu Gotti. Aber ich habe gelesen, daß seine Form immer noch nicht optimal ist. Er wird eine Woche Zeit haben bevor es in die Pyrenäen geht, wenn er bis dahin in Form kommt, könnte er zu den Favoriten gehören.

Die Tour 97 hat 125 km Einzelzeitfahren, verglichen mit 58 km im Giro und 86 bei der Vuelta. Suchen Sie den Erben Indurains oder haben Kletterer eine Chance?

Leblanc: Die Tour hatte immer zwei Zeitfahren. In der Vergangenheit haben wir versucht die Distanzen zu verkleinern wegen des technischen Fortschritts bei den Rädern, durch den einige bevorteilt werden. Aber wir haben das nicht getan um Indurain zu behindern. Zu Zeiten von Hinault hatten wir eine der Tours mit den geringsten Zeitfahr-Kilometern, die Folgen beim Klassement waren minimal.

Sie haben das Team Asics von Chiapucci und Zaina nicht eingeladen, weil eine größere Zahl von französischen Fahrern teilnehmen sollte. Aber ist denn die Tour nun französisch oder ein Welt-Ereignis?

Leblanc: Die Tour ist das wichtigste Rennen der Welt, aber es wird weiterhin Tour de France genannt und ich finde es nicht skandalös, daß von 198 Fahrern etwa 40 Franzosen sind. Wir versuchen auch unseren Radsport zu schützen indem wir jungen Fahrern eine Chance geben. Um eine große Tour zu haben brauchen wir auch ein paar große französische Fahrer.

Bedauern Sie die Chuiappucci-Affäre?

Leblanc: Ich habe an Boifava und Chiappucci ein Fax geschickt, in dem ich Ihnen sage, daß es mir leid tut. Ich weiß, daß Carrera eine Menge für die Tour getan hat über die Jahre. Aber das alte Carrera-Team wurde geteilt und das Resultat sind zwei schwächere Teams.

Würden Sie den ersten französischen Sieg nach 12 Jahren vorziehen, oder den ersten italienischen nach 32 Jahren oder den allerersten Erfolg eines Deutschen?

Leblanc: Drei fantastische Hypothesen. Und alle möglich.

Was erhoffen Sie von der Tour 97?

Leblanc: Einen lebhaften Kampf ohne Probleme und Unfälle. Aber auch ohne Probleme außerhalb des Rennens, wenn Sie wissen was ich meine.



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