
Erste Etappe der Tour de France 1997. Etwa 11 km vor dem Ziel kommt es zu einem Massensturz. Auch Telekom-Kapitän Bjarne Riis stürzt. Doch als er sich wieder hochrappelt ist keiner seiner Helfer da, keiner hat gewartet, um ihn, den Chef, wieder vorne an das Feld heranzubringen. Kein Bölts, kein Heppner, kein Totschnig. Dafür hat am Ende Telekom-Kronprinz Jan Ullrich bereits nach der 1. Etappe fast eine Minute Vorsprung vor Riis. "Sie hätten auf mich warten und mich wieder nach vorne fahren müssen, " sagte Riis erregt im Ziel.Was war passiert? Deutsch-dänischer Krieg im Team? Meuterei des Leutnants gegen seinen Kapitän? Nein. Banaler. Als Udo Bölts in der entscheiden Phase über Funk im Mannschaftswagen anfragen wollte, was denn nun zu tun sei, ob etwa jemand vom Team in den Sturz verwickelt war, ob zu warten sei , -da war anstelle des Teamchefs ein deutscher Spitzenpolitiker am Funkgerät im Wagen von Walter Godefroot. Und "Co-Pilot Scharping wußte nicht recht weiter" (Süddeutsche Zeitung)
Wenn es im Radsport ernst wird, ist es in Bonn eher ruhig. Unsere Politiker im wohlverdienten Urlaub. Und Radsportfreund Rudolf Scharping, der vor einiger Zeit, als er mit dem Rennrad schwer stürzte, unversehens die Helmdiskussion nach Bonn brachte, macht eben Urlaub bei der Tour de France.
Eigentlich macht Herr Scharping jedoch keinen Urlaub. Er arbeitet. Er schreibt. Er ist Tour de France-Kolumnist von Bild und Bild am Sonntag. "Subjektivistisch-westerwäldlerisch" (taz) hält er für die Boulevard-Zeitung die großen und kleinen Geschichten der Tour fest und vergißt auch nicht die nötige persönliche Note einzubringen:
"Vor ein paar Jahren fuhr ich mit Freunden auf den 2115 m hohen Tourmalet. Barèges und Luz, kleine Orte durchfuhren wir. Schon 15 Kilometer vor dem Ziel raste der Puls, jagte das Herz, schmerzten die Muskeln. Du kommst aus dem Ort, plötzlich eine lange Gerade mit zehn bis zwölf Prozent Steigung. (...) Wer hat denn die Straße an die Wand genagelt? (...)
Hin und wieder können natürlich politische Konnotationen nicht ausbleiben. Etwa, als Radsportler Scharping schreibt: "Diese Leistung ist ohne eine starke Mannschaft nicht denkbar. Ohne Mannschaft gibt es weder Spitzenleistungen noch Stars." Woraufhin die taz kühl konterte: "So stand es schon im Godesberger Programm."
Ein Jahr später im Wagen von Telekom-Teamchef Godefroot, wieder den Tourmalet rauf, neben Udo Bölts, der fast dreimal so schnell ist, wie ich es war." (Bild am Sonntag, 13.07.97)Bei all dem bleibt nur zu hoffen, daß Scharpings Sommerfrische nicht Schule macht. Sonst sitzt bald Gerhard Schröder beim VfL Wolfsburg auf der Trainerbank und wer weiß, wer dann am Ende neben Bundes-Berti Platz nehmen will.
--K.V.
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