Der "eiserne Gustav" fährt noch täglich Rad - Gustav Kilian wird 9003.11.97 - Er strotzt vor Gesundheit und Vitalität, schwingt sich noch täglich aufs Rennrad und spult seine 50-60 Kilometer herunter. Dennoch wird man ihn in Deutschland am heutigen Montag, wenn er sein 90. Lebensjahr vollendet, nicht zu Gesicht bekommen --Gustav Kilian hat sich auf die Kanarischen Insel verkrochen. Zuviele wollten ihn und mit ihm feiern: die Stadt Dortmund und die dort gerade stattfindenden Sixdays, die Firma Kettler, die Kilian bei Messen repräsentiert, und all die Sportler, die er in seiner zweiten Karriere als Bahn-Bundestrainer trainiert hat. Von den Mitstreitern aus seiner ersten Karriere als "Sechstagekaiser" ist kaum noch einer da. Wer wird schon 90 ?
Gustav Kilian gewann in siner Aktiven-Karriere 34 Sechstagerennen, war einer der besten Sechstage-Rennfahrer zu seiner Zeit, einer Zeit, als Sechstagerennen noch tatsächlich Sechstagerennen waren: 144 Stunden dauerten die Rennen, auch während der Neutralisationsphasen mußte ein Fahrer auf der Bahn sein. Und keiner der Fahrer durfte die Halle verlassen. Als 1933 in Deutschland die Sechstagerennen verboten wurden, ging Kilian mit seinem Stammpartner Heinz Vopel in die USA. Dort gewannen sie fünf Mal in Chicago, viermal in New York, wurden auch in den USA so populär, daß sie sogar noch nach Kriegsausbruch 1939 nach Amerika eingeladen wurden. Kilian beendete seine Rennfahrerkarriere erst 1954 im Alter von 46 Jahren.
Die zeite Karriere des Gustav Kilian begann 1960. Bei der Betreuung seines Sohnes Gustav entdeckte man sein Talent als Trainer. Kein Trainer, der den Job auf der Sporthochschule studiert und ihn wissenschaftlich betrieben hätte, sondern einer mit dem untrüglichen Gespür für den Sportler, mit dem "Händchen". Als er sich schließlich mit 70 Jahren vom Trainerjob zurückzog, konnte er auf 17 Jahre erfolgreiche Trainerarbeit zurückschauen: 17 Gold-, elf Silber- und acht Bronzemedaillen waren die Ausbeute. Dem Bahnvierer galt seine besondere Liebe: Mit dem Vierer errang er Olympische Goldmedaillen in Tokyo 1964, München 72 und in Montral 1976.
Ganz ums Feiern wird Gustav Kilian trotz seiner Flucht nicht herumkommen: am 13. November wir ihn die deutsche Sportpresse in der Dortmunder Westfalenhalle ehren als "Sportler des Jahrhunderts".
[FAZ]
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