
Nachrichten-Archiv: 6/97 - 7/9714.07.97 - Französischer Nationalfeiertag und Quelle Etape!!!. Die 9. Etappe, die erste Bergetappe war nicht nur eine der schönsten und spannendsten Etappen der Tourgeschichte, sie beantwortete auch einige Fragen: So z.B. wissen wir jetzt: Erik Zabel kann wirklich auch große Berge relativ locker fahren, und wir wissen: Marco Pantani ist zurück! Richard Virenque und sein Festina-Team ist so stark wie letztes Jahr, Jan Ullrich ist stärker als letztes Jahr. Fernando Escartin wird am Ende wohl unter die Top 10 fahren. Laurent Jalabert wohl kaum, Luc Leblanc erst recht nicht. Und neue Fragen tauchen auf: Wie stark ist nun Bjarne Riis wirklich ? Und Abraham Olano ? Die super-schwere 10. Etappe nach Andorra wird sicher einige Antworten bereit haben. Auch auf diese: Fährt Jan Ullrich jetzt ins Gelbe ??? Was dann aber auch wieder eine ganze Reihe neuer Fragen aufwerfen würde.....
Stimmen zur 9. Etappe
Telekom-Teamchef Walter Godefroot: ""Jan war heute eindeutig besser als Bjarne, aber das ändert nach wie vor nichts an unserer Mannschaftstaktik. Wir müssen abwarten, wie es morgen läuft. Wie geplant werden wir uns in St. Etienne alle zusammensetzen"
Bjarne Riis:"Jan mußte heute vorne mitfahren. Mir ging es heute nicht so gut. Aber die Tour ist ja noch lang."
Telekom-Vizechef Rudy Pevenage: "Die mehrfachen Antritte von Richard Virenque haben Bjarne Riis kaputt gemacht. Bjarne kann morgen aber schon wieder ganz anders fahren. Über einen möglichen Wechsel der Nummer eins werden wir erst in St. Etienne entscheiden."
Jan Ullrich: "Bjarne bleibt unser Kapitän. Die Tour hat heute doch gerade erst angefangen." - Und: " Ich hatte heute einen sehr guten Tag, meine Beine waren überhaupt nicht schwer. Ich bin nicht auf Gelb oder Tagessieg gefahren, ich wollte nur Virenque nicht ziehen lassen"
Der Reporter des französischen TV über Jan: "Wie früher Indurain!"
12.07.97 - Zitat des Tages: "Ich weiß von nichts. Ich verstehe nichts, nichts, nichts."
- Djamolidine Abdoujaparov nach seiner Disqualifikation. [Marca]Der Usbeke war auf der 2. Etappe der Einnahme von Dopingmitteln überführt und nach der 6. Etappe aus dem Rennen genommen worden. Im Urin des schnellen Sprinters wurden gleich zwei verbotene Substanzen entdeckt: Bromantan und Clenbuterol. Letzteres Mittel erlangte im Dopingfall Katrin Krabbe zweifelhafte Berühmtheit und dient vornehmlich in der Viehzucht zur Kälbermast. Bei Sportlern hat es auch anabole Wirkungen. Bromantan wird benutzt, um den Nachweis anderer Mittel zu verhindern. Abdoujaparov ist in punkto Doping vorbelastet: Er wurde jetzt schon zum vierten Mal erwischt. [Express]
11.07.97 (22:30h) - "Später mehr"... Viel mehr. Nach der Zielankunft der 6. Etappe der Tour de France überschlugen sich die Ereignisse. Der Reihe nach.
Erik Zabel wurde in Marennes zunächst als Sieger gefeiert, wenige Minuten später von der Jury wegen "gefährlicher Fahrweise", - Zabel soll u.a. Frederic Moncassin (Gan) behindert haben- auf den letzten Platz zurückgesetzt. Zusätzlich wurde Zabel mit einer 200 SFr-Geldstrafe belegt. Einen Protest des Telekom-Teams wies die Jury ab. Zabel im französischen Fernsehsender France3: "It was not my fault.". Und Telekom's Rudy Pevenage: "Wir waren sehr überrascht von der Entscheidung, denn Erik war ganz allein vorne in den letzten 250 Metern und hat seine Linie bis ins Ziel eingehalten." In der Tat ist die Entscheidung absolut lächerlich. Auch nach 20- und 30maligem Betrachten der Fernsehbilder ist ein Fehlverhalten von Zabel, das eine Aberkennung des Sieges rechtfertigen würde, nicht zu erkennen. Eine mehr als merkwürdige Entscheidung der Tour-Jury, über die in den nächsten Tagen noch zu reden sein wird.
Der nächste Skandal: Tom Steels fühlt sich von Frederic Moncassin behindert und schleudert wutentbrannt eine Trinkflasche auf den Franzosen. Auch im TV einwandfrei erkennbar. Daraufhin verhängte die Tour de France-Jury die Höchststrafe: Steels wurde von der gesamten Tour ausgeschlossen, disqualifiziert.
Und als ob das alles noch nicht genug gewesen wäre: Am Abend wurde bekannt, daß der Usbeke Djamolidine Abdoujaparov (Lotto) beim Dopingtest am Ende der 2. Etappe positiv war- heute abend das Resultat der B-Probe: Ebenfalls positiv. Auch er wurde disqualifiziert.
11.07.97 (18:15h) - ZAAA - BELLE !!! Mit einer beeindruckenden Leistung gewann Erik Zabel die sechste Etappe der Tour de France. Mit seinem zweiten Sieg bei der diesjährigen Tour zeigte Zabel einmal mehr, wer momentan der schnellste Mann der Welt ist. Später mehr.
11.07.97 - Tour de France - Hintergrund: Torsten Schmidt - Selbstloser Einsatz bis zur Erschöpfung
11.07.97 - Stürze und die Folgen - Der Schweizer Axel Zülle ist aus der Tour des France ausgestiegen. Der 29jährige, 1995 Zweiter der Gesamtwertung, trat gestern nicht mehr zur fünften Etappe an. Zülle war schon gehandicapt in die Tour gegangen mit einem "angeschraubten" Schlüsselbein (s.a. News 24.06.97), drei Tage vor dem Tourstart war Zülle erneut operiert worden: Eine der zwölf Schrauben der Platte, die in seine linke Schulter eingesetzt wurde, mußte ausgetauscht werden. Bei der Tour war er erneut zweimal gestürzt."Er will kein weiteres Risiko eingehen und den Rest der Saison aufs Spiel setzen", erklärte Zülles Sportdirektor Manolo Saiz. Der Start von Zülle bei der Tour hatte schon vorher Kritik ausgelöst: L'Equipe schrieb: "Die Tour ist keine Reha-Klinik", manch ein Kollege von Zülle sprach von falschem Ehrgeiz.
Nach Zülle ist die Tour auch für Fabiano Fontanelli beendet. Der 32jährige Italiener aus der MG-Equipe, der bei der fünften Etappe mit einer Zuschauerin zusammengeprallt war, hatte sich dabei einen Schlüsselbeinbruch zugezogen. Schlimmer sieht es aber für die schwer verletzte Frau aus: Sie wurde mit einer Gehirnerschütterung sowie stark blutenden Kopfwunden in die neuro-chirurgische Abteilung des Klinikums in Nantes geflogen. Am heutigen Freitag ist sie aus dem Koma erwacht, aber ihr Zustand ist weiterhin kritisch.
Auf Grund der vielen Stürze bedingt auch durch das riesige Teilnehmerfeld hat Tour-Direktor Jean Marie Leblanc eine Reduzierung des Fahrerfeldes für das kommende Jahr angedeutet. "Wir denken daran, auf zwei Teams, also insgesamt 18 Fahrer, zu verzichten", sagte der Tour-Direktor. [dpa/AFP/Reuters/Express]
11.07.97 - Die Heinzelmännchen der Telekom - Die Profis des deutschen Teams Telekom sorgten bei der Tour de France nicht zuletzt durch den Etappensieg von Erik Zabel in Plumelec für Aufsehen. Sie sind auf die Minute topfit, an ihren Rennrädern gibt es kaum technische Defekte. Damit die Stars wie Vorjahressieger Bjarne Riis, Jan Ullrich, Zabel und deren Helfer Jens Heppner, Christian Henn und Rolf Aldag volle Leistung bringen können, arbeiten die "Telekom-Heinzelmännchen" fast rund um die Uhr. Da sind die Masseure mit Dieter "Eule" Ruthenberg an der Spitze und die Mechaniker mit Chef Jean-Marc Vandenberghe, alles Topleute auf ihrem Gebiet.
Von Eule lassen sich Ullrich und Zabel nach den Rennen durchkneten und auch streicheln. Der Berliner erzählt: "Erik habe ich bis zu einer Stunde unter der Fuchtel. Das reicht ihm. Länger ist der Jan dran. Das geht dann bis zu 75 Minuten. Und ich muß mir dabei Zeit lassen. Wehe, wenn er spürt, daß ich ihn wegschicken will. Das mag er gar nicht." Ruthenberg ist mit seinen drei Helfern auch für die Rennkost verantwortlich. Die einzelnen Portionen werden am Abend vor dem Rennen zubereitet - kleine Brötchen mit Marmelade, Frischkäse und andere Leckereien. "Bjarne Riis will immer Schinken dazwischen", verrät Ruthenberg. Dazu kommen Bananen, Geflügel und eine sirupartige Flüssigkeit in Tuben. Ruthenberg: "Dieses Konzentrat bewahrt die Jungs vor dem schlimmen Hunger-Ast." Von Bananen mit Körnern, die bei der Friedensfahrt verabreicht worden sein sollen, wollte Ruthenberg nichts wissen. "Darüber kann ich nur schmunzeln."
Für das Wohl der Pinarello-Rennräder ist Jean-Marc Vandenberghe zuständig. Nach jeder Etappe steht der Belgier mit zwei Helfern an den zwei Materialwagen und schraubt dort bis zu drei Stunden. Da wird gereinigt, geschmiert, getestet und Material ausgetauscht. Am stärksten sind neben den Schlauchreifen die Felgen beansprucht. Der Chefmechaniker hat deshalb 100 Stück dabei. Die Rahmen der Maschinen bestehen aus Aluminium, Titan oder dem ganz leichten Karbon für das Zeitfahren. Auch die Felgen werden je nach Streckenprofil ausgesucht. Vandenberghe: "Wir stehen um sechs Uhr auf. Mit den Fahrern werden dann kurz vorher noch letzte Wünsche besprochen." [Express]
09.07.97 - Interview mit Bjarne Riis:"Wenn Ullrich vorne ist, werde ich nicht angreifen"
09.07.97 - 4. Tour-Etappe: Zabel fehlen 4 Sekunden fürs Gelbe Trikot - Pech für Erik Zabel. Der Telekomsprinter war im Spurt von anderen Fahren etwas eingeklemmt und kam nicht nach vorn, er wurde hinter dem 28jährigen Nicola Minali (Batik) aus Verona und Frederic Moncassin (Gan) Dritter. Damit verpaßte Zabel nur um vier Sekunden das Gelbe Trikot, das immer noch Mario Cipollini trägt. Zabel hatte das verlockende Gelbe Trikot dicht vor Augen. Schon beim ersten Zwischensprint in St. Joachim machte er deutlich, daß er mit beiden Händen nach dieser einmaligen Chance greifen wollte. Der Träger des Grünen Trikots gewann den Spurt vor Cipollini. 29 km später das gleiche Bild, obwohl es in St. Pere nur um Platz zwei und drei, also um vier und zwei Sekunden Zeitgutschrift ging, weil Gaumont inzwischen vorne als alleiniger Ausreißer unterwegs war. Wieder Zabel vor Cipollini - in der Addition der beiden Bonifikations-Sprints hatte "Ete" Zabel also vier Sekunden auf "Super-Mario" gutgemacht. Aber das war noch zu wenig für einen "Machtwechsel" an der Spitze. Der Italiener war mit 14 Sekunden Vorsprung in die vierte Etappe gegangen. Beim dritten und letzten Sprintwertung 29 km vor dem Ziel ging Zabel dann leer aus, während sich Cipollini als Dritter noch einmal zwei Sekunden sicherte und damit zwölf Sekunden Vorsprung vor dem Finale in Puy de Fou besaß. Damit war auch klar: Zabel hätte nur mit einem Etappensieg das Maillot Jaune erobern können, wenn Cipollini ohne Zeitgutschrift geblieben wäre."Schade, daß wir heute das Gelbe Trikot verpaßt haben, so wie heute kann die Mannschaft nicht ewig weiter arbeiten, das halten wir nicht durch", erklärte Telekom-Teamchef Walter Godefroot. "Das wäre heute wohl zu viel Glück für uns gewesen, wenn Erik nach seinem Sieg von gestern heute auch noch das Trikot geholt hätte", sagte Jan Ullrich im Ziel.
L'Homme du Jour: Philippe Gaumont (Cofidis), Sieger von Gent-Wevelgem, hatte nach 90 km attackiert und damit nach dem Ausfall von Kapitän Tony Rominger ein Zeichen für seine Mannschaft gesetzt. 75 km vor dem Ziel hatte er noch fast zehn Minuten Vorsprung vor dem Hauptfeld, 39 km vor dem Ziel war es aber um ihn geschehen, das Feld holte ihn ein und -wie so oft in solchen Fällen-, fiel er "wie ein Backstein" durchs Feld: am Ende kam er mit 11:32 Minuten Rückstand ins Ziel.
"Natürlich" gab es auch wieder Stürze: Übel erwischte es Fabiano Fontanelli (MG) und Jose-Vicente Garcia Acosta (Banesto), die mit einer am Straßenrand fotografierenden Zuschauerin zusammenprallten: Beide Rennfahrer mußten die Tour beenden, die Zuschauerin wurde ins Krankenhaus eingeliefert. In einem weiteren Sturz ca. 5 km vor dem Ziel wurde das Peloton nochmal durcheinandergewürfelt und einige Prominenz kam mit Rückstand ins Ziel: u.a. Alex Zülle, Ivan Gotti und Marco Pantani verloren weitere 31 Sekunden und sind im Gesamtklassement nun schon weit über 2 Minuten hinter Ullrich, Olano, Virenque und Riis.
Strafen: "Wegen unkorrekten Verhaltens in der Öffentlichkeit" wurde Bjarne Riis von der Tour-Leitung zu 200 Franc Geldstrafe verurteilt. "Er hat Pipi am Straßenrand gemacht, obwohl Zuschauer in der Nähe waren", erklärte Telekom-Teamchef Walter Godefroot. Neben Riis pinkelte der Bonner Thorsten Schmidt (Roslotto) - auch er muß zahlen.
In Dänemark sorgt Bjarne Riis unterdessen für andere Peinlichkeiten: Weil eine Rede von US-Präsident Bill Clinton (zu Staatsbesuch im Staate Dänemark) zeitlich mit der TV-Übertragung einer Tour-Etappe kollidiert wäre, mußte Clinton seine Rede verschieben....
08.07.97 - Erik Zabel gewinnt die 3. Etappe und das Maillot Verde Mit einer beeindruckenden Leistung sowohl von Zabel selbst als auch vom Team errang Telekom den heutigen Etappensieg. Damit wird das Team auch erst mal Ruhe haben vor weiteren Sticheleien, die einige von den rund 60 akkreditierten Tour-Journalisten aus Deutschland in den letzten Tagen immer wieder lanciert haben.
Zabel zeigte im technisch schwierigen Finish in Plumelec, daß er immer mehr zum kompletten Rennfahrer reift, der nicht nur reine Massensprints gewinnen kann. Von den anderen Topsprintern war am Schluß der 3. Etappe nichts zu sehen. Bjarne Riis komplettierte den Telekom-Triumph mit dem 3. Rang hinter Frank Vandenbroucke. Und ganz nebenbei zeigte der Telekom-Kapitän was von den angeblichen Dissonanzen im Team zu halten ist, als er aus Freude über Zabels Sieg die Faust hochreckte. Zabel, der seinen Sohn Rick zur Siegerehrung und deutliche Lippenstift-Spuren von Frau Cordula zum Interview mitbrachte: "Dieser Sieg ist auch eine späte Bestätigung für meinen Sieg bei Mailand-San Remo. Die Reaktionen in Deutschland haben mich damals sehr enttäuscht, 2 Tage Schlagzeilen, das wars. In Italien hätten sie mir ein Denkmal gesetzt." Und seine jetztigen Ziele? "Einerseits will man das [grüne] Trikot verteidigen, wenn man es mal hat. Andererseits wollen Goodefroot und ich uns [beim Ruhetag] in St. Etienne mal zusammensetzen und nach den weiteren Etappen schauen und [danach] wer von den anderen Sprintern dann noch dabei ist."
08.07.97 - Bei einem Massensturz knapp 9 km vor dem Ziel der 3. Etappe erwischte es diesmal wieder einige Rennfahrer. Unter anderem beteiligt: Marco Pantani, Ivan Gotti und --wer sonst?-- Alex Zülle, die alle drei mit einigen Minuten Rückstand ins Ziel kamen. Blessuren davon trug Michele Bartoli (MG). Tony Rominger erwischte es schlimm: der Kapitän von Cofidis brach sich das Schlüsselbein und wurde sofort ins Krankenhaus gebracht und dort operiert. Die Tour ist natürlich für Rominger, der für dieses Jahr eigentlich auch noch einen Stundenweltrekordversuch angekündigt hatte (s.a. News vom 17.02.97), beendet, im schlimmsten Fall sogar die Karriere des 36 Jahre alten Schweizers.
07.07.97 - Tour: Eine heikle Situation für Telekom... (s.a. News 06.07.97) Im Telekom-Team brodelt es nach dem Rückstand von Kapitän Riis auf "Leutnant" Ullrich. Riis, der eine Minute im Chaos des Massensturzes 11km vor dem Ziel der 1. Etappe auf die Spitze, vor allem aber auf Ullrich verloren hatte in erster Erregung über seine Telekom-Mitstreiter Bölts, Heppner und Totschnig: "Sie hätten auf mich warten und mich wieder nach vorne fahren müssen". Riis hielt sich nach einer internen Aussprache jedoch mit öffentlicher Kritik zurück. Vom "Umfeld", wie das wohl beim Fußball heißen würde, kommt jedoch auch Kritik an Riis. Didi Thurau: "Er ist schließlich mit 33 Jahren alt und erfahren genug. Wenn er auf den Gesamtsieg fährt, muß er wissen, daß er sich auf den Flachetappen unter den ersten 20 bis 25 Fahrern an der Spitze aufhalten muß. Denn dort geschehen die wenigsten Stürze." Und Rudi Altig:"Dahinten hinein gehören die Wasserträger und nicht die Favoriten hin." Wobei die beiden Altstars allerdings nicht erwähnen, daß außer Ullrich quasi alle Favoriten hinten dabei waren: Zülle ("Ich fiel in eine Menschenmasse, landete weich. Sonst wäre die Tour für mich zu Ende gewesen"), Luc Leblanc und Marco Pantani kamen nochmal 30 Sekunden hinter Riis ins Ziel.
Für Thurau hat das Ganze viel größere Auswirkungen als die eine Minute, es war die Vorentscheidung bei der ersten Etappe... O-Ton Thurau: "Nicht Riis, sondern Jan Ullrich gewinnt die Tour." Ullrich scheint jedoch auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben. Schon nachdem L'Equipe ihn mit 5 Sternen als den Topfavoriten der Tour noch vor Riis und Olano sah, reagierte Ullrich gelassen: "Man will uns gegeneinander ausspielen, das ist klar." Gut, daß Jan Ullrich einen Manager wie Wolfgang Strohband hat, der nicht müde wird zu betonen, "der Bursche ist noch in der Aufbauphase" und der solle nur ja "kein Matthäus" werden...
Von der Telekom-Sprintabteilung kam am Montag bei der 2. Etappe auch keine Flankendeckung durch positive Schlagzeilen. Nach der zweiten Niederlage von Erik Zabel war Teamchef Walter Godefroot sauer, Rudy Pevenage genauso. Die Chefs von Telekom eilten nach der Zielankunft in Vire kommentarlos ins nahegelegene Mannschafts-Hotel Revotel, nachdem der "König der Löwen" Mario Cipollini durch seinen Etappensieg in Gelb (gelber gings nicht...) Italia verzauberte. Zabel: "Der Cipollini ist verdammt gut drauf." Und:"Jetzt wird es immer schwerer, noch einen Sprintsieg zu organisieren, denn die anderen Teams kommen auch immer mehr in Zugzwang." Dabei war doch alles gerichtet für eine Party an Zabel's 27. Geburtstag: Zabel's Frau Cordula war zur Feier des Tages mit Söhnchen Rick ins Team-Hotel gekommen, in Le Journal du Tour des französischen TV (in Deutschland im Kabelsender TV5, ca. 22:30h) war beim Abendessen der Telekom-Jungs von Partystimmung aber weit und breit nichts zu sehen. [KV, Zitate: DPA, AFP, Express, FAZ]
07.07.97 - Doping - Telekomarzt sagt "noch einigen Ärger" voraus. Der Teamarzt vom deutschen Team Telekom, Andreas Schmidt von der Uni Freiburg, prophezeit im Rahmen der Routine-Blutuntersuchungen der Profis bei der Tour, die EPO-Doping verhindern sollen, "noch einigen Ärger" voraus. Nach Auffassung von Schmidt ist der UCI-Grenzwert von 50% zu niedrig: "Fünf Prozent aller Leistungssportler haben immer einen höheren Wert, ohne EPO genommen zu haben. Ich weiß nicht, ob der Wert nach einer heißen Bergetappe bei der Tour nicht ohnehin höher ist." Bei Untersuchungen bei der Tour de Suisse und Tests u.a. mit Jan Ullrich in Freiburg, gab es bei den Telekom-Fahrern keine Beanstandungen. "Aber einen Tag später kann der Wert schon über der Toleranz liegen", so Schmidt.[dpa/FAZ]
Unterdessen hat der französische Arzt Jean-Pierre de Mondenard in einem Artikel in Le Figaro auf ein mögliches weiteres Dopingmittel aufmerksam gemacht und es in Verbindung mit der Krebs-Erkrankung von Lance Armstrong (s.u. News 08.12.96 und 23.12.1996) in Verbindung gebracht. Es handelt sich um Beta-Gonadotrophin, das den Muskelaufbau durch zusätzliche Testosteronproduktion anregen könne. Bei Doping-Kontrollen werde bisher gar nicht speziell nach diesem Hormon gesucht. Armstrong war im vergangenen Herbst nach seinem zweiten Platz beim Grand Prix Eddy Merckx beim Dopingtest negativ. Einen Monat später wurde bei dem Amerikaner Hodenkrebs und ein anomaler Gonadotrophin-Wert diagnostiziert. Armstrong wird aller Voraussicht nach im Herbst wieder Rennen fahren. [Le Figaro/FAZ/dpa]
06.07.97 - Zum Tour-Auftakt gab's gleich einige Überraschungen. Im Prolog fährt Jan Ullrich, auf die Minute in Topform, beinahe aus Versehen ins Maillot Jaune. Glück für ihn und das Team Telekom, daß Chris "Mr. Prolog" Boardman noch ein Sekündchen oder so schneller war. Nicht nur daß Telekom mit einem Ullrich in Gelb viele Kräfte schon am Anfang hätte vergeuden müssen. Kaum auszudenken, was die deutsche Boulevard-Presse dann geschrieben hätte- wie hätte man es auch einem Nicht-Radsportler vermitteln können, daß für jemanden, der aufs Klassement fährt, das Gelbe jetzt bei den Flachetappen noch eher lästig ist. (Und übrigens, für Rolleure und Sprinter ist es mitunter auch nicht soo schön mit dem Maillot Jaune auf den Schultern in die Berge zu gehen- siehe Stephane Heulot letztes Jahr!). Problematisch genug ist die Situation jetzt auch so schon für Telekom: Ullrich liegt jetzt (nach der 1. Etappe!!!) fast 1 Minute vor seinem Kapitän Riis. Auch wenn die beiden nun wahrlich keine Streithähne sind wie einst Chiappucci und Pantani oder Berzin und Ugrumov, eine heikle Situation ist es dennoch.
Überraschend am Triumph von Mario Cipollini bei der ersten Sprint-Etappe war allenfalls seine Stars & Stripes-Rennhose (die im übrigen auch gut zum neuen Polti-Co-Sponsor McDonald's passt...). Vereinfacht hat allerdings Cipollini's Sieg die mäßige Leistung von der Telekom-Sprinterabteilung Lombardi/Zabel, die den Schlußsprint in Forges-les-Eaux mit einer taktischen Fehlleistung völlig in den Sand der Normandie setzten.
03.07.97 - Interview mit Jean Marie Leblanc (Direktor Tour de France)
03.07.97 - Miguel Indurain sagte in einem Interview mit Gazzetta dello Sport er bedaure seinen Rücktritt nicht, bedaure nicht, daß er dieses Jahr das erste Mal in 11 Jahren nicht an der am Samstag in Rouen beginnenden Tour de France teilnimmt. "Es wird anders sein. Aber ich bereue meine Entscheidung nicht. Nach meinem Ausstieg sehe ich die Tour mit anderen Augen." Und wen sieht er als seinen Nachfolger in der Tour? "Riis ist über 30 Jahre alt. Die Zukunft gehört Ullrich."
03.07.97 - Neue UCI-Weltrangliste: Agnolutto klettert nach Tour de Suisse-Sieg von Rang 481 auf Rang 87, Erster weiterhin Jalabert, Bartoli und Zülle tauschen die Plätze. Zabel und Ullrich rücken vor auf die Ränge 14 bzw. 21.
03.07.97 - Jan Schaffrath, Elite-Fahrer vom Radteam Berliner TSC, wird in der kommenden Saison für das Team Telekom fahren. Er unterschrieb einen Einjahresvertrag. Der 25 Jahre alte Schaffrath ist beim Berliner TSC großgeworden und fährt derzeit als Spitzenfahrer der Berliner in der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft. [sid]
01.07.97 - Eine Deutschland-Rundfahrt soll es zur Jahrtausendwende wieder geben. "Wir wollen im Jahr 2000 auch als Veranstalter wieder in den Kreis der großen Radsport-Nationen zurückkehren", sagte Manfred Böhmer, Präsident des BDR bei den Deutschen Meisterschaften in Bonn. das BDR-Präsidium gründete dazu eine Vorbereitungskommision. [FAZ]
01.07.97 - Vier Tage bis zum Tourstart: Kurz-Interview mit Jan Ullrich.
Und: Die meisten Mannschaften stehen fest, Überraschung im Mapei-Team: Veteran Zenon Jaskula startet bei der Tour. Details s. Tour de France- Provisorische Startliste
30.06.97 - Dirk Müller von Bayer Worringen wird 1998 für das Team Deutsche Telekom fahren. Dies gab Telekom-Teamchef Walter Goodefroot am Samstag in Bonn bekannt. Der 23jährige Müller, letztes Jahr fuhr er im Bundesliga-Team von Hameln, hatte bisher eine ausgezeichnete 1997er Saison mit Siegen bei Rund um die Hainleite, dem Prolog der Bayern-Rundfahrt und vorderen Plazierungen u.a. in den Gesamtwertungen von Luxemburg-Rundfahrt und der hochklassig besetzten Vuelta a Asturias.
30.06.97 - Zum Start der Internationalen Rheinland-Pfalz-Rundfahrt: Ein Interview mit dem Marketing-Chef der RLP-Tour
29.06.97 - Es kam, wie es kommen mußte. Die Deutschen Meisterschaften wurden zu einem Triumphzug für das Bonner Telekom-Team. Bei der Sieger-Ehrung auf Pützchens Markt standen drei Fahrer in magenta-farbenem Trikot auf dem Treppchen. Ganz oben: Jan Ullrich, der neue Deutsche Meister."Ich hatte heute gute Beine", kommentierte Ullrich seinen Erfolg lässig, ehe ihm Bonns OB Bärbel Dieckmann das Meister-Trikot überzog und den Champion dann ganz fest an sich drückte. Seine Beine - sie hatten den 23jährigen Rad-Star beinahe mühelos über den 240 Kilometer langen Rundkurs getrieben. Auch die "Hölle von Roleber" mit elf Prozent Steigung konnte den Zweiten der Tour de France nicht schrecken. Hier, auf dem berüchtigten Kopfsteinpflaster, fiel gestern die Entscheidung. Ullrich, Aldag, Zabel hatten sich mit Telekom-Fahrer Christian Henn und Björn Glasner (Continentale Dortmund) deutlich vom Hauptfeld abgesetzt. Dann ging`s in Runde 16 zum letzten Mal durch die "Hölle". Und Ullrich trat mächtig in die Pedalen. Zuerst verloren Henn und Glasner den Anschluß, dann Zabel und Aldag. 300 Meter vor dem Ziel konnte Ullrich die Hände vom Lenker nehmen und den Zuschauern am Rand der Strecke zuwinken. Nach 5:35.29 Stunden rollte er locker über die Ziellinie, verschwand hinter der nächsten Kurve. Dort wartete Freundin Gaby Weiß und nahm ihren Helden in den Arm. [Sven Parplies/EXPRESS Bonn]
29.06.97 - Nationale Meisterschaften - Während in Bonn Jan Ullrich das Trikot des Deutschen Meisters anzog, gewann beim französischen Championnat in Monthlery der 24 Jahre alte Neo-Profi Stephane Barthe (Casino) im Massensprint vor Damien Nazon (FDJ). Die Mapei-Equipe räumte ordentlich ab: In Italien gewann Gianni Faresin (Mapei) vor Francesco Casagrande (Saeco), in Belgien Tom Steels (Mapei) vor Ludo Dierckxens (Tönissteiner) und in der Schweiz Oscar Camenzind (Mapei) vor Roland Meier (Post Swiss). Auch Telekom kann mit zwei Meistern aufwarten: in Innsbruck gewann Georg Totschnig die Österreich-Meisterschaft. Die spanische Meisterschaft entschied in Melilla Jose Maria Jimenez (Banesto) für sich, Zweiter wurde Cesar Solaun vom Euskadi-Team. Abraham Olano zeigte sich in guter Form für die Tour und wurde auf dem bergigen Parcours Fünfter. Im holländischen Meersen gewann der 25jährige Michael Boogerd vor Altmeister Erik Breukink (beide Rabobank) und in St. Petersburg/Russland gewann Wjatscheslaw Ekimov (US Postal Service)
29.06.97 - Rolf Aldag hat bei der UCI und einem französischen Zivilgericht Klage eingereicht gegen Frederic Moncassin. Nach den skandalösen Vorgängen am Ende der dritten Etappe der Dauphine (s.u. News 12.06.97), als Moncassin am Ende Aldag die Nase einschlug, verlangt der Telekom-Profi nun Schadenersatz. Moncassin soll für die Krankenhauskosten aufkommen sowie die Prämien, die Aldag aufgrund der Verletzung entgangen sind, ersetzen. [NOS]
27.06.97 - Am Sonntag finden in ganz Europa die Nationalen Meisterschaften statt. Während es bei den Deutschen Meisterschaften in Bonn heißen wird "Telekom gegen den Rest" gibt es in Frankreich leichte Irritationen, weil Frankreichs Top-Rennfahrer dem Championnat de France die kalte Schulter zeigen. In Monthlery sind weder Richard Virenque, Laurent Jalabert noch Luc Leblanc am Start. Die Top-Fahrer sind vor allem deshalb nicht am Start, weil sie sich keine Siegchancen auf dem sehr leichten Parcours ausrechnen. Cyril Guimard (DS bei Cofidis) dazu: "Außer einer Verletzung gibt es keine Entschuldigung nicht bei der Meisterschaft anzutreten. Das ist eine Frage von Respekt. Wer nicht zum Championnat kommt, respektiert Frankreich nicht."
27.06.97 - Für ONCE wird es langsam schwierig, eine schlagkräftige Truppe für die Tour aufzustellen. Alex Zülle hat zwar nach seiner Operation (s.u. News 22. und 24.06.97) wieder begonnen zu trainieren, wird aber dennoch etwas gehandicapt mit seinem angeschraubten Schlüsselbein in die Tour gehen. Herminio Diaz Zabala und Francisco-Javier Mauleon werden hingegen aufgrund Verletzungen gar nicht bei der Tour starten.
27.06.97 - Wilfried Nelissen (Palmans) wird am 01. Juli erstmals wieder bei einem Rennen antreten. Nelissen hatte bei Gent-Wevelgem im April 1996 einen fürchterlichen Unfall, bei dem er zwei Liter Blut verlor, einen offenen Bruch des Beines sowie eine schwere Knieverletzung erlitt. Lange Zeit war offen, ob er überhaupt je wieder Rennen fahren konnte. Einen Comeback-Versuch Anfang dieses Jahres mußte der 27 Jahre alte Sprinter wieder abbrechen. Nelissen, u.a. zweimaliger Het Volk-Gewinner, wird nächsten Dienstag bei einem Kriterium in Ostende starten.
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