
Nachrichten-Archiv: 3/97 - 5/9725.05.97 - Franck Vandenbroucke (Mapei) hat die 83. Auflage von "Rund um Köln" gewonnen. Der erst 22jährige Belgier konnte damit seinen ersten Saisonerfolg feiern. Zweiter mit 10 Sekunden Rückstand wurde der Russe Artur Babaitsev (Lada). Bester Deutscher wurde Jan Schaffrath vom Deutschen Nationalteam auf dem 6. Rang. Vorjahressieger Erik Zabel kam abgeschlagen im Hauptfeld ins Ziel. Nach 60 Kilometer konnte sich eine 19köpfige Spitzengruppe mit Rolf Aldag, Christian Henn, Peter Luttenberger und Franck Vandenbroucke vom Feld absetzen und schnell einen Vorsprung von über 10 Minuten herausfahren. Kurz vor der letzten Bergwertung setzten sich Franck Vandenbroucke und Artur Babaitsev von ihren Begleitern ab. Die Entscheidung fiel 4 Kilometer vor dem Ziel. Der Russe Babaitsev konnte bei dem hohen Tempo des Belgiers nicht mehr mithalten. Franck Vandenboucke gewann nach 200 Kilometern souverän das Rennen. [aus: Offizielle Website von "Rund um Köln"]
Erik Zabel wollte den Vorjahressieg (...) wiederholen, doch daraus wurde bei schönstem Wetter nichts. Der Sprinter-Star vom Team Telekom kam im bummelnden Hauptfeld an der Messe mit über zehn Minuten Rückstand auf Sieger Franck Vandenbroucke an. Für den Fröndenberger, der in den letzten drei Wochen aktive Erholung betrieben hatte, war der Grund klar: "Die erste Gruppe war so früh abgefahren, daß es sich für uns nicht mehr lohnte, nachzusetzen, da wir mit Christian Henn und Rolf Aldag zwei Teamkollegen vorn dabei hatten. So war es für mich dann eine lockere Trainingsfahrt." Aldag (Ahlen) und Henn (Heidelberg) konnten in der Schlußphase des Rennens gegen die Mapei-Truppe von Vandenbroucke nichts mehr ausrichten. Henn nach dem Auftakt der heißen Vorbereitungswochen auf die Tour de France (ab 5. Juli): "Wir haben`s versucht, aber es ging nicht."
Während sich der Cheforganisator über den guten Besuch an der Strecke freute, ärgerte sich Rolf Wolfshohl, der Sportliche Leiter, über den Patzer 50 Kilometer vor dem Ziel bei Obersteeg. Sieger Vandenbroucke und der Russe Artur Babaitsew hatten sich verfahren, das Rennen mußte für einige Zeit neutralisiert werden. [EXPRESS]
17.05.97 - Giro d'Italia- heute gehts los. Zwar ohne die Telekom-Stars, aber doch mit einigen deutschen Fahrern. Am Start in Venedig mit dabei Marcel Wüst. Der Sprinter im Festina-Trikot kam in letzter Minute für seinen Teamkamerad Sebastien Medan. Torsten Schmidt (Roslotto) ist ebenso dabei wie Uwe Peschel (Cantina Tollo) und die beiden Refin-Fahrer Tobias Steinhauser und Jürgen Werner.
Der diesjährige Giro findet aber -wie schon Milan-San Remo im Frühjahr- praktisch unter Ausschluß der deutschen Fernsehzuschauer statt. Übertragen wird das Rennen nur vom digitalen Pay-TV-Sender DF1. Übrigens keine deutsche Spezialität: auch in Frankreich und den Niederlanden wird der Giro nur im Pay-TV zu sehen sein. Keine weise Entscheidung der Giro-Organisatoren, denn die beschränkte TV-Verbreitung macht das Rennen für die Sponsoren nicht-italienischer Teams nicht gerade interessanter. So ist es wohl auch kein Zufall, daß der niederländische Rennstall TVM seine Einladung noch kurz vorm Rennen nachträglich ausschlug. Die Veranstalter haben jedoch dazugelernt: die Fernsehrechte für den Giro 98 liegen wieder bei der RAI- und damit im Resteuropa wahrscheinlich bei EUROSPORT.
Auch sportlich ist es beim Giro nicht zum Allerbesten bestellt. Dieses Jahr ist kein einziger Fahrer aus den Top 10 der UCI-Weltrangliste am Start (s.a. Giro Startliste). Inzwischen scheint die (relativ junge) Vuelta a Espana den Giro zu überholen: "Vor 20 Jahren war die Vuelta ein kleines Rennen. Heute ist sie mindestens gleichwertig", so Italiens Rad-Idol Francesco Moser. Und auch die Tour de Suisse holt auf.
Die Favoriten: Zunächst einmal natürlich Vorjahressieger Pavel Tonkov (s. News/11.05.97). Dann Evgeni Berzin, obwohl bei ihm doch gewisse Zweifel bestehen, ob er tatsächlich noch einmal die Form von 1994 findet. Auch Ivan Gotti, letztes Jahr noch Teamkollege von Berzin, jetzt bei Saeco, muß man zum engeren Favoritenkreis zählen. Und ganz sicher auch noch gefährlich der zähe ''alte'' (36 Jahre) Piotr ''Cabrio'' Ugrumov (Roslotto). Ugrumov belegte in den letzten vier Giros die Plätze 2, 3 und 4. Luc Leblanc (Polti) hat ebenfalls Ambitionen auf den Girosieg und bei Asics ist Enrico Zaina nach der Sperre von Chiappucci (s. News 07.05.97) nun der unumstrittene Kapitän. Vielleicht kann sich ja der Überraschungs-Zweite des Giro 96 noch steigern. Und dann ist da auch noch Marco Pantani. Die Frage ist, ob Pantani, der nach seiner einjährigen verletztungsbedingten Pause praktisch wieder von Null anfangen mußte, wieder seine alte Top-Form erreicht hat. "Bei der dritten Etappe -nach San Marino- werde ich wissen wie fit ich wirklich bin. Die fünfte mit dem Anstieg nach Terminillo, wird zeigen, ob ich in Mailand auf dem Podium stehe oder nicht", so Pantani. Der kleine Kletterkünstler aus Cesenatico ist aber vorsichtig: "Ich sage nicht, daß ich nicht unter die ersten Drei will, aber es könnte sein, daß ich merke, daß ich noch nicht so weit bin- und dann wäre ich auch mit einem Etappensieg sehr zufrieden."
11.05.97 - Rechtzeitig zum Giro-Start ist der letztjährige Giro-Gewinner Pavel Tonkov (Mapei) topfit: Bei der Tour de Romandie sicherte er sich mit einer überzeugenden Leistung bei der Königsetappe den Gesamtsieg, den auch Chris Boardman mit seinem Sieg beim abschließenden Zeitfahren nicht gefährden konnte.
Tonkovs Teamkollege Johan Museeuw gewann unterdessen die Quatre Jours de Dunkerque, bei deren Schlußetappe endlich auch Abdou (Lotto) zu seinem ersten Saisonsieg kam.
10.05.97 - Nach seinem Sieg bei Rund um die Hainleite in Erfurt führt Dirk Müller (Bayer Worringen) weiter überlegen in der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft.
08.05.97 - Bei der Friedensfahrt, deren 50. Ausgabe (s.a. Hintergrundbericht) heute in Potsdam gestartet wurde, gewann Vorjahressieger Steffen Wesemann (Telekom) den Prolog vor Olaf Pollack (Agro Adler-Brandenburg). Wesemann trägt nun morgen bei der ersten Etappe von Potsdam nach Magdeburg das gelbe Trikot des Gesamtbesten. Telekom-Profi Udo Bölts gewann unterdessen heute das Kat 1.5 Rennen Colmar - Straßburg. Bölts, der bereits in Gippingen vorne lag, gelangen damit innerhalb von vier Tagen zwei Siege.
Tour de Romandie: Bei der Blutkontrolle vor der 2. Etappe erwischte es Claudio Chiappucci. Bei dem italienischen Veteranen aus der Asics-Equipe wurde ein erhöhter Hämatokritwert festgestellt, der auf EPO-Doping deutet. Chiappucci wäre nun eigentlich automatisch für 14 Tage gesperrt, d.h. auch für den am 17.05. beginnenden Giro. Der Giro ohne Publikumsliebling "Diabolo" ??? Oder sollte die UCI in diesem Fall doch noch eine *pragmatische* Lösung finden.....?
06.05.97 - Die Frühjahrs-Klassiker sind gerade vorbei, da beginnt auch schon das zweite Drittel der Saison mit den großen Landesrundfahrten. Heute startet im schweizerischen Kriegstetten die Tour de Romandie, die fast alle Fahrer, die den Giro bestreiten wollen als Vorbereitung nutzen. Das Starter-Feld der Romandie-Rundfahrt war nie illustrer als dieses Jahr: Chiappucci, Richard, Rominger, Boardman, Baldato,Tonkov, Bugno, Pantani, Cipollini, Gotti, Leblanc, Baffi, Ekimov und und und. Ein Grund dafür ist natürlich auch, daß dieses Jahr die in den vergangenen Jahren immer parallel zur Romandie-Tour ausgetragene US-amerikanische Tour DuPont ausfällt, weil Veranstalter und Sponsor nicht mehr miteinander auskamen, nachdem Sponsor DuPont seinen Ausstieg für 1998 erklärte. Andere Fahrer, die keine Ambitionen beim Giro haben und schon längst die Tour de France im Blick haben, machen jetzt Urlaub, bevor es an die letzten Vorbereitungen für den Saisonhöhepunkt geht. So liegt z.B. Rolf Järmann eine Woche lang mit seiner Familie in Gran Canaria am Strand. Die ONCE-Stars Zülle und Jalabert machen jetzt sogar 6 (sechs!) Wochen Urlaub vom Renngeschehen, um im Juli topfit zu sein. Schaun mer mal ob's hilft.
Jede Menge Renn-Action am vergangenen Wochenende: Udo Bölts, der schon beim Henninger eine Super-Form gezeigt hatte, gewann das Kat.1.1-Rennen im schweizerischen Gippingen vor Andrei Tchmil. In diesem Rennen auch wieder -wie zwei Tage vorher in Frankfurt- vorn dabei der 26jährige Giuseppe Di Grande (Mapei), dessen Namen man sich merken werden muß.
In der Toskana beim Giro di Toscana gewann Sergio Barbero vor Michele Bartoli. Dritter -man höre und staune!- Vladimir Pulnikov. Pulnikov, der jetzt in der italienisch-kolumbianischen Kross-Montanari-Equipe fährt, war nach großen Erfolgen (1994 war er 10. in der Gesamtwertung der Tour de France) nacheinander beim Team Telekom (1995) und bei TVM (1996) sang- und klanglos untergegangen.
Die Sauerland-Luft bekommt den Australiern anscheinend besonders gut- bei der Hennesee-Rundfahrt waren drei Aussies unter den ersten vier. Gewinner der für Continentale Dortmund fahrende Scott McGrory.
Den Kletterer-Preis, die Trophee des Grimpeur gewann am Sonntag in Sannois Davide Rebellin vor Mauro Gianetti (beide FDJ) und Laurent Roux (TVM), die alle drei auch in Frankfurt am Henninger Turm ganz vorne dabei waren. Auf dem 13. Platz der Trophee übrigens ein interessanter Mann aus Finnland: Joona Laukka (Festina). Laukka ist der bisher wohl einzige Weltklasse-Radsportler aus Lappland. Wie man hört, werden in seiner Heimat seine Leistungen allerdings nicht so anerkannt, wie er es eigentlich verdienen würde. Radsport ist im Land der Rentiere (noch?!) nicht allzu populär.
28.04.97 - Leckerbissen für deutsche Radsportfans im Mai: Zuerst Henninger Turm am 1. Mai, dann gut drei Wochen später Rund um Köln. Das Kölner Rennen (Kat 1.3) wird dieses Jahr besonders akribisch vorbereitet, denn die Veranstalter peilen für nächstes Jahr Weltcup-Status an. Auch in Frankfurt will man wieder in die Weltcup-Kategorie: spätestens 1999 und 2000, dann fällt der traditionelle Henninger Turm-Termin 1.Mai auf Wochenenden (Bedingung der UCI für Weltcup-Rennen).
Der frischgebackene Amstel Gold-Gewinner Bjarne Riis wird übrigens wohl nicht bei Rund um Köln antreten: Laut Radio RPR1 verlangte der Däne eine Antrittsprämie von 40.000 DM, die der Veranstalter nicht aufbringen will oder kann. Jan Ullrich dagegen wird vorraussichtlich in Köln dabei sein. Ebenso natürlich die Jungs vom Team Cologne, die besonders heiß auf das Rennen sein werden, allen voran Andreas Kappes.
Halbzeit im Weltcup und Michele Bartoli ist jetzt der große Favorit für den Sieg im Gesamt-Weltcup. Der Pechvogel der Frühjahrs-Saison ist zweifellos Johan Museeuw (Fluch des Regenbogentrikots???), der einige Male durch Stürz (San Remo) und Defekte im falschen Moment um bessere Plazierungen gebracht wurde. Abschreiben sollte man ihn aber noch nicht- gut 100 Punkte Rückstand auf den Führenden im Weltcup Bartoli sind zwar sehr viel, aber wenn einer diesen Rückstand wettmachen kann, dann Johan Museeuw!
Tragischer Unfall: Nicola Panzeri ist am Samstag (26.04.) bei einem Motorradunfall in der Nähr seiner Heimatstadt Lecco ums Leben gekommen. Der 26 Jahre alte Fahrer aus dem Scrigno-Team war als Fahrer des Motorrads frontal mit einem entgegenkommenden Auto zusammengeprallt.
***
12.04.97 - Baskenlandrundfahrt: Erster Saisonsieg für Alex Zülle (Once). Der Schweizer konnte beim abschließenden Zeitfahren seinen Teamkollegen Laurent Jalabert, der bis dahin in der Gesamtwertung vorne lag, schlagen. Ein super Zeitfahren fuhr Marco Pantani, der sogar schneller als Zeitfahrspezialist Chris Boardman war.
09.04.97 - Philippe Gaumont (Cofidis) gewinnt Gent-Wevelgem. Für den 24jährigen Franzose, der letztes Jahr wegen Dopings einen Monat gesperrt war, ist es sein bisher größter Erfolg.
"Das ist der größte Sieg in meiner Karriere. Ich habe meine Kondition aufgebaut auf flandrischen Straßen, u.a. bei den 3 Tagen von Panne und bei der Flandernrundfahrt, wo ich viel Pech hatte", so Gaumont im belgischen Fernsehen. Gaumont hofft, daß er seine Form bis zum Sonntag halten kann, wenn er bei Paris-Roubaix antritt. Dirk Baldinger (Polti) fuhr ein schönes Rennen, er kam in der 19köpfigen Spitzengruppe an.
08.04.97 - "Ich bin so glücklich, das ist der größte Sieg meiner Karriere." japste Rolf Sörensen in die Mikrofone des belgischen Fernsehens nach seinem Triumph bei der Flandernrundfahrt am Sonntag. Sörensen liegt nun auch im Weltcup vorne, allerdings ist hier natürlich noch alles offen nach erst 2 Rennen.
Johan Museeuw, der (natürlich!) doch startete, hatte wieder großes Pech: nachdem ihm Bruno Boscardin (Ita/Festina) von hinten ins Rad fuhr, verlor Museeuw den Kontakt zur Spitze und mußte so seine Siegchancen begraben. Museeuw wurde am Ende 13. hinter dem großartig fahrenden Steffen Wesemann.
Laurent Jalabert erging es noch schlechter als Museeuw: nachdem er einige Male im Schlußabschnitt stark attackiert hatte, bekam er plötzlich Probleme bei den folgenden Konterattacken -Hungerast?- und fiel weit zurück.
Gar keinen Spaß hatte Erik Zabel (38. Platz) an dem Rennen. "Wochenlang in Belgien zu fahren bringt mehr Schaden als Nutzen", so Zabel. "Ich kann hier nur verlieren, Motivation und Moral." Der Mailand-San Remo-Gewinner fährt lieber in südlicheren Gefilden, wo es weniger Kopfsteinpflaster, weniger Staub, weniger Matsch und keine "mörderische" (Zabel) Muur van Geraardsbergen gibt. Wahrscheinlich wird Zabel bei Paris-Roubaix auf einen Start verzichten, auch um seine Gesundheit für die Tour und andere Saisonhöhepunkte zu schonen.
Nebenbei bemerkt: Paris-Roubaix war eines der Lieblingsrennen von Olaf Ludwig...
08.04.97 - Weitere Ergebnisse vom Wochenende: zwei (!) Siege für den "kleinen" Jalabert: Nicolas Jalabert (Cofidis) gewann bei der Route Adelie und in Rennes.
Der Frankfurter Jens Zemke vom Team Nürnberger gewann in überzeugender Manier in Wiesbaden nach einer 20km-Alleinfahrt den Söhnlein-Rheingau-Preis (Kat 1.5), dessen Parcours u.a. über den Feldberg nach einer langen Schleife durch den Taunus führte.
Bei den Frauen gewann die Berlinerin Hanka Kupfernagel.
08.04.97 - Nachtrag zu den Drei Tagen von De Panne, die Johan Museeuw trotz seiner Bedenken am Ende gewinnen konnte: die zweite Etappe des Rennens wurde von einem schweren Sturz überschattet. Bei der Abfahrt vom Kemmelberg kamen insgesamt 20 Fahrer zu Fall und verletzten sich zum Teil sehr schwer. Am schlimmsten erwischte es Hendrik Redant (TVM) und den Holländer Gerrit De Vries (Team Polti). Bei De Vries wurde neben Gesichtsverletzungen eine schwere Gehirnerschütterung konstatiert. Redant erlitt einen offenen Ellbogenbruch, für Redant ist dies das unglückliche Ende seiner Karriere- er hatte geplant, nach dem Amstel Gold Race aufzuhören, um eine Funktion in der Teamleitung von TVM zu übernehmen. Weitere Beteiligte bei dem Sturz: Ivan Luna (Refin), Nico Eeckhout (Lotto), Marzio Bruseghin (Brescialat) - alle mit Armbrüchen - sowie Andrea Chiurato (Batik), Christian Salvato (Refin) und Torsten Schmidt (Roslotto) die alle Gehirnerschütterungen erlitten.
***
03.04.1997 - Am Sonntag findet das zweite Weltcup-Rennen der Saison statt: die Ronde van Vlaanderen (s. a. Vorschau) mit berüchtigten Anstiegen wie die Muur van Geraardsbergen. Im Gegensatz zum ersten Weltcup-Rennen Milan-San Remo wird das Rennen auch von den deutschen Fans live am Fernseher zu verfolgen sein (Eurosport 13.3017.00h). Milan-San Remo war nur in Leo Kirchs Pay-TV DF1 zu sehen, weil Kirch-Spezi Berlusconi die Rechte besaß. Ein Witz. DF1 hat ca. 20.000 Abonnenten- wieviele davon sind Radsport-Fans und hatten Zeit zu schauen? 500? 1.000? Die hunderttausend anderen Fans ohne DF1 schauten in die Röhre.
Einer der Favoriten bei der Ronde van Vlaanderen ist Johan Museeuw, er gewann die Ronde 1993 und 1995. Aber wird er überhaupt starten? Am Dienstag nach der ersten Etappe von La Panne sagte Museeuw gegenüber L'Equipe: "Wenn ich mich nicht bald besser fühle werde ich weder Ronde noch Paris-Roubaix fahren." Museeuw war bei dem großen Sturz im Finish von Milan-San Remo vor zwei Wochen beteiligt. Museeuw sagte, er habe zwar keine Schmerzen aber er fühle sich noch nicht sehr stark und würde sich vielleicht besser auf Liege-Bastogne-Liege konzentrieren. L'Equipe ist mißtrauisch und fragt: "Blufft er?"
Sollte Museeuw wirklich nicht antreten, wäre wohl der Italiener Michele Bartoli (MG) Top-Favorit. Der 26jährige gewann die Ronde im Vorjahr,wurde am Ende Dritter im Weltcup und rechnet sich sicher dieses Jahr Chancen auf den Sieg im Gesamt-Weltcup aus. In Form ist er jedenfalls, bei Milan-San Remo wurde er Fünfter.
Milan-San Remo-Gewinner Erik Zabel wird am Sonntag im weißen Trikot des im Weltcup Führenden antreten. Aber Zabel gibt sich keinen Illusionen hin: "Im Grunde genommen ist es für mich nicht möglich, den Weltcup zu holen. Ehrlich gesagt würde ich mich wundern, wenn ich das Leader- Trikot noch nach dem übernächsten Weltcup-Rennen Paris-Roubaix trage. Es wäre schon eine Überraschung, wenn ich es am Sonntag verteidigen könnte", sagte Zabel.
***
02.04.97 - Die Tour de France 1998 wird in Irland starten. Damit wird die Tour zum 14. Mal außerhalb von Frankreich starten, allerdings zum ersten Mal außerhalb des europäischen Festlands. Am Donnerstag werden Tour-Direktor Jean-Marie Leblanc und Irlands Tourismus-Minister Enda Kenny einen entsprechenden Vertrag unterzeichnen. [Reuters]
Ursprünglich waren auch Liege (Bel) und Turin (Ita) für den Tourstart 98 im Gespräch.
Die Tour 98 wird am 11.Juli 1998 beginnen, ungewöhnlich spät, um der vom 10.Juni bis 12.Juli 98 in Frankreich stattfindenden Fußball-Weltmeisterschaft auszuweichen
***
01.04.1997 - 3 Jours de la Panne (Bel) (Cat 2.2), 1.Etappe, 178km von Harelbeke nach Zottegem, Christophe Mengin (Fra/FDJ) schlägt Marco Miesi (Ita).
Der Belgier Wim van Sevenant (Vlaanderen 2002) wurde nicht zum Start zugelassen, da bei ihm beim Bluttest ein erhöhter EPO-Wert von 51.8% festgestellt wurde. Der 26jährige Belgier, zuletzt 9. bei Quer durch Belgien, ist 14 Tage für alle Rennen gesperrt.
(Mehr zur ganzen EPO-Problematik: s. News vom 29.Januar und 17. Februar 1997)
01.04.97 - In der Schweizer Sonntagszeitung vom 30./31.03.97: Interview mit dem verletzten Pascal Richard und eine Story über Alex Zülle.***
31.03.97 - Das diesjährige Criterium International steckte voller Überraschungen: Erste Überraschung für Mario Traversoni (Mercatone) bei der ersten Etappe in Rabastens. Der Italiener sprintete Frederic Moncassin aus und riß 5 Meter vor dem Ziel jubelnd die Arme hoch- allerdings ohne zu merken, daß rechts an ihm noch Stéphane Barthe (Fra/Casino) vorbeischlüpfte und die Etappe gewann.
Nächste Überraschung bei der Halbetappe am zweiten Tag, 80 km über bergiges Terrain. Die Favoriten belauern sich, da gibt ONCE-Captain Laurent Jalabert, der wohl noch ein wenig behindert ist durch Folgen des Sturzes bei Mailand-San Remo letzte Woche, seinem eamkollegen Marcelino Garcia das Signal anzugreifen. Der 26jährige Spanier aus Oviedo tat's und gewann die Halbetappe über 1 Minute vor den Favoriten um Jalabert. Im anschließenden Zeitfahren reichte Garcia dann ein guter 6. Platz für den Gesamtsieg.
Im Zeitfahren bemerkenswert: Aitor Garmendia (Esp/Once) kann in dem kurzen Zeitfahren sowohl den sehr enttäuschten Vorjahressieger Chris Boardman als auch Tony Rominger schlagen. Rominger ist derzeit in der Vorbereitung auf einen Stundenweltrekordversuch.
31.03.97 - Jede Woche ein Sieg. Ist das der neue Rhythmus von Erik Zabel? Am Sonntag beim Zurbrüggen-Cup im westfälischen Unna gewann er vor Rolf Aldag.
Damit die bisherige Saisonbilanz für Zabel: Siege bei Mallorca-Rundfahrt, Valencia-Rundfahrt (Etappe u. Punktbester), Ruta del Sol (Etappe u. Gesamtsieg), Luis Puig, Milan-San Remo, Rund um Unna.
Wo soll das noch hinführen... :-)
24.03.97 - Als die Frankfurter Allgemeine am Samstag im Vorbericht zu Mailand - San Remo andeutete, daß auch Erik Zabel durchaus den "Primavera" gewinnen könne, haben sicher viele (der Verfasser eingeschlossen!) stark zweifelnd über so viel Optimismus geschmunzelt. Und dann gewinnt Zabel tatsächlich! Das Kunststück ist seit Rudi Altig im Jahr 1968 keinem Deutschen gelungen.
Und so ganz langsam mausert sich Zabel zu einem richtig kompletten Rennfahrer, eine Entwicklung, die sich bereits Anfang der Saison - etwa bei der Valencia-Rundfahrt- abzeichnete. Zabel: "Ein Jalabert bin ich noch nicht, aber die Berge komme ich schon ganz gut hoch." Das muß man auch, um bei Milan-San Remo zu gewinnen. Der Poggio, San Remos Hausberg ist zwar nicht gewaltig hoch, aber nach 300 km im Rennsattel tut er weh. "Für mich ist dies der schwerste Klassiker, weil sowohl Bergfahrer und Sprinter eine Chance haben", so Zabel.
Auf der Zielgeraden in San Remo hatte es hinter Zabel einen recht schlimmen Sturz gegeben, verursacht wohl dadurch, daß Jalabert dem vor ihm fahrenden Museeuw ins Rad fuhr - beide stürzten, auch andere Fahrer kamen zum Sturz, unter anderem Max Sciandri. Sowohl Jalabert als auch Museeuw wurden ins Krankenhaus gebracht, aber die Verletzungen sollten sich als relativ harmlos herausstellen- beide sind inzwischen wieder fit.
Ein schönes Rennen fuhr auch Marco Pantani. Er kam mit der 39köpfigen Spitzengruppe ins Ziel. Er hat den Anschluß an die Spitze wieder geschafft.
Übrigens: Rolf Järmann (er wurde 19.) schildert in seinem Online-Tagebuch sehr eindrucksvoll das Rennen aus der Sicht eines Rennfahrers.
24.03.97 - Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) wählte bei seiner Bundeshauptversammlung am Wochenende ein neues Präsidium: Neuer Präsident wurde Manfred Böhmer, Vizepräsident wurde Olaf Ludwig.
24.03.97 - Schöner Erfolg für Olaf Pollack. Der Profi von Agro Adler-Brandenburg gewann die 6. Etappe des Clasico RCN (Kat. 2.4) in Kolumbien.
***
21.03.97 - Jetzt fängt die Saison erst richtig an: Milan - San Remo, das erste Weltcup-Rennen der Saison steht an. Favoriten: Johan Museeuw (Mapei-GB), der den Weltcup-Hattrick anpeilt, Michele Bartoli (MG), der letztes Jahr Museeuw bei der Flandern-Rundfahrt schlagen konnte, vielleicht auch noch Tirreno-Gewinner Roberto Petito (Saeco).
Wer aber auch immer den Poggio als erster erreicht, die ganze Welt, naja zumindest ganz Italien, wird nach Marco Pantani Ausschau halten. Nach 16 Monaten mehr oder weniger Pause nach seinem schweren Unfall bei Mailand-Turin im Herbst 1995 ist der kleine Kletterspezialist wieder zurück. Beim Clasica Almeria reichten Pantani die 188 Rennkilometer noch gar nicht und er fuhr vom Ziel gleich die 15 km bis zum Hotel auf dem Rad weiter. Spätestens seit der Murcia-Rundfahrt ist klar, daß er wieder den Anschluß an die Spitze gefunden hat: bei allen Bergetappen war er vorne dabei, gewann die Bergwertung. Pantani wurde zwar am Ende disqualifiziert, weil er nicht das Bergwertungstrikot trug, aber das störte ihn nicht allzusehr: "Ich wollte herausfinden, wo ich stehe am Anfang der Saison und die Wahrheit ist, daß das Ergebnis mehr als befriedigend ist."
Ein Sieg bei Mailand-San Remo ist wohl noch ein bißchen zu viel für Marco, aber wer weiß? Die Tifosi werden ihn in jedem Falle bejubeln wie sonst niemanden.
19.03.97 - Kalte Füße hat sich Erik Zabel dieses Jahr noch nicht holen müssen: Da sein Ausrüster nicht rechtzeitig die neuen Schuhe lieferte, mußte er immer mit Überschuhen fahren... Der Sprintkraft tat das aber keinen Abbruch: toller Saisonauftakt für "Ete": nach dem Gesamtsieg bei der Ruta del Sol ein Etappensieg und die Punktewertung bei der Valencia-Rundfahrt. Giovanni Lombardi, der andere Telekom-Sprinter und Zabels Edel-Helfer, konnte bei Tirreno Adriatico selbst zuschlagen und einen Etappensieg verbuchen. Riis und Ullrich spulten bei Murcia-Rundfahrt und Tirreno Adriatico locker die Rennkilometer runter- bis jetzt ohne größere Ambitionen, so wie auch die anderen Topfahrer, deren Saisonhöhepunkt im Juli liegt. Ullrich hat allerdings schon durchblicken lassen, daß er beim Henninger Turm durchaus Siegambitionen hat.
Fazit: Bei Goodefroots Telekom-Truppe bisher alles im grünen Bereich.
19.03.97 - Zülle 2000: der Schweizer Alex Zülle hat seinen Vertrag bei ONCE vorzeitig bis ins Jahr 2000 verlängert. Der 29jährige denkt sogar darüber hinaus: "Angesicht der guten Zusammenarbeit mit Once bin ich versucht zu sagen, daß ich den Vertrag bis zum Abschluß meiner Karriere verlängern möchte."
(Unverbesserliche Spötter werden sagen, daß die Verbindung zwischen Zülle und einer Blindenorganisation ja auch geradezu ideal wäre...)
23.01.97 - Special: Interview mit dem Rheinland-Pfalz-Rundfahrt-Marketing-Chef Günter Rittgen.
18.03.97 - Rudi Altig feierte seinen 60. Geburtstag mit einem großen Empfang in Remagen/Rhein, bei dem auch viele Promis zu sehen waren, von Mutter Beimer aus der Lindenstraße bis zum DFB-Trainer Rainer Bonhof. Die Stadt Remagen benannte übrigens bei der Gelegenheit einen *Rad*-weg nach Rudi...
Die Fans warten natürlich auf die Tour, wo Altig auch dieses Jahr wieder Co-Kommentator neben (dem ausgezeichneten!) Peter Woydt bei Eurosport sein wird und sicher wieder einige seiner unvergleichlichen Kommentare ("Ich finde die Hosen sollten immer nur schwarz sein, wie früher.") zum besten geben wird .
18.03.97 - Mario Cipollini schlägt einen Konkurrenten- soweit nichts ungewöhnliches. Bei der dritten Etappe von Paris-Nizza war es allerdings doch etwas ungewöhnlich. Cipollini fühlte sich im Sprint von dem Esten Jaan Kirsipuu (Casino) bedrängt, was Mario so ärgerte, daß er Kirsipuu im Ziel gleich mit einem Faustschlag niederstreckte... Cipolini wurde deswegen auf den letzten Platz der Tageswertung gesetzt.
Übrigens: in den Bergen zeigt Mario Cipollini leider nicht ganz so viel Aggressivität: bei der ersten ernsthaften Bergetappe bei Paris-Nizza stieg er -wie immer- aus.
18.03.97 - Das Rennen Due Giornos di Chiasso/Zwei Tage von Chiasso (Schweiz, 1.5) ist schon deshalb bei den Fahrern immer ein Grund zum Flachsen, weil das Rennen keine due giornos geht, sondern ein normales Ein-Tages-Rennen ist, nur die Feiern in Chiasso gehen über zwei Tage. Nun, dieses Jahr gabs noch mehr zu lachen: Eine Ausreisser-Gruppe (Outchakov, Volpi, Boscardin, DePaoli) hatte sich vom Feld lösen können, aber schon nach kurzer Zeit organisierte das Feld eine konzentrierte Verfolgung. Aber das Feld kam zur Verwunderung der Verfolger einfach nicht näher an die Ausreisser heran. Nachdem dies einige Zeit so weiter ging nahte irgendwann ein wild gestikulierender Kommissar: das Feld war auf eine ganz andere Straße als die Ausreisser geschickt worden...
Das Rennen wurde neutralisiert, die Ausgangssituation wiederhergestellt, aber am Ende hatten die vier Ausreisser immer noch 2:39 Vorsprung, Sergei Outchakov (UKR/Polti) gewann.
18.03.97 - Schlechte Nachrichten für Wilfried Nelissen (Palmans). Die geplante Rückkehr ins Renngeschehen bei den Klassikern im April fällt aus. Nelissen leidet immer noch unter den Folgen seines schweren Unfalls beim letztjährigen Gent-Wevelgem. [L'Equipe]
Lance Armstrong wird hingegen bei den April-Klassikern zu sehen sein- wenn auch leider nur als Zuschauer. Lance Kampf gegen den Krebs scheint aber immer erfolgreicher, inzwischen wird bei seinem Team Cofidis schon von einer möglichen Rückkehr ins Peloton noch 1997 gesprochen.
18.03.97 - Aufgrund finanzieller Probleme wurde der 33. GP Pino Cerami (Bel, Cat 1.3) abgesagt. Das Rennen, benannt nach dem belgischen Spitzenfahrer Pino Cerami (gewann zB 1960 Paris-Roubaix und Fleche Wallone), sollte am 11. April stattfinden.
18.03.97 - Hennie Kuiper hat einen neuen Job. Kuiper, letztes Jahr DS bei Motorola, übernimmt eine Funktion bei der Societe du Tour de France. [NOS TeleTekst]
www.radsport-news.com