Nachrichten-Archiv: 5/97 - 6/97

24.06.97 - Zülle doch zur Tour? - Alex Zülle (CH/Once), der am Sonntag bei der Tour de Suisse gestürzt war (s.u. News 22.06.) und sich das Schlüsselbein gebrochen hatte, wird wohl doch bei der Tour de France antreten können. Zülle war am Sonntag zunächst in einem Krankenhaus in Locarno (CH) untersucht, dann in einem Privatjet nach Barcelona geflogen worden, wo er operiert werden mußte. Nach Aussagen der Ärzte war die Operation erfolgreich. Alex Zülle: ":Ich fühle nicht die geringsten Schmerzen." Once's Directeur Sportif Manolo Saiz: "Zu 99 Prozent wird Alex die Tour fahren."

22.06.97 - Peter Woydt † - Völlig überraschend kam am Wochenende die Nachricht vom Tod des deutschen EUROSPORT-Kommentators Peter Woydt. Woydt, der seit 1965 Radsport im Fernsehen kommentierte, kam 1990 vom damaligen DDR-Fernsehen zu EUROSPORT und wurde ganz schnell zum beliebtesten deutschen Radsport-Kommentator. Seine absolute Kompetenz, seine humorvollen Dialoge mit Ko-Kommentator Rudi Altig ließen ihn zu der deutschen Stimme der Tour de France werden. Die deutschen Fans werden ihn schmerzlich vermissen.

22.06.07 - Walter Godefroot hat die Telekom-Mannschaft für die Tour de France bekanntgegeben. Neben Kapitän Bjarne Riis werden zur Grand Boucle antreten: Rolf Aldag, Udo Bölts, Christian Henn, Jens Heppner, Jan Ullrich, Georg Totschnig, Giovanni Lombardi, Erik Zabel.
Beim Team Polti werden u.a. Dirk Baldinger und Jörg Jaksche für Polti-Kapitän Luc Leblanc fahren. (Mehr: s. Tour de France- Provisorische Startliste)

22.06.97 - Tour de Suisse: Bei der heutigen 6. Etappe der Tour de Suisse stürzte Alex Zülle schwer. Er brach sich das Schlüsselbein und wird wohl nicht bei der Tour de France starten können. In den Sturz zu Anfang der Etappe waren neben Zülle auch Laurent Jalabert, Inigo Cuesta, Dirk Baldinger, Felice Puttini und Roland Meier verwickelt, außer Zülle kamen jedoch alle mit leichteren Schürfwunden davon.

Alex Zülle und seine Stürze - eine unendliche Geschichte. Zülle gilt unter den Rennfahrern als absoluter Sturzflieger. Vor wenigen Wochen stürzte der Schweizer in der Dauphine und wurde hinterher von der Schweizer Sonntags-Zeitung befragt, warum er denn so furchtbar oft stürze.


20.06.97 - Claudio Chiappucci zur Tour im Banesto-Team? - Die Nicht-Teilnahme vom Asics bei der diesjährigen Tour de France zieht weitere Kreise. Neuestes Gerücht: Chiappucci könnte für die 3 Wochen der Tour das Banesto-Trikot anziehen.

Was zunächst ziemlich merkwürdig klingt, könnte durchaus wahr werden. Weil Miguel Angel Pena, dessen Tourstart bei Banesto fest eingeplant war, nach einem Unfall bei der Dauphine ausfällt, könnte Banesto nun einen Kletterspezialist gut gebrauchen. Und Chiappucci könnte ein Team gebrauchen, das bei der Tour teilnimmt. Die Idee kam L'Equipe zufolge von beiden Seiten. "Ich weiß nicht, ob es möglich ist, " so Chiappucci, " aber ich würde schon gern mit Banesto die Tour fahren. Meine Beziehung zu Banesto war immer gut. Wir waren Gegner auf der Straße aber wir hatten immer Respekt voreinander.". Auch Banesto-Chef Jose Miguel Echavarri ist nicht abgeneigt: "Es wäre eine schöne Möglichkeit, die Ungerechtigkeit, die Claudio angetan wurde, wiedergutzumachen. Und für unser Team wäre es auch nicht schlecht. Aber es wird schwierig"

Schwierigkeiten gibt es in der Tat. Zwar gab es in der Vergangenheit schon ähnliche Fälle (1991 wechselte Ronan Pensec vor der Tour von Seur zur Amaya), aber Chiappucci müsste wohl auch den Rest der Saison bei Banesto fahren. Und das ist natürlich für das Asics-Team nicht akzeptabel. Franco Arese, Besitzer des Rennstalls: "Ich glaube nicht, daß die Regeln es erlauben, daß ein Fahrer hin- und herwechselt mitten in der Saison. Ich möchte jedenfalls, daß er zurückkommt." [L'Equipe]

19.06.97 - Tour de France: Reaktionen auf die Vergabe der Wildcards durch die Societe Anfang der Woche (s.u. News 18.06.) - Tour de France-Pressechef John Lelangue: "Die Entscheidung für die ersten drei Teams (Lotto, USPS, Kelme) war klar aufgrund der Leistungen dieser Teams. Die Wahl der anderen war jedoch problematischer. Letztes Jahr hatten wir nur 38 französische Fahrer in unserer Tour- wir wollen aber mindestens 40 Fahrer- dies ist schließlich die Tour de 'France'. Mit der Hereinnahme von Aubervilliers und Mutuelle kriegen wir etwa bis zu 48 Franzosen im Peloton."

Die Italiener dagegen sind natürlich nicht so glücklich über die Haltung der Franzosen. Promintentes Opfer der frankophilen Auswahl der Tour-Teams ist natürlich Claudio Chiappucci und sein Asics-Team (früher Carrera), die in den letzten 10 Jahren der Tour ihren Stempel aufgedrückt haben- unvergessen etwa Chiappuccis legendärer Sieg in Sestriere 1992. Asics-Teamchef Sandro Quintarelli: "Wir verstehen das nicht. Die Tour-Organisation hatte uns zu verstehen geben, daß wir drin sind. Es stimmt zwar, daß unsere Leistungen dieses Jahr nicht so toll waren, aber wir hatten auch viel Pech. Aber nach allem was unser Team und Chiappucci der Tour gegeben haben in all den Jahren glaube ich, daß dies nicht fair ist. Es wäre eine echte Schande, wenn Chiappuccis Karriere so sang- und klanglos zu Ende ginge. "

Lelangue hält dagegen: "Chiappucci war unsichtbar in der Midi Libre. Und beim Classique des Alpes musste er beim ersten Anstieg abreissen lassen. Wir hatten wirklich wenig Anlaß zu glauben, er könne bei der Tour vorne mitfahren und sein Team hat nicht genug Tiefe um ohne ihn gute Leistungen zu bringen. Es ist eine unglückliche Situation und ich bin sicher, daß sie enttäuscht sind, aber ich bin überzeugt, daß die Auswahl der Teams rund ist. "

Aus deutscher Sicht kann man dieses Tour-Selektions-Hickhack natürlich recht gelassen verfolgen. Anders als noch vor zwei Jahren gab es dieses Jahr natürlich nicht den geringsten Zweifel an der Teilnahme von Telekom an der Tour.

Nachdem nun also alle Teams bei der Tour feststehen, beginnt nun auch langsam die teaminterne Auswahl der einzelnen Tour-Teilnehmer. (s. Tour de France- Provisorische Startliste)

18.06.97 Tour de Suisse: Die heutige Etappe der Schweizer Rundfahrt gewann überlegen Erik Zabel im Massensprint. Für Zabel Saison-Sieg Nummer 12. "Am Montag musste ich mich in Freiburg noch einer zahnärztlichen Untersuchung unterziehen, mir wurde ein Weisheitszahn gezogen. Aber ich wollte unbedingt herkommen zur Tour de Suisse, die ich jetzt schon zum 5. Male fahre. Ich muß sagen, es ist eines meiner Lieblingsrennen- es ist immer eine gute Atmosphäre hier," so Zabel im Sieger-Interview.

18.06.97 - Societe du Tour de France gibt "Wild Cards" bekannt: Für die Tour de France vom 5. bis 27. Juli sind die besten 16 Mannschaften der UCI-Weltrangliste automatisch qualifiziert. Sechs weitere Teams werden eingeladen. In diesem Jahr erhielten die Mannschaften von Lotto (Belgien), US Postal Service (USA), Kelme (Spanien), Mercatone Uno (San Marino) - (Pantani!), Mutuelle de Seine-et-Marne (Frankreich) und Big-Mat-Auber (Frankreich) den Zuschlag. Somit u.a. nicht dabei Claudio Chiappuccis Asics-Equipe. [dpa]

Unterdessen hat der Schweizer Olympiasieger Pascal Richard (Casino) seine Starts bei Tour de Suisse und der Tour de France absagen müssen. Der Grund für seine Nicht-Teilnahme ist ein Abszeß am Gesäß. Die Entzündung machte einen operativen Eingriff erforderlich. Richard hofft, bis zur Weltmeisterschaft im September wieder fit zu sein.

15.06.97 - Aufruhr im deutschen Radsport nach SPIEGEL-Artikel: "Ohne Chemie läuft in dem Geschäft gar nichts", sagt der ehemalige Kölner Profifahrer Jörg Paffrath in einem Beitrag des Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL über die Dopingpraxis im Radsport. Detailliert beschreibt Paffrath, wie er seinen Körper durch die Einnahme von 24 verschiedenen Präparaten mehr Leistung abrang Er selbst, sagt Paffrath dem SPIEGEL, habe alles genommen, was auf dem Markt zu bekommen gewesen sei: erst Glukokortikoide und Anabolika, später auch Epo und Wachstumshormone. Zum Schluß habe er nur noch unter dem Einfluß von Psychopharmaka trainieren können. Die zum Teil hohen Dosierungen habe er nur überstehen können, indem er zur Regeneration seines Körpers weitere Medikamente eingesetzt habe.

Viele Mal wurde Paffrath, der einige Zeit auch im Kader der deutschen Querfeldein-Nationalmannschaft war, in Dopingtests überprüft. Bis 1996 wurde nie etwas gefunden. Er habe gedopt, sagt Paffrath, wenn er sicher war, daß kein Kontrolleur kam. Zudem habe er maskierende Präparate benutzt. Letztlich habe ihn der Konkurrenzdruck unter den Radfahrern zum Dopen gezwungen. In Gesprächen mit den Kollegen und durch Beobachtungen habe er erfahren, "daß kaum einer die Tour de France allein mit Pasta und Wasser" fahre.

Paffrath enthüllt nach eigenen Angaben seine eigene Dopingvergangenheit, um Jugendliche davor zu warnen, "ihre Jugend mit Illusionen zu verplempern". Die Radfahrer, sagt der Kölner, würden von Funktionären und Managern gezwungen, "sich zu manipulieren". Paffrath beendete im vergangenen Sommer seine Karriere, als bei einer Dopingprobe Reste von Amphetaminen im Urin festgestellt wurden. [DER SPIEGEL]

Auf teilweise harte Kritik stoßen die Paffrath-Enthüllungen in der Radsport-Szene. Sein ehemaliger Trainer Dieter Koslar (PSV Köln): "Schlimm, was der Paffrath da macht. Er hätte lieber damals die Jugend warnen sollen, als er noch bei uns massiv mit den Mitteln hantierte. Der ging doch damit hausieren und war unter Einffluß der Mittel fürchterlich aggressiv. Unserem Betreuer Hans Küpper hat er das Rad vor die Füße geknallt." Man habe Paffrath sogar beobachtet, wie er Präparate intravenös gespritzt habe. Artur Tabat, Cheforganisator des Klassikers "Rund um Köln": "Paffrath muß seine Anschuldigungen beweisen und das kann er nicht. So zieht er andere in den Dreck. Ich habe früher schon mal versucht, ihm die Einnahme von Doping auszureden. Aber da hat er abgewunken." [EXPRESS]

15.06.97 - Telekom drei Wochen vor dem Tourstart in Topform: Elfter (11.) Saisonsieg für Erik Zabel. Bei der Luxemburg-Rundfahrt gewann der Telekomstar die 1. Etappe.

Und jetzt der Knaller: Erst nahm Jens Heppner Rache für Rolf Aldag (s.u.- News vom 12.05.), gewann die 5. Etappe der Dauphine Libere und am Sonntag sicherte sich Udo Bölts den Gesamtsieg der prestigeträchtigen Rundfahrt in den französischen Alpen. Abraham Olano (Banesto), der am Morgen zur letzten Etappe noch im Gelben Trikot des Spitzenreiters mit 1:09 Minuten Vorsprung vor Bölts gestartet war, stürzte auf dem Weg nach Chambery, hatte anschließend einen Reifendefekt zu beklagen und rutschte bei der Verfolgung des Deutschen auch noch zweimal aus seinen Pedalen. 20 Kilometer vor dem Ziel hatte Olano, der am Ende Zweiter in der Gesamtwertung wurde, den Vorsprung der sechsköpfigen Ausreißergruppe mit Bölts und dessen Mannschaftskameraden Georg Totschnig auf 44 Sekunden verringert. Doch dann warfen ihn technische Defekte abermals zurück. Die Ausreißergruppe um den deutschen Profi-Meister von 1995 vom Telekom-Team hatte sich etwa 40 Kilometer vor dem Ziel beim Anstieg auf den Col de Porte gebildet. Fünf Kilometer vor dem Ziel ließ Bölts Andrej Teterjuk und drei weitere Fahrer ziehen und begnügte sich bei der Tagesplazierung mit Rang fünf. Dann wurde es sehr spannend. Alles wartete auf Olano: Der kam 2:04 Minuten hinter Teteriuk in Ziel, gerade mal dreizehn Sekunden zu spät für den Gesamtsieg!

12.06.97 - Aufregung bei der Dauphine Libere: Bei der Dauphine Libere ging es rund. Nach dem Ende der 3.Etappe von Le Puy-en-Velay nach Beaumes-de-Venise hatte Frederic Moncassin (GAN) den Telekom-Fahrer Rolf Aldag auf den Helm geschlagen und später noch einen Kopfstoß versetzt. Die Jury wertete dies als tätlichen Angriff und disqualifizierte Moncassin von der Rundfahrt.

Aldag hatte den Spurt des geschlossenen Hauptfeldes für Teamkollege Giovanni Lombardi angefahren. Moncassin wollte sich zwischen die beiden Telekom-Profis drängen. Im Zielauslauf kam es dann zu handgreiflichen Auseinandersetzungen. Moncassin drehte durch. Obwohl der Franzose von Prudencio Indurain und Ex-Weltmeister Abraham Olano festgehalten wurde, riß er sich los, stürzte auf Aldag zu und rammte ihm den Kopf voll ins Gesicht. Der blutüberströmte Aldag wurde von Kollegen gestützt, sofort in den medizinischen Bereich gebracht.

Die Folge des Skandals: Der deutsche Rad-Star erlitt einen Nasenbeinbruch. Nach Untersuchungen in der Klinik war dann die Operation unumgänglich. Telekom-Teamchef Walter Godefroot: "Rolf muß die Nase gerichtet werden, sonst wächst sie schief an." Noch ist nicht klar, ob Aldag ohne Probleme die Tour de Suisse (ab 17. Juni) bestreiten kann. Sie dient Telekom als Generalprobe zur Tour de France (ab 5. Juli). [dpa/Reuter/EXPRESS]

12.06.97 - Marco Pantani, der so unglücklich beim Giro gestürzt war (s.u.: News vom 25.05.97), ist wieder da. Pantani: "Mein erstes richtiges Training habe ich am Sonntag absolviert, 4 Stunden in den Bergen bei mir zu Hause [in Cesenatico]. Meine Beinverletzung ist ok, kaum noch Schmerzen. Meine Moral ist noch etwas im Keller, aber das ist wohl verständlich. Ich werde die ganze Woche trainieren, dann die Tour de Suisse fahren und danach die Tour de France, --vorausgesetzt es kommt nichts dazwischen" [Gazzetta dello Sport]

12.06.97 - Kurt Stöpel † - Das Berliner Rad-Idol Kurt Stöpel ist am 08. Juni im Alter von 89 Jahren gestorben. Stöpel war in den dreißiger Jahren der beste deutsche Fahrer. So gewann er 1932 die zweite Etappe der Tour de France und belegte am Schluß hinter dem Franzosen Leducq den zweiten Platz der Gesamtwertung.

12.06.97 - In der neuesten Ausgabe der UCI-Weltrangliste führt weiterhin Laurent Jalabert vor Alex Zülle. Einen Riesensprung machte Giro-Gewinner Ivan Gotti: der Italiener vom Saeco-Team kletterte vom 90. auf den 27. Rang. Die besten Deutschen sind Erik Zabel (19.), Jan Ullrich (24.) und Udo Bölts (28.).

12.06.97 - Die 51. Friedensfahrt 1998 wird in Erfurt enden. Das vereinbarte Gustav-Adolf Schur, Präsident des Vereins Internationale Friedensfahrt, mit den Oberbürgermeistern von Weimar und Erfurt. Das abschließende Zeitfahren führt im nächsten Jahr von Weimar in die thüringische Landeshauptstadt. [sid]

08.06.97 - Ivan l'Italiano Am Sonntag ist der Giro d'Italia in Mailand ankommen und mit Ivan Gotti hat endlich wieder ein Italiener das Maglia Rosa errungen, --der letzte italienische Giro-gewinner war 1991 Franco Chiocciolli. Dabei hatten zu Beginn viele nicht wirklich mit Gotti gerechnet. Wir hatten ihn an dieser Stelle vor drei Wochen als Favorit genannt (s.u. News 17.05.97), die Giro-Verantwortlichen dachten aber wohl anders und hatten Ivan Gotti nicht zur Pressekonferenz mit den Favoriten vor dem Girostart eingeladen.

"Niemand nahm mich ernst," so Gotti am Ziel der 14. Etappe, als er das Maglia Rosa überstreifen konnte. "Als Pantani draußen war, haben alle gedacht, der Giro wäre für Italien beendet, aber ich habe das Gegenteil bewiesen." Gotti, der zusammen mit Teamkollege Mario Cipollini die Saeco-Equipe zum erfolgreichsten Team des Giro 97 machte, hatte allerdings auch das Glück auf seiner Seite. Hauptkonkurrent und Vorjahressieger Pavel Tonkov (Mapei) sah anfangs schon wie der sichere Sieger aus, nach seinen beeindruckenden Siegen bei der 3. und 5. Etappe, doch bei der 14. Etappe übernahm Gotti mit seinem Sieg das rosa Trikot. Beim vorentscheidenden Zeitfahren am Mittwoch verließ Tonkov dann vollends das Glück: zuerst wurde zwei Minuten vor seinem Start seine Zeitfahrmaschine wegen eines verbotenes "Spoilers" am Rahmen nicht zum Rennen zugelassen und er mußte ein anderes Rad nehmen, dann wäre er auch noch um ein Haar gestürzt. So konnte Tonkov Gotti nur 14 Sekunden abnehmen- zuwenig fürs rosa Trikot. Ein Sturz von Tonkov bei der 19. Etappe brachte dann die Vorentscheidung: Gotti, einer der fairsten Sportler im gesamten Rennzirkus, attackierte nicht, als er vom Sturz Tonkovs hörte, aber er blieb dran, als Giuseppe Guerini angriff. Gotti nahm Tonkov so noch einmal 55 Sekunden ab.

Schließlich, bei der schweren 21. Etappe belauerten sich die beiden so lange, bis dann Gotti irgendwann begann anzugreifen. Drei Mal versuchte er wegzukommen, aber Tonkov ließ sich nicht abschütteln. "Ich dachte daran, noch einmal anzugreifen", so Gotti, "aber irgendwas hielt mich davon ab. Vielleicht weil [Tonkov und ich] Freunde sind." Diese Etappe führte über den Montirolo, der Berg, der beim Giro ähnlichen Kultstatus hat wie Alp d'Huez oder Tourmalet bei der Tour. Und entsprechend groß waren die Fanmassen am Straßenrand, die natürlich aus dem Häuschen waren, -ein Italiener in rosa! Gotti:"Ich hatte Angst. Soviele Leute haben mich angefaßt." Und Tonkov sah es ähnlich: "Es war eine gefährliche Situation. Die Giroorganisatoren sollten für mehr Schutz sorgen." Die Etappe, die Gianni Bugno lange Zeit in Alleinfahrt angeführt hatte, gewann schließlich Tonkov vor Gotti und Belli. Schlagzeile in Italien: A Tonkov la tappa, a Gotti il giro!

Die letzte Giroetappe in Mailand gewann Mario Cippollini, der einen super Giro fuhr: 5 Etappensiege und- er ist nicht in den Bergen vom Rad gestiegen! Damit kommt Super-Mario nun auf die beeindruckende Zahl von insgesamt 21 Giro-Etappensiegen. Cipollini, der Mitte der Woche auch noch Vater wurde: "Wir haben mehr geleistet, als vorhergesagt wurde. Dies ist einer der schönsten Momente in meinem Leben."

In Mailand sind in diesem Jahr von 180 gestarteten Fahrern nur 110 angekommen. 70 sind ausgestiegen, darunter so bekannte Namen wie Leblanc, Ugrumov, Zaina und natürlich der unglückliche Marco Pantani (s.u.).

07.06.97 - MG-Technogym unter Anabolika-Verdacht: Eine überraschende Untersuchung der italienischen Polizei in dem Hotel, in dem die MG-Technogym-Equipe vor der 19. Etappe untergebracht war, hat beim Giro für Aufsehen gesorgt. 26 Beamte hatten am Donnerstag morgen im Hotel Bagni Miramonti in Carano elf Zimmer der Mannschaft kontrolliert. Dabei soll Anabolika gefunden worden sein. Angeblich sind unter anderen die Zimmer von Directeur Sportif Giancarlo Ferretti sowie der Profis Fabiano Fontanelli , der die 16. Etappe des Giro gewonnen hatte, Michele Coppolillo, Nicola Loda und Roberto Pistore in Augenschein genommen worden.

Die Aktion hatte der Staatsanwalt von Trani, Domenico Seccia, veranlaßt. Zuvor waren drei Anabolikahändler, die insgesamt 260 Ampullen bei sich geführt haben sollen, festgenommen worden. Dabei haben die Behörden angeblich Hinweise auf MG-Technogym erhalten. Laut einem Polizei-Vertreter soll eine Person, "die Ferretti sehr nahesteht", bei einem der jetzt Verhafteten in einem Fitneßcenter nach Wachstumshormonen gefragt haben. Nach Zeitungsberichten soll Ferretti eingerämt haben, daß das Interesse der Polizei einem bestimmten Rennfahrer gegolten habe. Einen Namen nannte der Teamchef nicht. Er wurde unterdessen mit den Worten zitiert, daß die Fahnder Koffer geöffnet und auch unter den Matratzen geschaut hätten. Überdies sei sein Telefonbuch beschlagnahmt worden. Niemals in seiner Karriere habe er einen solchen Affront erlebt, klagte Ferretti. Er sei wie ein kleiner Schwarzhändler behandelt worden. [rse/FAZ]

06.06.97 - Die Vorbereitung der Telekom-Profis auf die in vier Wochen beginnende Tour de France geht in die letzte Phase. Erik Zabel wird die Luxemburg-Rundfahrt fahren, während Bjarne Riis und Jan Ullrich nach ihrer Teilnahme an der Midi Libre aktive Erholung betreiben. Ullrich hatte ursprünglich auch geplant, in Luxemburg zu starten, wird jedoch nun stattdessen im Schwarzwald Trainingskilometer abspulen.

06.06.97 - Die Bluttests im Profi-Radsport zeigen Wirkung. Giovanni Tredici, Rennarzt beim Giro d'Italia, sagte am Rande der Rundfahrt: "Ich bin sicher, daß die Bluttests dazu geführt haben, daß im Radsport weniger EPO verwendet wird. Wir haben das Dopingproblem noch nicht besiegt, aber die Gefahr scheint reduziert." [SID]. Mehr zu EPO im News-Archiv.

25.05.97 - Die erste Woche des Giro d' Italia wurde am Ende überschattet vom unglaublichen Pech des Marco Pantani. Eine kleine weiße Katze beendete alle Giro-Hoffnungen des gerade erst Genesenen. 30 km vor dem Ziel der 8. Etappe verursachte eine über die Straße laufende Katze einen Sturz, in den außer Pantani noch sieben weitere Fahrer verwickelt waren, u.a. auch Roberto Petito, Armin Meier und Hernan Buenahora. (Ein Video des Unfalls zum Download gibt es auf der RAI-Website) Pantani kam 26 Minuten nach Etappensieger Mario Manzoni ins Ziel und verlor in der Gesamtwertung über 13 Minuten auf Tonkov, aber es sah zunächst so aus, als könne er weitermachen. Am Sonntag dann aber die schlechte Nachricht: Il Giro senza Pantani.

Pantani wird voraussichtlich 10 Tage pausieren müssen. Mercatone-Manager Davide Cassani gegenüber REUTERS: "Er ist sehr, sehr traurig. Er begann gerade wieder richtig gut zu fahren. Er hat zwar nicht geglaubt den Giro gewinnen zu können, aber er fühlte sich richtig gut. Und jetzt das." Pantani's Krankengeschichte liest sich wie die eines Rodeo-Cowboys: in den letzten 10 Jahren hat er sich Schlüsselbein, Handgelenk, einen Arm, ein Bein sowie mehrere Rippen gebrochen. Hinzu kamen zwei Gehirnerschütterungen und eine verrenkte Schulter. "Warum muß immer mir so etwas passieren?", so Marco Pantani. Und sein Vater Ferdinando Pantani: "Kein Jahr vergeht ohne daß ihm irgendwas passiert. Was ist das? Pech, Schicksal?"


21.05.97 - Rund um Köln: Absage von Johan Museeuw. Der Grund: Die Frau des Weltmeisters erwartet zum Wochenende ihr erstes Kind. Und bei der Geburt möchte Museeuw an ihrer Seite sein. Cheforganisator Artur Tabat: "Zum Teil habe ich Verständnis. Ich möchte Johan trotz des Vertrages aber nicht zwingen. Denn dann hätte ich garantiert ein ärztliches Attest auf dem Tisch liegen. und wäre im nächsten Jahr der Buhmann für das Mapei-Team."

So sind die Telekom-Asse wie Zabel, Friedensfahrt-Sieger Steffen Wesemann, der immer noch um den Start bei der Tour de France kämpft, Rolf Aldag, Christian Henn oder Giovanni Lombardi die großen Favoriten. Wesemann: "Die Taktik wird noch besprochen, aber ich schätze, daß wir alle für Erik fahren werden." Das Team Telekom will bei Rund um Köln die Sprint-Ankunft für die am 5. Juli in Rouen beginnende Tour de France unter Rennbedingungen testen. Weitere Topfahrer sind noch der Kölner Andy Kappes, der Holländer Erik Dekker (Sieger 1994) und der belgische Sprinterstar Tom Steels, der im Vorjahr nur knapp von Zabel bezwungen wurde.

Doch nicht nur die Absage von Museeuw ärgert Cheforganisator Tabat, es sind auch die Kosten für Ampelabschaltungen. So fordert die Stadt Bergisch Gladbach, für die das Rennen eine Attraktion darstellt, für acht Ampeln 3800 Mark! Tabat: "Unverschämt! Da hat mir doch der zuständige Mitarbeiter angeboten, es selbst auch für 1500 Mark zu machen. Aber auch das Geld zahle ich nicht." [Wolfgang Kleine/EXPRESS]


18.05.97 - Beim Giroauftakt schlug Super-Mario Cipollini gleich zwei Mal zu: der Sprinter aus der Toscana gewann die erste und zweite Etappe und Cipollini, der es gern hört, wenn man ihn Re Leone (König der Löwen) nennt, kündigte vor den erstaunten Journalisten an, er wolle sich nun einen Puma zulegen. Das passe gut zu ihm und er habe sowieso schon einen halben Zoo zuhause. Cipollinis Papagei kann übrigens besonders gut ''Laurent, Laurent'' krächzen..... ''Ich hätte auch gern einen Vogel Strauß'', fügte er hinzu. ''Der könnte als Wachhund gut sein. Mit dem langen Hals könnte er sogar über die Gartenmauer schauen." [Reuters]

Steffen Wesemann gewann nach 1992 und 1996 nun zum dritten Mal die Friedensfahrt. Wie schon im Vorjahr dominierte er die Rundfahrt vom Start weg.

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