
Fall Abduschaparow: UCI-Präsident wehrt sich gegen Verdacht der Verharmlosung11.09.97 - Nachdem das IOC vergangene Woche angekündigt hatte, den Doping-Fall Abduschaparow nochmals aufzurollen (s. News 03.09.97) und dabei auch die UCI heftig kritisiert worden war (IOC-Vizepräsident Prinz Alexandre de Merode war laut L'Equipe "schockiert über die Laschheit der UCI"), wehrt sich nun UCI-Präsident Hein Verbruggen gegen die Vorwürfe.
"Ich habe diese Pauschalurteile über unseren Sport satt", wird Verbruggen am Donnerstag in der FAZ zitiert. Der UCI-Präsident ging nun im Fall Abdu in die Offensive und es werden weitere Einzelheiten des dubiosen Falls publik. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt am Donnerstag:
Der UCI-Präsident hat die letzten biologischen Etappen des Serientäters exakt protokolliert: "Um zu beweisen, daß wir diesen Fall keineswegs so gleichgültig behandelt haben, wie man uns vorwirft." Immer wieder geht es um Bromatan, dem die Sportmediziner eine maskierende und eine aufputschende Wirkung zuschreiben. Mit dieser Substanz ist Abduschaparow im April zweimal ertappt worden. Die Analyse-Ergebnisse aus den Labors in Paris und Gent waren nach den UCI-Regeln aber noch keine Dopingfälle. Das IOC hatte Bromatan zwar schon zum 1. Februar auf die Verbotsliste gesetzt, der Radsport-Weltverband aber erst mit Wirkung vom 1. Mai. Doch Abduschaparow blieb seinem "Hausmittel" treu, er fiel noch einmal im Mai und zweimal im Juni mit Bromatan auf. Diesmal stellte die Anti-Doping-Kommission (der UCI) regelrechte Doping-Vergehen fest. Am 2. Juli ging ein ein Brief an den usbekischen Sportverband heraus mit der Aufforderung, die entsprechenden Sanktionen zu ergreifen (...)
(Am 8. Juli) erfuhr auch Abduschaparow offiziell von der UCI, daß man seinen Landesverband und sein belgisches Team Lotto von den positiven Test vor der Tour informiert habe. Just an diesem Tag fiel der Usbeke dann gleichzeitig mit Bromatan sowie dem Kälbermast- und Katrin-Krabbe-Mittel Clenbuterol auf. Am 11. Juli, nach dem positiven Resultat der B-Probe, schloß ihn die UCI von der Tour aus (s. News 11. und 12.07.97).
(...) Der Weltverband, der solche Vergehen im ersten Fall mit sechs bis zwölf Monaten, beim zweiten Verstoß mit 12- 24 Monaten und beim dritten Fehltritt mit lebenslänglichen Ausschluß bestraft, hat Abduschaparows Suspendierung am 5. August bestätigt. Der erste Auschluß galt nur für die Zeit der Tour - eine Disqualifikation mit Risiko. Denn wenn der Abschluß des ordentlichen Verbandsverfahren, eine Klage vor dem Internationalen Sportgerichtshof in Lausanne oder vor einem ordentlichen Gericht zum Unschuldbeweis führen sollte, dann könnte Abduschaparow den Weltverband mit hohen Schadenersatzforderungen behelligen. (...) (Verbruggen:) "Wir haben gute Rechtsanwälte und waren zu 99,9 Prozent von Abduschaparows Schuld überzeugt."
[FAZ]
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