09.02.99 - Man muß
aus allem irgendwie das Beste machen, sagt sich der Schweizer Banesto-Profi Alex Zülle.
Und da der 30-jährige noch gesperrt ist bis Mai, dennoch aber für die
Tour de France im Sommer voll fit sein will, ließ er sich etwas
Besonderes einfallen: "Das beste Training sind Rennen", so Zülle gegenüber
der spanischen Sportzeitung AS. "Aber da ich nicht Rennen fahren darf, muß
ich die Rennen eben simulieren..."
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Alex Zülle ist zur Zeit wie seine Banesto-Teamkollegen auf Mallorca, wo
er natürlich im Mannschaftshotel wohnt, aber nach dem gemeinsamen Frühstück
trennen sich die Wege von Zülle und seinen Kollegen, wenn diese zum Rennen
fahren. "Hier in Mallorca ist es noch ganz schön, weil es immer noch ein paar
Kollegen gibt, die nicht starten und mit denen ich dann trainieren kann",
so Zülle. "Aber da meine Vorbereitung doch etwas anders
ist, bin ich am Schluß doch allein mit Luftpumpe und meinem Essen."
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Charakter-Frage
"Jeder hat seinen eigenen Charakter"
--Alex Zülle über das Leugnen
aller Doping-Vorwürfe durch seinen ehemaligen Festina-Teamkollegen Richard Virenque.
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Allerdings ist es für den Schweizer auch nicht allzu ungewohnt, allein zu trainieren:
"Zuhause in der Schweiz fahre ich zusammen mit Rolf Järmann oder Philip Buschor,
die bei mir in der Nähe wohnen, aber die sind auch nicht immer da und meistens
trainiere ich allein."
Im Moment ist es für den Schweizer mit holländischer Mutter noch kein Problem,
vom Rennen und dem damit verbundenen Adrenalin-Stoß ausgeschlossen zu sein,
aber: "Ich weiß, daß ich bald das große Verlangen nach Rennen
bekommen werde, deshalb muß ich für meinen Kopf die Rennen simulieren.
Das und Trainingsdisziplin sind die Geheimnisse, um über die kritischen Momente
hinwegzukommen."
Das "Simulieren von Rennen" meint Zülle dabei ziemlich wörtlich:
Bei der Murcia-Rundfahrt (3.-7. März/Kat. 2.3) und der Aragon-Rundfahrt (14.-18. April/Kat 2.2)
wird der Banesto-Profi als einsames "Vorauskommando" vor dem restlichen Peloton
sein ganz eigenes Rennen fahren...!
Zülle: "Ich werde da keine Teamkollegen haben, mit denen ich fahren kann, also
fahre ich ein, zwei Stunden, bevor die Etappe beginnt auf der gleichen Strecke.
Ich mache dasselbe, wie wenn ich ein Rennen fahren würde, allerdings ohne
ein Rennen tatsächlich zu fahren. Ich stehe zur gleichen Zeit auf wie die
Teamkollegen, frühstücke mit der Mannschaft, bin bei den Mechanikern,
bekomme meine Massagen."
Und so macht Alex Zülle eben das Beste aus seiner Situation, schaut nach vorn,
statt herumzujammern. Und vielleicht hat er am Ende sogar einen Vorteil. "Wenn ich bis Mai
keine Rennen fahre, komme ich zur Tour de France im Juli viel frischer
als meine Rivalen", so Zülle.