13.04.99 -
Die Dopingsperre des ehemaligen Festina-Profis Alex Zülle läuft in 17 Tagen ab.
Beim GP Gippingen (Kat.1.1) am 2. Mai werden die Radsport-Fans den Schweizer, der
in diesem Jahr im Banesto-Trikot unterwegs sein wird, erstmals seit
über einem halben Jahr wieder im Renngeschehen sehen können.
Anfang dieser Woche fuhr Zülle nach Spanien, um dort mit seinen Teamkollegen
zu trainieren. "Ich habe ein enormes Verlangen, wieder Rennen zu fahren", so der 30-jährige vor seinem Comeback.
Am Sonntag fuhr Alex Zülle nach Spanien, wo er in dieser Woche seine Banesto-Teamkollegen
zur Aragon-Rundfahrt begleitet, freilich ohne selbst starten zu dürfen. Die Sperre, die
gegen ihn im Rahmen der Festina-Affäre ausgesprochen worden war, läuft ja erst am 1. Mai ab.
Zülle wird stattdessen viel trainieren und davor und danach bei seiner Mannschaft sein,
die mit Jimenez und Garmendia an der Spitze gute Siegchancen bei der Vuelta a Aragon hat.
Zülles Vorbereitung war nach seinen eigenen Worten bisher sehr ordentlich. 8.000 Trainingskilometer
hat der Mann "mit dem Gesicht wie eine Rose" (L'Equipe) seit Januar in den Beinen. Mit
70 Kilogramm hat der zweimalige Vuelta-Sieger fast sein optimales "Kampfgewicht". Zülle
hat sich nicht auf die faule Haut gelegt während seiner Sperre.
Dennoch bzw. gerade deshalb ist der Banesto-Neuzugang heiß auf die Rückkehr ins
Renngeschehen: "Ich habe gut trainiert, aber ich brauche den Wettkampf", so Zülle. "Nur im
Rennen werde ich sehen, wo ich wirklich stehe."
Den bisherigen Saisonverlauf mußte Zülle durch die Medien und per TV verfolgen, doch so
richtig Spaß hatte er daran nicht: "Ich muß gestehen, daß ich nicht sehr viel
verfolgt habe am TV. Ich habe per Videotext ein bißchen die Resultate verfolgt, mehr
nicht. Es ist schwer für mich, Rennen anzuschauen, ich beneide die Fahrerkollegen so sehr darum,
daß sie fahren können."
Auch ohne viel Fernsehen hat Zülle, der sich viel vorgenommen hat bei der Tour de France im Juli,
klare Vorstellungen, was seine voraussichtlichen Tour-Rivalen angeht: "Ullrich geht es so an wie
immer in den letzten Jahren, er wird ganz sicher wieder sehr stark sein. Und Pantani ist
natürlich jetzt schon in ganz exzellenter Form. Pantani spielt gern psychologische Spielchen
mit seinen Rivalen. Das hat er immer getan. Er sagt, er kommt nicht zur Tour. Letztes Jahr wollte
er auch nicht kommen, und man hat ja gesehen, was passiert ist..."
Zu seinem ehemaligen Teamkollegen Richard Virenque (jetzt Polti), der zwar einer Sperre durch sein Leugnen aller
Dopingvorwürfe entging, jetzt aber damit rechnen muß, nicht bei der Tour starten zu dürfen,
weil inzwischen strafrechtlich gegen ihn ermittelt wird, sagt Zülle:
"Ich versuche nicht darüber nachzudenken, aber es schmerzt schon, daß alles so kompliziert ist.
Virenque hatte den Traum, bei der Tour wieder ganz vorn mitzufahren, jetzt muß er vielleicht zuhause
bleiben. Es ist nicht gerecht. Wir wollen doch nur Rennen fahren und die Vergangenheit vergessen."