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Tour de France |
Interview mit Erik Zabel "Mailand-San Remo ist auch nur ein Strassenrennen"
RADSPORT-NEWS.COM: Herr Zabel, wie gehts?
Zabel: Sehr gut.
RADSPORT-NEWS.COM: Wie lief es bei der Etappe bei 'Tirreno' heute?
Zabel: Ich wurde 14. Es war heute keine besonders schwere Etappe. Im
Sprint war auf der Zielgeraden ein ziemlicher Gegenwind. 14. ist nicht
besonders, ist aber ok.
RADSPORT-NEWS.COM: Gestern wurden Sie Zweiter hinter Weltmeister Oscar
Freire. Was denken Sie über Freire? Er ist sehr stark, oder?
Zabel: Auf alle Fälle. Er bestätigt das, was er bei der WM im Oktober gezeigt hat.
Er ist unheimlich schnell.
RADSPORT-NEWS.COM: Bestätigt? Ihr Teamkollege Jan Ullrich sprach
ja nach der WM davon, Freire habe viel Glück gehabt.
RADSPORT-NEWS.COM: Sehen Sie Freire als Favorit bei Milan-San Remo?
Zabel: Er ist einer der Favoriten, ja. Aber er ist noch sehr jung und
das Rennen ist 300km lang. Ich bin mal gespannt, was er zeigt. Es gibt
auch eine Reihe von anderen Fahrern, die in der Lage sind, in San Remo ganz vorn zu landen.
Jalabert zum Beispiel. Oder (Roberto) Petito von Fassa Bortolo. Auch Museeuw
ist derzeit sehr gut. Man muss mal Tirreno abwarten und auch
RADSPORT-NEWS.COM: Einer der Favoriten sind auch Sie.
Zabel: Ja, ich kann schon vorne dabei sein. Die Saison ist noch nicht alt
und ich habe ja schon einige Resultate gehabt. Ich habe eine gute Kondition
und es ist nicht so, dass ich sagen müsste: Du brauchst noch ein Wunder
in einer Woche...
RADSPORT-NEWS.COM: Sie sind weiter als im Vorjahr zur selben Zeit.
Kann man das so sagen?
Zabel: Naja, ich habe gut trainiert. Die Ergebnisse waren da. Im letzten Jahr
bin ich mit einem Magen-Darm-Infekt aus Australien heimgekommen. Den ganzen
Februar habe ich daran rumgeknabbert. Dieses Jahr bin ich gesund und kann
Tirreno in Ruhe als Formtest nehmen, wobei wir noch mal schauen müssen, ob
ich die ganze Zeit ans Limit gehe, oder ob ich auch mal eine Auszeit nehme.
Aber diese ganzen Vergleiche zum Jahr vorher, die die Journalisten
immer hören wollen sind doch irgendwie verfehlt, finde ich.
Was nutzt es mir, wenn ich besser bin, aber andere haben einen
größeren Sprung gemacht. Jedes Jahr, jedes Rennen
muss man wieder neu beginnen.
RADSPORT-NEWS.COM: Solche Vergleiche sind ja ohnehin auch recht theoretisch.
Aber man kann wohl sagen, dass Sie in aller Ruhe auf den Samstag in einer
Woche schauen können.
Zabel: Ja, das kann man sagen. Ich meine, klar, es ist einer
der fünf Urklassiker (neben Flandern-Rundfahrt, Paris - Roubaix,
Lüttich - Bastogne - Lüttich und Lombardei-Rundfahrt, die Red.)
und man kann es nur einmal im Jahr fahren. Es ist jede Menge Prestige
zu gewinnen. Aber trotz allem: Es ist auch nur ein Strassenrennen...
RADSPORT-NEWS.COM: ...das Sie aber besonders lieben.
Zabel: Mailand-San Remo ist ein sehr faires Rennen. Da können
im Prinzip alle gewinnen. Ein Bergfahrer, ein Rundfahrtspezialist, ein
Sprinter. Man braucht die nötige Kondition, Durchsetzungsvermögen,
bei der Taktik auch ein bißchen Glück.
RADSPORT-NEWS.COM: Dazu braucht man auch eine gute Mannschaft.
Telekom hatte noch nie so viele Fahrer, die sich für Mailand-San Remo
aufdrängen mit guten Leistungen. Von Hundertmarck bis Wesemann, Vinokourov bis
Fagnini und Elli usw.
Zabel: Ja, das sehe ich auch so. In den letzten Jahren war es immer so,
dass wir vier, fünf Leute hatten, die waren gut, den Rest haben wir
aufgefüllt mit Fahrern, wo man dann gehofft hat, sie werden gut fahren.
Dieses Jahr haben wir eine Riesenauswahl. Mit Schaffrath und Aldag
werde ich zwei Superdomestiken haben, Fagnini, Elli und Vinokourov können
auch im Finale noch bei mir sein und Fagnini für mich dann hoffentlich auf
der Zielgeraden noch den Sprint anfahren. Auch Wesemann ist sehr stark zur Zeit.
Die Teamleitung hat da wirklich die Qual der Wahl.
RADSPORT-NEWS.COM: Nehmen Sie da als Kapitän Einfluß und sagen
zu Godefroot: Den oder den hätte ich gerne dabei?
Zabel: Nein, das überlasse ich unserem Teamchef Walter Godefroot.
Der hat soviel Erfahrung, der weiß genau, wer am besten ins Team gehört.
RADSPORT-NEWS.COM: Bei Mailand-San Remo ist taktisch
so ziemlich alles möglich, von der Sprintankunft bis zur erfolgreichen Soloflucht.
Was erwarten Sie am 18. März?
Zabel: Dass eine Reihe von italienischen Teams ganz früh
versuchen werden, eine Attacke zu fahren. Ich kann mir gut vorstellen,
dass gleich nach Mailand eine Gruppe weggeht, nachdem in den letzten drei Jahren
die Entscheidung im Sprint eines mehr oder weniger großen Feldes fiel. Bei diesem Rennen
muß man mit allem rechnen. Man sagt, dass bei Mailand-San Remo
alle zehn Jahre eine frühe Gruppe bis ins Ziel
durchkommt. Bei den Siegen von Bugno (1990) und kurz zuvor von Maechler (1987) sind
zwei Mal hintereinander Ausreißergruppen ins Ziel gekommen.
Ich denke, es werden einige sich sagen, laß es uns doch mal versuchen, eine
270km-Flucht zu fahren.
RADSPORT-NEWS.COM: Wobei Telekom versuchen wird,
einen Fahrer da reinzubringen, wenn eine Gruppe geht.
Zabel: Ja, das wäre nicht verkehrt...
RADSPORT-NEWS.COM: Abschließende Frage:
Sie sind wochenlang von zuhause weg, jeden Tag in einem anderen Hotel. Was machen Sie abends,
um zu entspannen, abzuschalten? Wenn nicht gerade Journalisten noch um halb
Elf abends anrufen wie jetzt...
Zabel: Viel machen kann man im Hotel ja nicht. Bißchen Fernsehen,
was lesen, Zeitschriften blättern. So etwas in der Richtung.
RADSPORT-NEWS.COM: Erik Zabel, vielen
Dank für das Gespräch. Alles Gute und viel Erfolg
in San Remo.
Die Fragen stellte Kersten Volk
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