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Interview mit dem San Remo-Sieger
Zabel: "Der Weltcup interessiert mich noch nicht"
Zabel sieht sich nicht "als zweiten Jalabert" - "Schuster bleib bei Deinen Leisten"

19.03.00 - Die Gazzetta dello Sport titelte am Sonntag "San Remo wieder deutsch", nannte Erik Zabel den "Signore San Remo" und bekam sich gar nicht mehr ein: "Zabel ist zwar in Ost- Berlin geboren, wird aber immer mehr zum Italiener." Herr Zabel, wie sind die Erfolge von 1997, 1998 und in diesem Jahr zu vergleichen?

Für die italienische Presse sind Sie nach drei Siegen in vier Jahren «Signore San Remo». Sind die Erfolge von 1997, 1998 und in diesem Jahr zu vergleichen?

Zabel «1997 waren die größten Emotionen. Ich hatte an der Seite eines starken Jan Ullrich gewonnen. 1998 war ich im Finale ganz alleine wie im Vorjahr, als ich Zweiter war. Diesmal war es ein Sieg der Taktik, mit einer Super-Mannschaft im Rücken. Das hat vielleicht den meisten Spaß gemacht.»

Sie gehen als Spitzenreiter des Wettbewerbs am 2. April bei der Flandern-Rundfahrt ins nächste Weltcup-Rennen. Hat diese Wertung für Sie größere Bedeutung als in den Vorjahren?

Zabel «Der Weltcup interessiert mich noch nicht. Dazu ist es noch zu früh, zumal ich mit der Tour de France und den Olympischen Spielen nach Mailand-San Remo noch zwei große Jahreshöhepunkte habe. Aber im vergangenen Jahr konnte ich auch in den belgischen Klassikern jedes Mal punkten - es lief immer besser, obwohl die Rennen dort eigentlich nicht mein Ding sind.»

Wie geht es weiter bis zur Flandern-Rundfahrt?

Zabel «Montag Katalanische Woche in Spanien, dann acht Tage zu Hause nur Training. Zum ersten Mal verzichte ich auf die belgischen Vorbereitungsrennen in Panne und Harelbeke. Ich glaube, das tut mir gut - wir werden sehen.»

Viele stufen Sie bereits höher ein als die deutschen Klassiker-Jäger vergangener Zeiten, Rudi Altig und Dietrich Thurau - wie stehen Sie dazu?

Zabel «Mich interessiert nicht, wer besser ist. Das waren große Champions zu ihrer Zeit. Ich fahre in meiner Zeit an der Seite des augenblicklich wahrscheinlich besten Fahrers der Welt, Jan Ullrich. Ich bin dankbar dafür, dass ich als Radsportler große Momente erleben darf.»


Erik Zabel
Geb. 7.Juli 1970 in Berlin
1,76 m, 69 kg
Verheiratet mit Cordula, VAter eines Sohnes (Rik)
Wohnort: Unna

Profi seit 1993
Teams: Telekom (seit 93)

Größte Erfolge: Milan-San Remo 1997, 1998 und 2000, Paris-Tours 1994, Deutscher Meister 1998, Berner Rundfahrt 1993, Rund um K&oum;ln 1996, Trofeo Luis-Puig 1997 u. 2000, Schelde-Preis 1997, Rund um Berlin 1997, Henninger Turm 1999, Etappen von Tirreno-Adriatico (7), Tour de Suisse (3), Quatre Jours de Dunkerque (3), Katalanische Woche (3), Tour de l'Avenir (4). Tour de France: Siebenfacher Etappensieger: 2/1995 (Charleroi, Bordeaux), 2/1996 (Nogent/Oise, Gap), 3/1997 (Plumelec, Bordeaux, Pau). Gewinner des Grünen Trikots (Punktewertung) 1996, 1997, 1998, 1999

Die Telekom-Neuerwerbung Gian-Matteo Fagnini aus Italien hatte großen Anteil an ihrem dritten Sieg bei Mailand-San Remo. Wie kam der Transfer des vormals treuesten Helfers Mario Cipollinis am Ende des vergangenen Jahres zu Stande?

Zabel «Gian-Matteo sprach mich im Vorjahr bei der Valencia- Rundfahrt an. Ich hatte ihn im Spurt geschlagen. Ich war Erster, er Zweiter, Cipollini kam eine Minute später. Er hat bei mir natürlich offene Türen eingerannt. Unser Teamchef Godefroot war sofort einverstanden. Ich vertraue Gian-Matteo im Endspurt blind. Wenn er auf die linke Straßenseite wechselt, fahre ich hinterher, ohne nachzudenken.»

Sie wirken im Spurt wieder explosiver, haben Sie in der Vorbereitung etwas geändert?

Zabel «Vor der Saison 1999 war ich in Kalifornien und bin viel Berge gefahren. Das habe ich dieses Jahr weggelassen. Viele wollten mich zu einem zweiten Jalabert machen, aber ich habe gemerkt Schuster bleib bei Deinen Leisten. Ich bin zwar kein purer Sprinter und in den Bergen ganz gut. Aber um dort noch besser zu werden, würde ich andere Tugenden verlieren. Die werden gebraucht, Godefroot baut noch auf mich.»

Sie haben im eigenen Team mit Danilo Hondo und Steffen Wesemann starke Sprint-Konkurrenz bekommen. Beflügelt Sie das?

Zabel «Konkurrenz ist für die Jungen gut, das zeigen Klöden und Hondo, und für uns Alte wie mich.»

Das Interview führte Andreas Zellmer, dpa

18.03.00 Milan-San Remo: Erik Zabel schreibt Radsport-Geschichte
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91. Mailand-San Remo: Übersicht



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