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Tour de France |
Interview mit dem San Remo-Sieger Zabel: "Der Weltcup interessiert mich noch nicht" Zabel sieht sich nicht "als zweiten Jalabert" - "Schuster bleib bei Deinen Leisten"
Für die italienische Presse sind Sie nach drei Siegen in vier
Jahren «Signore San Remo». Sind die Erfolge von 1997, 1998 und in
diesem Jahr zu vergleichen?
Zabel «1997 waren die größten Emotionen. Ich hatte an der Seite
eines starken Jan Ullrich gewonnen. 1998 war ich im Finale ganz
alleine wie im Vorjahr, als ich Zweiter war. Diesmal war es ein Sieg
der Taktik, mit einer Super-Mannschaft im Rücken. Das hat vielleicht
den meisten Spaß gemacht.»
Zabel «Der Weltcup interessiert mich noch nicht. Dazu ist es noch
zu früh, zumal ich mit der Tour de France und den Olympischen Spielen
nach Mailand-San Remo noch zwei große Jahreshöhepunkte habe. Aber im
vergangenen Jahr konnte ich auch in den belgischen Klassikern jedes
Mal punkten - es lief immer besser, obwohl die Rennen dort eigentlich
nicht mein Ding sind.»
Wie geht es weiter bis zur Flandern-Rundfahrt?
Zabel «Montag Katalanische Woche in Spanien, dann acht Tage zu
Hause nur Training. Zum ersten Mal verzichte ich auf die belgischen
Vorbereitungsrennen in Panne und Harelbeke. Ich glaube, das tut mir
gut - wir werden sehen.»
Viele stufen Sie bereits höher ein als die deutschen
Klassiker-Jäger vergangener Zeiten, Rudi Altig und Dietrich Thurau -
wie stehen Sie dazu?
Zabel «Mich interessiert nicht, wer besser ist. Das waren große
Champions zu ihrer Zeit. Ich fahre in meiner Zeit an der Seite des
augenblicklich wahrscheinlich besten Fahrers der Welt, Jan Ullrich.
Ich bin dankbar dafür, dass ich als Radsportler große Momente erleben
darf.»
Größte Erfolge:
Milan-San Remo 1997, 1998 und 2000,
Paris-Tours 1994, Deutscher Meister 1998,
Berner Rundfahrt 1993, Rund um K&oum;ln 1996, Trofeo Luis-Puig 1997 u. 2000,
Schelde-Preis 1997, Rund um Berlin 1997, Henninger Turm 1999,
Etappen von Tirreno-Adriatico (7), Tour de Suisse (3), Quatre Jours de
Dunkerque (3), Katalanische Woche (3), Tour de l'Avenir (4).
Tour de France:
Siebenfacher Etappensieger: 2/1995 (Charleroi, Bordeaux), 2/1996
(Nogent/Oise, Gap), 3/1997 (Plumelec, Bordeaux, Pau).
Gewinner des Grünen Trikots (Punktewertung) 1996, 1997, 1998, 1999
Die Telekom-Neuerwerbung Gian-Matteo Fagnini aus Italien
hatte großen Anteil an ihrem dritten Sieg bei Mailand-San Remo. Wie
kam der Transfer des vormals treuesten Helfers Mario Cipollinis am
Ende des vergangenen Jahres zu Stande?
Zabel «Gian-Matteo sprach mich im Vorjahr bei der Valencia-
Rundfahrt an. Ich hatte ihn im Spurt geschlagen. Ich war Erster, er
Zweiter, Cipollini kam eine Minute später. Er hat bei mir natürlich
offene Türen eingerannt. Unser Teamchef Godefroot war sofort
einverstanden. Ich vertraue Gian-Matteo im Endspurt blind. Wenn er
auf die linke Straßenseite wechselt, fahre ich hinterher, ohne
nachzudenken.»
Sie wirken im Spurt wieder explosiver, haben Sie in der
Vorbereitung etwas geändert?
Zabel «Vor der Saison 1999 war ich in Kalifornien und bin viel
Berge gefahren. Das habe ich dieses Jahr weggelassen. Viele wollten
mich zu einem zweiten Jalabert machen, aber ich habe gemerkt
Schuster bleib bei Deinen Leisten. Ich bin zwar kein purer Sprinter
und in den Bergen ganz gut. Aber um dort noch besser zu werden, würde
ich andere Tugenden verlieren. Die werden gebraucht, Godefroot baut
noch auf mich.»
Sie haben im eigenen Team mit Danilo Hondo und Steffen
Wesemann starke Sprint-Konkurrenz bekommen. Beflügelt Sie das?
Zabel «Konkurrenz ist für die Jungen gut, das zeigen Klöden und
Hondo, und für uns Alte wie mich.»
Das Interview führte Andreas Zellmer, dpa
18.03.00 Milan-San Remo: Erik Zabel schreibt Radsport-Geschichte |