Strassen-WM 99
"Il Kaiser" vor der Krönung seiner Saison
05.10.99 - Jan Ullrich ist nach seinem deutlich herausgefahrenen Sieg bei der Vuelta in
Spanien, wo er insbesondere beim Einzelzeitfahren am vorletzten Tag brillierte,
der ganz große Favorit beim 50,6km langen WM-Zeitfahren der Männer, das am Mittwoch nachmittag
in Treviso ausgetragen wird. Fünf Jahre nach seiner ersten WM-Medaille,
die der Telekom-Profi als Amateur auch in Italien holte, könnte Ullrich
sein erstes Regenbogen-Trikot erobern.
|
Im August 1994 wurde der damals 20 Jahre alte Ullrich bei der WM in Sizilien
in Palermo Dritter beim Elite-Zeitfahren. Seitdem ist der Radstar, der in der Zwischenzeit
die Frankreich- und die Spanien-Rundfahrt gewann, nicht mehr bei
einer Weltmeisterschaft gestartet.
Der 50,6km lange Kurs in Treviso ist wie gemacht für Ullrich.
Etwa zur Mitte (KM 27,3) des Rouleurs- Parcours steht
in Montello, wo 1985 schon einmal eine WM stattfand, ein 4km
|
Der Favorit beim Zeitfahren: Jan Ullrich
|
langer Anstieg
an, der jedoch mit zahlreichen Flachpassagen versetzt ist und kein "Brecher" ist.
Vom Papier her muß Ullrich, der beim Vuelta-Zeitfahren in Avila
dem zweitplazierten Alex Zülle auf 46,5km fast drei Minuten abnahm, als nahezu unschlagbar gelten.
Selbst Jan Ullrich, den die italienische Presse (wieder) "Il Kaiser" nennt
und der normalerweise stets die Favoritenrolle weit von sich weist, egal
wie erdrückend seine Überlegenheit scheint, kommt
nicht umhin zu sagen: "Nach dem Zeitfahren bei der Vuelta ist es normal,
dass ich der Favorit bin. In zehn Tagen verliert man seine Form
nicht."
am Montag nach Venedig reiste. "Es ist für mich allerdings schon etwas anderes, hier quasi aus dem
Kalten heraus zu starten, statt während einer Rundfahrt wie in Spanien.
Die Spezialisten, vor allem Gontchar und Boardman, vielleicht auch Zülle, werden sehr ernstzunehmende
Gegner sein."
Neben Ullrich hat vor allem Sergej Gontchar die besten Aussichten
auf eine vordere Plazierung, zumal der in Venezien lebende Ukrainer
in Treviso praktisch vor der eigenen Haustür fährt.
Beim GP de Nationes im September bewies der 29-jährige
seine Form. Das Giro-Zeitfahren im Juni, das praktisch über
die WM-Strecke führte, gewann Gontchar souverän.
Bei den letzten Weltmeisterschaften war er jeweils der tragische Held.
1997 und 1998 verpasste Gontchar mit einem zweiten bzw. dritten Platz die
Goldmedaille ganz knapp. Im vergangenen Jahr flossen da schon mal Tränen.
Weitere Mitfavoriten sind zwei ehemalige Zeitfahrweltmeister:
Der Brite Chris Boardman (1994) und der Schweizer Alex Zülle (1996)
erklärten übereinstimmend: "Kurs und Distanz liegen mir."
In jedem Fall wird es un Abwesenheit von Titelverteidiger Abraham Olano
wieder einen neuen Weltmeister geben. Seit das WM-Zeitfahren 1994
eingeführt wurde, gab es noch niemals eine Titelverteidigung.
Strassen-WM 1999 - Übersicht
Mehr zu Jan Ullrich
01.10.99 Ullrich mit Hightech-Reifen ins Zeitfahren
01.10.99 Jan Ullrich trainiert für WM-Medaille
27.09.99 Vuelta: Der neue, alte Ullrich ist doch kein "zweiter Berzin"
24.08.99 Ullrich hat den Spaß am Radfahren wiedergefunden
18.08.99 Pevenage: "Ullrich fährt Vuelta, WM und Lombardei-Rundfahrt"
01.08.99 WM bleibt Jan Ullrichs Ziel, aber: "Weltmeister werde ich dieses Jahr wohl kaum"
28.07.99 Ullrich und Heppner mit Comeback am Sonntag
15.07.99 Ullrich fährt die Weltcup-Rennen im August
12.07.99 Ullrich beginnt Vorbereitung auf die Vuelta
20.06.99 Jan Ullrich sagt Tour-Start ab
18.06.99 Bjarne Riis schwer gestürzt - Ullrich macht "leichtes Training"
17.06.99 Ullrichs Tourstart weiter ungewiß
16.06.99 Ullrich steigt aus wegen Knieproblemen - Großes Fragezeichen hinter der Tour