09.10.99 - Der Niederländer Erik Dekker ist am Samstag mittag
nach Hause in die Niederlande gereist, wenige Stunden nachdem er bei
einem der Bluttest der UCI mit einem über dem Limit liegenden Hämatokrit-Wert
aufgefallen war und "rennuntauglich" geschrieben wurde.
"Es ist schwer für uns damit zurechtzukommen, dass
wir nun einen Fahrer weniger haben, zumal es sich um einen unsere Besten handelte",
erklärte Ex-Weltmeister Gerrie Knetemann, der das niederländische
WM-Team leitet.
"Die UCI sieht die Möglichkeit eines Ersatzmannes nicht vor",
so Knetemann. Für Unbehagen sorgte der "Fall Dekker" auch
beim Unternehmen "Rabobank", das neben dem gleichnamigen Rennstall,
für den Dekker fährt, auch die niederländische Nationalmannschaft
sponsort. "Es ist eine sehr schwierige Situation für uns. Wir warten
jetzt erstmal auf eine Erklärung", sagte ein Sprecher des Finanzinstitutes,
der angab, über eine eventuelle Entlassung Dekkers sei
eine Entscheidung noch nicht getroffen worden. Es sei möglich, dass
der Radprofi aus natürlichen biologischen Gründen einen
Hämatokritwert über 50 Prozent habe.
Aus der niederländischen Delegation in Verona verlautete,
dass Erik Dekker am Freitag vor der samstäglichen UCI-Kontrolle
bei einem internen Test durch den Mannschaftsarzt einen
Hämatokritwert unter 50 Prozent gehabt habe.
Erik Dekker war am frühen Samstag morgen ebenso wie
24 andere Rennfahrer aus den Niederlanden, Italien, Frankreich und Belgien
einem unangekündigten Bluttest unterzogen worden, wie sie die
UCI routinemäßig bei allen grossen Wettkämpfen durchführt.
Dekker war dabei der einzige Fahrer mit einem Hämatokritwert,
der über dem als gesundheitlich unbedenklich geltenden Limit
von 50 Prozent lag, dem Vernehmen nach lag Dekker deutlich über
50 Prozent.
Der 29-jährige Dekker war einer der wichtigsten Helfer von
WM-Mitfavorit Michael Boogerd, für den der Ausfall
seines Mannschaftskollegen ein bitterer Verlust darstellt.
Erik Dekker ist der zweite Fahrer, der bei der WM nicht
starten darf wegen eines "positiven" Bluttest. Der Moldawier
Igor Bonciucov war am Mittwoch "rennuntauglich" geschrieben
worden vor dem Einzelzeitfahren der Männer (Elite).
Zwei italienische Nachwuchsfahrer, der Junior Giacomo Garofoli
und der Espoir Simone Lo Vano waren von ihrer Mannschaft nach
internen Bluttests nach Hause geschickt worden.
Die Hämatokrit-Bluttests wurden von der UCI vor drei Jahren eingeführt
im Kampf gegen EPO-Doping, das nicht nachgewiesen werden kann.
Ein hoher Hämatokritwert, d.h. die Rate der sauerstofftragenden roten Blutkörperchen,
kann durch EPO-Doping verursacht sein, aber auch natürliche Ursachen haben.
Nach dem Reglement gilt daher ein "positiver" Bluttest nicht als Dopingfall,
sondern der Fahrer muss 15 Tage aus gesundheitlichen Gründen aussetzen
und darf dann erst wieder nach einem erneuten Test Rennen bestreiten.