Straßen-WM am Sonntag
Kapitän Zabel: "Rennen wie jedes andere"

DIE DEUTSCHE MANNSCHAFT BEIM TRAINING IN HAMILTON Foto: Roth
10.10.03 (rsn/dpa) - Erik Zabel ist
am Sonntag in Hamilton beim Straßen-Rennen
der Profis über 260km der Kapitän des deutschen Teams.
Letztes Jahr in Zolder holte der Sprinter-Star
die Bronzemedaille. Auch diesmal möchte Zabel aufs Podest, geht aber
gelassen ins WM-Rennen.
Ich bin sehr entspannt und sehe mich eher als
Joker, sagte Zabel zwei Tage vor dem Start des 260-km-Rennens. Es ist
eigentlich ein Rennen wie jedes andere. Einen Unterschied gibt es nur,
wenn man es gewinnt, so Zabel, der in Paolo Bettini (Italien), Oscar Freire
(Spanien) und Peter Van Petegem (Belgien) seine größten Kontrahenten
sieht. Zabel gibt für das 12-köpfige deutsche WM-Team die Marschrichtung
vor: Wir werden das Rennen nicht diktieren, sondern reagieren, hofft
Zabel, dass er am Schluss um eine Medaille kämpfen kann. Bis zum
Finale werde ich mich im Feld verstecken.
Zabel beim Training in Hamilton
Foto: Roth
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Sechs Telekom-Fahrer werden ihm auf den 21 Runden, die es zu bewältigen
gilt, zur Seite stehen und ihren Kapitän nach besten Kräften unterstützen.
Rolf Aldag aus Ahlen ist der Routinier unter den sieben Telekom-
Cracks. Andreas Klier kennt Zabel ebenfalls sehr genau und wird ihm, so
lange es geht, nicht von der Seite weichen. Als Tempobolzer werden auch
Torsten Hiekmann und Stephan Schreck eingesetzt. Ihre Aufgabe wird es
außerdem sein, in eventuellen frühen Fluchtgruppen zu stören. Matthias
Kessler, 1999 in Verona schon Dritter im Straßenrennen der U 23, und sein
junger Wiesbadener Mannschaftskollege Christian Werner, der gerade in
der Vuelta mit einer ansprechenden Leistung aufwartete, gelten als gute
Bergfahrer, die auf den anspruchsvollen Kurs in Hamilton gut zurechtkommen
werden und ebenfalls in frühen Fluchtgruppen zu finden sein werden.
Neben den sieben Telekom-Fahrern hat der BDR Bert Grabsch von Phonak
und Patrick Sinkewitz von Quick Step aufgeboten. Beide haben ebenfalls die
Vuelta bestritten; Grabsch imponierte dabei mit sehr guten
Zeitfahrergebnissen. Sinkewitz hat sich mit respektablen Frühjahrs-
Ergebnissen seinen Platz im WM-Team erkämpft.
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Drei Fahrer kommen aus der Schule von Hans-Michael Holzer: Sebastian
Lang, 2001 WM-Zweiter im Zeitfahren der U 23, Fabian Wegmann und
Ronny Scholz tragen das Trikot von Gerolsteiner, wenn sie nicht für den
BDR im Einsatz sind. Alle Drei gehören zum hoffnungsvollen Nachwuchs im
deutschen Lager. Ihnen einen Platz auf dem Podium zuzutrauen, wäre verfrüht,
aber sie werden ihre Kraftreserven ausschöpfen. Die Marschroute ist
schließlich klar: In Hamilton hört alles auf Zabels Kommando, egal, zu welcher
Mannschaft der Fahrer ansonsten gehört.
Straßen-WM 2003
Regenschauer
Laut Wettervorhersage sind
am Sonntag während des Rennens
der Profis Regenschauer zu erwarten.
Die Temperaturen,
die in Hamilton in
den letzten Tagen sommerlich
mild waren,
sollen am Sonntag
auf etwa 18 Grad sinken.
Kurs: 258,3 km. 21 Runden a 12,3 km.
Rundkurs mit zwei Anstiegen
Der letzte Anstieg endet in einer
engen Kurve, die auf die 300 Meter
lange Zielgerade führt.
Start um 9 Uhr Ortszeit (15 Uhr MESZ),
Zielankunft gegen 15:45 Uhr (21:45 Uhr)
Favoriten:
Bettini (ITA), Freire (ESP), Camenzind (SUI), Boogerd (PBS),
Di Luca (ITA), Zabel (ALL), Hincapie (USA), Van Petegem (BEL)
Es fehlen:
Armstrong (USA), Ullrich (ALL), Cipollini (ITA),
Vinokourov (KZK), Bartoli (ITA), Rebellin (ITA), Simoni (ITA), Heras (ESP),
Petacchi (ITA), Mayo (ESP), Hamilton (USA)
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"Die Berge sind
länger, aber nicht so steil wie 2001 in Lissabon", meinte Zabel, der
vor zwei Jahren in Portugal Fünfter wurde.
"Auf solch einem Kurs ist alles möglich. Ich werde sicherlich
keine Experimente wagen, sondern mich so lange wie möglich im Feld
verstecken. Das ist auf diesen breiten Straßen möglich. Wenn ich mit
ankomme, will ich auf jeden Fall was versuchen und vorne dabeisein",
sagte der WM-Dritte des Vorjahres, dem zur Entfaltung seines größten
Talents am Sonntag allerdings nur 250 m bleiben: "Die Zielgerade ist
vielleicht ein bisschen kurz." Nach einer 1,8 km langen Abfahrt vom
St. James Hill folgt eine scharfe Linkskurve - dann die letzten
Meter.
"Die Strecke ist ideal für uns. Wer am letzten Berg vorn ist,
gewinnt", meinte Fabio Sacchi, der Team-Kollege des italienischen
Favoriten Paolo Bettini, der nicht nur den Experten Eddy Merckx als
Fürsprecher ("Bettini wird Weltmeister") hinter sich hat. Auch Zabel
hat den zweifachen Weltcup-Sieger neben dem Doppel-Weltmeister Oscar
Freire (Spanien) auf seiner Liste. Die Italiener, bei denen oft
Eifersüchteleien bei der WM den Teamgeist störten, wollen sich wie im
Vorjahr auf Mario Cipollini diesmal voll auf Bettini konzentrieren.
"Erik ist ein alter, erfahrener Krieger. Man kann ihn 20 Mal
schlagen und dann gewinnt er beim 21. Mal - das hat zuletzt in Tours
Alessandro Petacchi bitter erfahren müssen. Aber für Sonntag bin ich
sehr zuversichtlich", sagte der italienische Teamchef Franco
Ballerini. Der wusste allerdings auch noch nichts von Zabels
zusätzlicher Motivation durch die Heimatpresse...
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