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Straßen-WM 2003
Astarloa: "Das glaub' ich in einem Jahr noch nicht"


Foto: Roth

12.10.03 (rsn) - Der neue Weltmeister der Profis heißt Igor Astarloa. Der Baske gewann am Sonntagnachmittag (Ortszeit) im kanadischen Hamilton das Straßenrennen der Männer über 258,3km. In der 21. und letzten 12,3km-Runde attackierte der diesjährige Fleche Wallone-Sieger aus einer Spitzengruppe heraus und verteidigte einen knappen Vorsprung. Der junge Alejandro Valverde machte als Zweiter einen spanischen Doppelsieg perfekt. Bronze ging an den Belgier Peter Van Petegem. Topfavorit Paolo Betttini aus Italien wurde Vierter.

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  • Van Petegem, der im Frühjahr das Double mit Siegen bei Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubiax holte, war in der Schlussrunde die entscheidende Attacke gefahren. Mit einer brutalen Tempoverschärfung holte der WM-Zweite von 1998 zwei Ausreißer, den Schweizer Martin Elmiger und den Dänen Frank Hoj zurück und es bildete sich sechs Kilometer vor dem Ziel eine sechsköpfige Spitzengruppe mit Van Petegem, Bettini, Astarloa, Oscar Camenzind, Michael Boogerd und Bo Hamburger. Das Sextett kam nicht weit weg vom noch immer erstaunliche 92 Fahrer großen Hauptfeld. Als es schien, als ob das Feld, in dem Erik Zabel seine Hoffnungen auf ein Sprintfinale beinahe schon erfüllt sah, wieder herankommt, attackierte am letzten Anstieg Astarloa.

    Igor Astarloa
    Geb. 29. März 1976 in Ermua (Esp); 1,70m/62 kg

    Profi seit 2000
    Teams: Mercatone Uno (2000 - 2001), Saeco (2002 - 2003)

    Palmares: Weltmeister 2003, Wallonischer Pfeil 2003, GP Primavera 2001; Brixia Tour 2002 (+ 1 Etappe), Etappensieger Valencia-Rundfahrt 2003; Zweiter Cyclassics Hamburg (Weltcup) 2002, Zweiter Clasica San Sebastian 2002, Vierter Platz Weltcup 2002
    "In der letzten Runde habe ich mit Oscar (Freire) gesprochen und er sagte, er fühle sich nicht stark genug, um mit Bettini mitzuhalten. Er sagte zu mir: Kümmere Du Dich um Bettini, ich bleibe hinten für den Fall eines Sprints. Später in der Spitzengruppe haben sich dann alle angeschaut und das Feld kam wieder näher. Da bin ich angetreten", schilderte Astarloa nach dem Rennen die entscheidende Situation.

    Mit einem trockenen Antritt am "Claremont Access" löste sich der 27-jährige Saeco-Profi, der im nächsten Jahr zu Cofidis wechselt, von dem Rest der Gruppe. Mit 10 Sekunden Vorsprung machte sich Astarloa auf die 1,8km lange Abfahrt vom letzten Berg Richtung Ziel. Das sollte reichen. Nach sechseinhalb Rennstunden schaut sich Astarloa noch kurz um, bekreuzigte sich und fuhr als neuer Weltmeister über die Ziellinie. Sekunden später jubelte der zweitplatzierte Valverde, Dritter der letzten Spanien-Rundfahrt, noch enthusiastischer über den spanischen Doppelsieg.

    "Ich denke, das werde ich in einem Jahr noch nicht glauben", sagte der neue Weltmeister, der mit den Freudentränen kämpfte. Astarloa, der 2000 bei Mercatone Uno seine Profi-Karriere begann, holte für Spanien den dritten WM-Sieg innerhalb von fünf Jahren. Der spanische Doppel-Weltmeister Oscar Freire (1999 und 2001) wurde Neunter in Hamilton. Zum zweiten Mal nach 1995, als Olano vor Indurain gewann, belegten die Iberer die zwei ersten Plätze.


    Starke und disziplinierte Italiener, aber...


    ...Bettinis Kalkül ging nicht auf




    Fotos: Roth
    Das WM-Rennen auf dem vermeintlich so schweren Kurs in Hamilton verlief ganz anders als von den Experten vorhergesagt. Nach einem relativ langsamen Beginn setzten sich zunächst Außenseiter in Szene. Der Holländer Koos Moerenhout fuhr dem Feld davon, später bekam er Gesellschaft durch den Kolumbianer Victor Hugo Pena und den Norweger Bjornar Vestol. Das Trio kam auf zeitweise 2:50 Minuten Vorsprung, bis es in der neunten Runde wieder gestellt wurde. Es folgten mehrere Angriffsversuche. Auf Initiative des jungen Münsteraners Fabian Wegmann bildete sich nach 170km eine achtköpfige Spitzengruppe, die zeitweise 35 Sekunden Vorsprung hatte. Dann sorgte die italienische Mannschaft für Tempo im Feld, das aber trotzdem eingangs der letzten Runde immer noch fast 100 Mann (!) stark war.

    "Und dann war es zu spät"

    Die Italiener präsentierten sich zwar wie im letzten Jahr bei Cipollinis WM-Triumph als sehr disziplinierte Mannschaft, die ganz für Kapitän Bettini fuhr. Dennoch schafften sie es einfach nicht, das Rennen zu kontrollieren. Bettini versuchte in den letzten Runde einige Male Attacken, die jedoch alle scheiterten. Am Ende verpasste der tief enttäuschte kleine Toskaner sogar noch eine Podiumsplatzierung. Die Italiener holten in Kanada damit nicht eine einzige Medaille. "Als Astarloa attackiert hat, bin ich nicht hinterhergefahren, obwohl ich gekonnt hätte", sagte Bettini. "Aber die anderen haben darauf ja nur gewartet, dass ich die Arbeit mache. Und dann war es zu spät."

    Erik Zabel, der sich auf dem Kurs in Hamilton viel ausgerechnet hatte, war über Platz 11 genauso enttäuscht und verschwand nach dem Rennen wortlos im Mannschaftsbus. "Schade - bis fünf Kilometer vor dem Ziel war noch alles möglich. Wir wurden heute ein bisschen unter Wert geschlagen, die Mannschaft hat gut gekämpft. Aber mit unserem Gesamtabschneiden mit fünf Medaillen können wir sehr zufrieden sein", sagte BDR-Sportdirektor Burckhard Bremer. Für Deutschland, in der Nationenwertung auf Platz 2 hinter Holland, holten die Juniorin Bianca Knöpfle und U23-Fahrer Markus Fothen Weltmeistertitel im Zeitfahren.

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    WM-Ergebnisse: Straßenrennen der Männer



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