Straßen-WM in Kanada
Millar: "Gegen Ullrich wärs noch spaßiger gewesen"

Foto: Roth
09.10.03 (rsn) - Der Berliner Uwe Peschel,
im vergangenen Jahr beim WM-Zeitfahren
in Zolder der große Pechvogel, hat
am Donnerstag bei der WM in Kanada wie
bereits vor acht Jahren in Kolumbien die Bronze-Medaille gewonnen.
Mit Abstand Schnellster war auf der 41,6km langen Strecke
der Schotte David Millar. Silber ging
an den jungen Australier Michael Rogers.
Peschels Gerolsteiner-Teamkollege Michael
Rich, schon zwei Mal WM-Zweiter,
verpasste diesmal als Vierter knapp eine Medaille.
Der 26 Jahre alte Millar,
auf Malta geboren, in Hong Kong
aufgewachsen und seit Jahren im französischen
Biarritz zuhause, holte
erstmals in seiner Karriere
das Regenbogentrikot.
Vor zwei Jahren hatte Millar
den Titel knapp verpasst,
als Jan Ullrich sechs Sekunden schneller war.
In dieser Saison hat der für
Cofidis fahrende Brite
bereits beim zweiten Tour de France-Zeitfahren in Nantes
seine Zeitfahr-Qualitäten eindrucksvoll
unter Beweis gestellt, als
er Armstrong und Ullrich hinter sich ließ.
Der letzte Brite,
der die Zeitfahr.-WM gewann,
war der Engländer Chris Boardman
1994.

Foto: Roth
David Millar (GBR)
Geb. 4.Januar 1977 auf Malta; 1,91 m/77 kg
Profi seit 1997
Teams: Cofidis (seit 1997)
Größte Erfolge:
Tour de France, drei Etappensiege (Prolog in Futuroscope 2000,
Béziers 2002, EZF Nantes 2003), drei Tage im Gelben Trikot;
Spanien-Rundfahrt, drei Etappen (2/2001, 1/2003),
Circuit de la Sarthe 2001, Dänemark-Rundfahrt 2001, Tour de Picardie 2003,
drei Etappe Tour de l'Avenir (1/1997, 2/1998),
zwei Etappen Drei Tage von De Panne (1/1998, 1/2003)
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Millar, der nach seinen Worten "nervös wie ein Junior"
ins Rennen ging und "Angst vorm Verlieren" hatte,
war am Donnerstag eine Klasse für
sich. Mit 1:25 Minuten Vorsprung
vor den praktisch zeitgleichen Rogers und Peschel holte er das Regenbogentrikot.
"Es ist eine große Befriedigung für
mich, endlich den Titel zu holen. Ich habe
so lange gewartet. Now I'm really happy",
sagte Millar und dachte auch bereits an nächstes Jahr.
"Ich wollte unbedingt
bei Olympia im Weltmeistertrikot
auf der Startrampe stehen."
Bei der ersten Zwischenzeit nach 8km lag
Millar, der einen eleganten Stil
fährt, der ein bißchen an Miguel Indurain erinnert,
sieben Sekunden vor
Uwe Peschel. Bei der zweiten Zwischenzeitnahme
nach 20,5km hatte er seinen Vorsprung
auf 36 Sekunden vergrößert.
Da war bereits klar,
dass nur noch ein Sturz Millars WM-Triumph verhindern
kann.
"Ich kannte den Kurs genau und ich hatte
eigentlich geplant, meinen Rhythmus
bis zum Schluss durchzufahren.
Aber als ich die Abstände sah,
habe ich ein bißchen rausgenommen",
meinte der an diesem Tag überragende Millar,
der sich sogar den fehlenden
Jan Ullrich als Gegner wünschte:
"Es wäre natürlich noch spaßiger gewesen, gegen ihn zu fahren."
Der als letzter gestartete Rich
kam in Hamilton bei strahlendem Sonnenschein
und milden Temperaturen
auf den vierten Rang (+ 1:35 Min)
vor der spanischen Vuelta-Entdeckung
Isidro Nozal.
Pech hatte am Donnerstag der andere spanische Mitfavorit
Igor Gonzalez de Galdeano.
Der Vorjahresdritte
musste nach einem Sturz
aufgeben und wurde mit Verdacht auf einen
Rippenbruch ins Krankenhaus gebracht.
Bei der Zwischenzeit nach 28,8km,
kurz bevor er zu Fall kam, hatte der Spanier auf Platz 5 gelegen.

Rich Vierter, Peschel Dritter

Podium: Rogers, Millar, Peschel
Fotos: Roth
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Der früh gestartete Italiener Dario Frigo, dessen
Zeit lange Bestand hatte,
belegte im Schlussklassement
Platz 6 vor dem russischen Olympiasieger
Vjatceslav Ekimov.
Enttäuschend fuhren
die jungen Rouleurs
Laszlo Bodrogi (Ungarn) und
Fabian Cancellara (Schweiz),
die über zweieinhalb Minuten langsamer
waren als Millar und
nicht unter die ersten Zehn kamen.
Peschel fehlen 56 Hundertstel für Silber
Der 23 Jahre alte Australier Michael Rogers,
der im Juni die Deutschland-Tour gewonnen hatte,
schnappte nach einem schwachen Start
mit einem, starken Finish am Ende
dem 34 Jahre alten Uwe Peschel
die Silbermedaille weg.
Peschel lag
56 Hundertstel hinter dem Australier
und musste sich mit Bronze zufrieden geben.
1995 hatte Peschel in Duitama/Kolumbien
(hinter Indurain und Olano) ebenfalls Bronze geholt.
Peschel war bei der letzten WM in Zolder
der große Pechvogel.
Er war schnell unterwegs und auf Medaillenkurs, als ihm acht Kilometer vor dem Ziel der Überwerfer abriß
und er das Rad wechseln musste. Trotzdem verlor Peschel damals nur 33 Sekunden auf Weltmeister Santiago Botero.
"Wenn der Peschel mal soviel Glück hätte,
wie er schon Pech hatte, müsste er mit 'ner halben Stunde Vorsprung
gewinnen", hatte Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer,
der seine Profis nach Hamilton begleitete,
vor dem Rennen gesagt.
Als Pech jedoch konnte und wollte
Peschel den knappen Rückstand
auf Silber nicht werten,
auch weil Rogers - ganz ähnlich
wie Peschel letztes Jahr - am Schluss einen Defekt hatte.
"Ich bin in etwa so über die Runden gekommen, wie ich erwartet
hatte. Ich habe 100 Prozent gegeben, mehr war nicht drin, deshalb
trauere ich auch dem knappen Vorsprung von Rogers nicht nach - ich
bin mit Bronze zufrieden.
Wenn mir jemand heute morgen gesagt hätte,Du gewinnst Bronze, hätte ich es nicht
geglaubt", sagte Peschel,
der die Bilanz des Bundes
Deutscher Radfahrer (BDR)
weiter aufpolierte: Die Deutschen haben bisher
zwei Mal Gold und je ein Mal Silber und
Bronze geholt.
In vier von fünf Wettbewerben gab
es Edelmetall.
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WM-Ergebnisse: EZF der Männer
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