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Richard Virenque zu seinen Tour-Chancen: "Ich bin ein bißchen beunruhigt"

28.06.98 - Richard Virenque (Festina) zweifelt dran, daß er in diesem Jahr in die Entscheidung um den Gesamtsieg der Tour de France eingreifen kann. Der viermalige Gewinner der Tour-Bergwertung ist über das Profil der Tour 98 gar nicht glücklich. In einem Interview mit dem französischen Radsportmagazin VELO, das am letzten Freitag erschien, sagte Virenque "Ich bin zweifellos ein bißchen beunruhigt."

"Ich versuche mich an meine Erfahrung zu klammern. Und die sagt mir, daß Radsport nicht immer eine präzise Wissenschaft ist", so Virenque, der von Anfang an die Tour de France 98 schon fast abschrieb. "Ich war lange Zeit richtig demoralisiert, nachdem ich das Profil der Grand Boucle 98 gesehen habe. Die Enttäuschung war sehr groß, weil ich das Gefühl habe, daß ich der Tour de France (in den letzten) Jahren viel gegeben habe und man mir ein bißchen zurückgeben könnte." Virenque weiter: "Ich verlange ja nicht, daß nur Etappen mit hohen Bergen genommen werden, aber zumindest sollte die Tour nicht so flach sein wie in diesem Jahr:"

"Wenn man die Situation mit dem Giro vergleicht, sieht man, daß die Italiener versuchen, die Männer zu unterstützen, die ein Spektakel bieten. Wenn man das nicht macht, sagt man hinterher, daß die Leute den Toursieger nicht lieben, weil er nicht attackiert. Was die Italiener und auch die Spanier für ihre Champions machen, können wir in Frankreich nicht tun."

Verkehrsberuhigtes Sondertraining

Richard Virenque, nicht gerade der beste Zeitfahrer, durfte schon mal drei Tage in aller Ruhe auf der Strecke des Zeitfahrens der siebten Tour-Etappe trainieren. Der Kölner EXPRESS schrieb unter der Schlagzeile "Wird Ullrich ausgetrickst?", Bernadette Chirac, Ehefrau des französischen Staatspräsidenten und Regionalabgeordnete in Correze (Department Limousin), habe dafür gesorgt, daß die 58km lange Strecke zwischen dem 53-Seelen-Ort Meyrignac-sur-Eglise und der Regionalhauptstadt Correze während des Trainings von Virenque für jeglichen Verkehr gesperrt wurde.

Zum Sieg von Marco Pantani beim Giro sagte Virenque, er sei "logisch" gewesen und er habe Pantanis Sieg "ein bißchen" erwartet, trotz der guten Position, die sein Teamkollege Alex Zülle so lange innehatte. "(Pantanis) Sieg hat mir gefallen. da hat nicht ein Gegner gewonnen, sondern ein Kletterer, ein Rennfahrer, der in derselben Kategorie fährt wie ich."

In diesem Jahr will Virenque, letztes Jahr Zweiter hinter Ullrich, die Tour anders fahren, als in den Jahren zuvor: "Ich werde versuchen, geduldiger zu sein, obwohl ich so noch nie gefahren bin. Ich hatte es in den letzten Jahren immer zu eilig. Ich lerne, etwas ökonomischer zu fahren." - "Es ist schwer, gegen seine Natur zu fahren. Aber wenn ich eines Tages 100prozentig ökonomisch fahre, wie das einige machen, vielleicht wird man einen anderen Virenque sehen, einen mit einer breiteren Palmares."








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