18.06.99 -
Der Dopingverdacht gegen den belgischen Radprofi Frank Vandenbroucke (Cofidis) im Rahmen
der Affäre um den falschen Arzt Bernard Sainz ("Dr. Mabuse"), dem illegaler Handel mit
Dopingprodukten vorgeworfen wird, hat sich nicht bestätigt. Die französische
Justiz stellte am Freitag die Ermittlungen gegen den jungen Radstar ein. "Sainz hat
mir niemals Dopingprodukte verabreicht", so ein erleichterter "VDB" am Freitag vor der Presse.
Vandenbroucke, zur Zeit Führender im Weltcup, war Anfang Mai wegen seiner
Kontakte zu Bernard Sainz in den Blickpunkt der franzöischen Dopingfahnder geraten.
Der Lüttich- Bastogne - Lüttich-Sieger hatte sich seit Januar von Sainz, der
in der Radszene als eine Art "Wunderheiler" gilt, der schnelle Beine macht,
"behandeln" lassen. Was ihm Hobby-Pferdezüchter Sainz dabei alles verabreichte,
konnte Vandenbroucke selbst nicht sagen. "Ich bin vollkommen seinem Charme erlegen und ich wollte ihm
wirklich vertrauen. Ich war vielleicht naiv, aber nicht unehrlich. Ich
will glauben, daß Sainz mir homoöpathische Mittel gegeben hat", so
Vandenbroucke auf einer Pressekonferenz am 11. Mai zerknirscht. Sein Cofidis-Team
hatte ihn damals suspendiert.
Die Untersuchungen des Pariser Drogendezernats, das in dem Fall "Dr.Mabuse"
ermittelt, ergaben nun, daß Sainz tatsächlich Vandenbroucke nur erlaubte Substanzen
verabreichte. "Sainz hat mir homöopathische und pflanzliche Produkte gegeben. Alle Anschuldigungen,
ich hätte Doping betrieben, werden durch nichts bestätigt", so Vandenbroucke am Freitag nach
einer Gegenüberstellung mit den Hauptverdächtigen des Falls. Der vorsitzende Richter habe danach erklärt,
die Ermittlungen gegen ihn seien eingestellt, so Vandenbroucke.
Die ganze Affäre um "Dr. Mabuse", die die französische Justiz Anfang Mai mit
riesigem Ermittlungs-Aufwand aufdeckte, scheint sich unterdessen in Luft aufzulösen.
Anwalt Lavelot, der als "Gehirn" eines Dopingdealer-Ringes präsentiert worden war,
soll dem Vernehmen nach demnächst auf freien Fuß gesetzt werden, da ihm nichts
illegales nachgewiesen werden kann.
Und sogar "Dr. Mabuse" selbst könnte mit blütenweißer Weste aus der Affäre
gehen. Die Analyse von sichergestellten Fläschchen ergab, daß Sainz darin
eine Mixtur aus Alkohol, Gemüseextrakten und ein wenig Koffein gemixt hat, mit denen er seine
"Patienten" aus dem Radsport auf Trab bringen wollte. In sichergestellten Spritzen
fand die Polizei zwar Reste von Anabolika, doch diese, so der Anwalt von Sainz,
seien für die alten und kranken Pferde in Sains' Gestüt in der Normandie bestimmt
gewesen.