Renn-Szene
Weiteres Rätselraten um Vandenbrouckes Zukunft
02.12.99 - Am Tag nach Frank Vandenbrouckes einseitiger Auflösung
eines noch zwei Jahre geltenden Vertrags aufgrund angeblichen "exzessivem Fehlverhaltens"
seines Arbeitgebers, des Cofidis-Rennstalls, überschlugen sich geradezu die
Gerüchte um die Zukunft des 25-jährigen Radstars. ONCE dementierte Meldungen,
wonach man "VDB" einen Millionenvertrag angeboten habe, Mapei dementierte, der Rennfahrer
käme wieder zurück. Nur eines scheint klar: Der wahre Grund
für Vandenbrouckes Weggang ist nicht ein "Fehlverhalten" von Cofidis, sondern
sein brennender Ehrgeiz.
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Die Affäre um den falschen Arzt Sainz ("Dr. Mabuse") und den "Radsportanwalt"
Lavelot, bei der Frank Vandenbroucke - wie sich herausstellte zu Unrecht- unter Dopingverdacht geraten war, hat
der heißblütige blondierte junge Rennfahrer noch immer nicht richtig
verdaut. "Wegen dieser Suspendierung damals hatte er viele sportliche Nachteile,
z.B. hatte er keine Chance mehr, den Weltcup zu gewinnen, aber es gab auch menschliche
und finanzielle Nachteile", so ein Berater von Vandenbroucke. Gleich nach dem Bekanntwerden
des Skandals, der im Umfeld einer ganzen Serie von Affären besondere Brisanz
hatte, schien jedoch Vandenbroucke kein "Fehlverhalten" in seiner Suspendierung durch Cofidis
zu sehen. "Ich habe die regeln des Teams nicht befolgt, ich verstehe die Suspendierung",
so der Belgier, der Mittelchen und Medikamente von einem Dritten genommen hatte,
ohne zu wissen, was es war. Dass es sich um homöopathische Stoffe handelte, nicht um Doping,
war letzten Endes mehr oder weniger Zufall.
Nachdem Cofidis seinen Rennfahrer Ende Juni wieder rehabilitierte schien
sich das Verhältnis zwischen Rennstall und Radstar wieder ganz zu entspannen.
Vandenbroucke fuhr im Cofidis-Trikot eine ausgezeichnete Vuelta mit zwei Etappensiegen.
Für die nächste Saison verpflichtete der französische Rennstall
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Frank Vandenbroucke
Geb. 06.11.1974 in Mouscron (Bel)
1,79 m, 64 kg
Wohnort Ploegsteert (Bel)
Geschieden, Vater einer Tochter (Cameron, 10 Monate),
Profi seit 1995
Teams: Lotto (94- April 95), Mapei (95-98), Cofidis (seit 99)
Größte Erfolge:
Lüttich-Bastogne-Lüttich 1999, 2 Etappen Vuelta a Espana 1999,
Paris-Brüssel 1995, GP Ouest-France 1996, Gent-Wevelgem 1998, Het Volk
1999, Cholet-Pays de Loire 1995, GP de l'Escaut 1996, Trofeo Laigueglia 1996,
Rund um Köln 1997, Trofeo Matteoti 1997, GP d'Ouverture La Marseillaise 1999,
Paris-Nizza 1998, Mittelmeer-Rundfahrt 1996, Österreich-Rundfahrt 1996, Tour du Luxembourg 1997,
Galizien-Rundfahrt 1998
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mehrere Fahrer speziell aufgrund der Wünsche des jungen Kapitäns.
Rein gar nichts hatte auf die plötzliche Vertragsauflösung
durch Vandenbroucke hingedeutet. "Ich habe gerade noch mit einem belgischen Masseur
verhandelt, den Frank haben wollte. Letzte Woche kam sein Vater her, um
ein Rad zu holen für Frank", schildert Cofidis-Teammanager Alain Bondue
seine Verblüffung über die plötzliche fristlose Küdigung
des Jungstars.
Warum also will er auf einmal weg? Die wahrscheinlichste Erklärung ist, dass
der Lüttich- Bastogne-Lüttich-Sieger eine Vertragsangebot von einem anderen Team bekommen hat,
das er nicht ablehnen kann (will). Die flämische Tagesszeitung "Het Nieuwsblad" berichtete
unter Berufung auf die "spanische Presse", der ONCE-Rennstall habe dem ehrgeizigen und talentierten Vandenbroucke
einen mit rund 1,8 Millionen Euro dotierten Vertrag angeboten. Bei Cofidis verdiente
er zuletzt etwa die Hälfte.
In einem Interview mit dem Brüsseler "Le Soir" sagte
Frank Vandebroucke ganz offen, er befürchte bei der nächsten
Tour de France, bei der er grosse Ziele hat, mit Cofidis gegenüber Teams
wie ONCE oder US Postal keine Chance zu haben. Insbesondere beim Mannschaftszeitfahren
hat Cofidis 2000 in der Tat nicht viele Chancen.
ONCE-Chef Manolo Saiz dementierte gegenüber der spanischen Sportzeitung AS,
dass man Vandenbroucke einen Vertrag angeboten habe. Die in der Presse kursierenden
Gehaltszahlen könne man sich gar nicht leisten. AS spekulierte
daraufhin, Vandenbroucke könne dann praktisch nur noch zu Rabobank gehen
oder zu... Telekom. Auch im Gespräch ist Fassa Bortolo, das neue
Team von Sportdirektor Giancarlo Ferretti.
Nico Mattan, Cofidis-Teamkollege und Freund von Vandenbroucke, brachte unterdessen
im flämischen Fernsehsender VRT eine andere Variante ins Spiel: Nach einem
Gespräch mit "VDB" schließe er nicht aus, dass dieser womöglich doch bleibe
bei der Cofidis-Equipe...
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