01.12.99 - Der französische Cofidis-Rennstall hat angekündigt, man werde mit einer Schadenersatzklage reagieren
auf die Erklärung von Frank Vandenbroucke, er wolle trotz eines noch zwei Jahre laufenden Vertrags mit
Cofidis die Mannschaft verlassen wegen "Respektlosigkeit" ihm gegenüber
im Zusammenhang mit seiner Suspendierung im Mai. Unterdessen zeichnet sich ab, dass Vandenbroucke im kommenden Jahr
wohl beim spanischen ONCE-Team fahren wird.
Vandenbroucke hatte seinen noch zwei Jahre laufenden Vertrag fristlos gekündigt,
mit der Begründung, man habe ihn bei seiner mehrere Monate zurückliegenden Suspendierung
nicht fair behandelt. Der 25-jährige Belgier war damals unter Dopingverdacht geraten,
der sich zwar später als unbegründet erwies, den er selbst jedoch zunächst
nicht ausräumen konnte. Die Suspendierung sei "respektlos" gewesen und Cofidis habe
gegen "elementare Rechtsgrundsätze" verstossen, so die Erklärung
von Vandenbrouckes Managementfirma "SEM". (s.a. Bericht dazu)
Cofidis reagierte am Mittwoch abend mit einer Stellungnahme auf die einseitige Vertragsauflösung.
Man sei "erstaunt" von den Erklärungen des Rennfahrers, hieß es.
Dem Rennfahrer gehe es wohl weniger um die Handlungsweisen von Cofidis auf
dem Gebiet des Dopings, als vielmehr darum, "zu einem anderen Team zu wechseln, das ihm
ein verlockendes Angebot gemacht" habe.
Der Rennstall verteidigte die Suspendierung von Vandenbroucke, die
dieser als "exzessiven" Fehler bezeichnet hatte. Der Rennfahrer
habe, so das Cofidis-Statement, "sehr ernste Fehler begangen, indem er Substanzen nahm, deren
Zusammensetzung er nicht kannte. Es hätte sich sehr wohl um Doping handeln können."
Cofidis-Teammanager Alain Bondue erklärte: "Bei seiner Pressekonferenz
im Mai hat (Vandebroucke) gesagt, er habe Verständnis für
die Suspendierung. Er wurde zudem während der Suspendierung stets korrekt
bezahlt. Warum kommt er nun plötzlich zu seinem Entschluß, er
sei damals 'respektlos' behandelt worden?" Laut Bondue soll Vandenbroucke bereits eine Vereinbarung mit
dem spanischen ONCE-Team unterzeichnet haben. Aus dem Umfeld von Frank Vandenbroucke
verlautete dahingegen, es stehe nocht nicht fest, wohin Vandenbroucke gehe und
ONCE sei nicht die einzige Mannschaft, die ihn gern verpflichten würde.
Mit Wut und Enttäuschung reagierten die als Helfer für
"VDB" engagierten belgischen Cofidis-Profis auf den jähen Weggang-Entschluß des
25 Jahre alten Stars. Jo Planckaert und Chris Peers waren eigens
als "Leutnante" für Vandenbroucke verpflichtet worden.
Vandenbroucks enger Freund und bisheriger Teamkollege Nico Mattan sagte im belgischen Radio:
"Das ist nicht fair gegenüber dem Rest der Mannschaft. Ich werde
hierbleiben und meinen Vertrag erfüllen. Frank hat uns gegenüber kein
Wort gesagt. Das ist nicht gut, was er gemacht hat."