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Frank Vandenbroucke verlässt Cofidis

01.12.99 - Eigentlich schien längst alles klar. Ende Oktober teilte der Cofidis-Rennstall in einem offiziellen Statement mit, der belgische Radstar Frank Vandenbroucke habe seinen Vertrag mit der französischen Equipe verlängert. Das war wohl etwas voreilig: An diesem Mittwoch gab das Unternehmen "Sports et Entertainement Management", das die Interessen des 25 Jahre alten Wallonen vertritt, bekannt, dass "aufgrund von exzessiven, ernstem Fehrverhalten" seitens Cofidis Frank Vandenbroucke seinen Vertrag mit der Mannschaft gekündigt habe.

Die Cofidis-Mannschaft hatte den Belgier am 10. Mai diesen Jahres suspendiert, nachdem bekannt geworden war, dass Vandenbroucke in die ominöse Affäre um den falschen Arzt Bernard Lavelot (Spitzname "Dr. Mabuse" nach dem Bösewicht in dem gleichnamigen Film von 1923) verwickelt war. Der Cofidis-Profi war über seinen Freund und Teamkollegen Phillippe Gaumont an "Dr. Mabuse" geraten. Dieser hatte ihn auch "behandelt", wobei Frank Vandenbroucke
Vandenbroucke selbst nicht sicher war, ob es sich bei der "Medizin" nun um harmlose Kräutertees oder hartes Doping gehandelt hatte. Später stellte sich heraus, dass der junge Radstar nicht Dopingprodukte genommen hatte und am 23. Juni hob Cofidis die Suspendierung auf.

In seiner Kündigung, die wohl nicht zuletzt auch aufgrund von finanzieller Interessen erfolgt sein dürfte, beruft sich Vandebroucke bzw. sein Management darauf, dass in dem juristischen Verfahren in der "Mabuse"-Affäre "die zuständigen Justizorgane zu keinem Zeitpunkt erklärt oder auch nur angedeutet haben, dass Frank Vandenbroucke verbotene Doping-Substanzen genommen hat oder später ein Verfahren gegen ihn eröffnet werden könnte", so das am Mittwoch   "Ich will glauben..."

"Ich bin vollkommen seinem Charme erlegen und ich wollte ihm wirklich vertrauen. Ich war vielleicht naiv, aber nicht unehrlich. Ich will glauben, daß Sainz mir homoöpathische Mittel gegeben hat."
Frank Vandenbroucke auf seiner Pressekonferenz am 11. Mai über seine Beziehung zu "Dr.Mabuse" Lavelant.

verbreitete Statement von Vandenbrouckes Management.

Weiter hießt es: "Dennoch war eine einfache Vorladung ausreichend für Cofidis, um den Vertrag zu suspendieren, ohne dass dazu Gründe vorlagen. Unter diesen Umständen wurde Frank Vandenbroucke nicht eingeladen, seine Sicht darzulegen und sich zu verteidigen, wie es sein Grundrecht gewesen wäre."

Als Konsequenz daraus, so Vandenbrouckes Interessenvertreter, könne der Radstar "sich nicht einer professionellen Sportgruppe anvertrauen, deren Verhalten in ernsthafter Weise verstößt gegen elementare Prinzipien des französischen Recht und zudem von Respektlosigkeit gegenüber Angestellten zeugt ."

Frank Vandenbroucke, der Anfang November seinen 25. Geburtstag feierte, hat in diesem Jahr u.a. die Klassiker Het Volk und Lüttich- Bastogne - Lüttich gewonnen. Zum Zeitpunkt seiner Suspendierung lag der Wallone aus Plogsteert an der Spitze des Weltcup-Klassements. In der zweiten Jahreshälfte gewann "VDB" in den Farben von Cofidis u.a. zwei Etappen der Spanienrundfahrt und wurde Siebter beim WM-Strassenrennen in Verona. Vor wenigen Tagen wurde der Weltranglisten-Dritte in Belgien als Rennfahrer des Jahres geehrt.

Eine vorzeitige Vertragsaufflösung im Streit ist für den als "schwierig" geltendenden Vandenbroucke keine neue Erfahrung. Seinen ersten Profi-Vertrag mit der Lotto-Mannschaft von Sportdirektor Jean-Luc Vandenbroucke, sein Onkel, löste der damals 20 Jahre Jungprofi bereits im April 1995 nach wenigen Monaten auf und verließ die Mannschaft im Zorn. In Sommer diesen Jahres hatte Vandenbroucke in Belgien und Holland in der Boulevard-Presse für grosse Schlagzeilen gesorgt, nachdem er seine Frau verließ wenige Monate nach der Vermählung und kurz nachdem sie ihr erstes Töchterchen (Cameron) bekam.

s.a. 01.12.99 Vandenbroucke jetzt zu ONCE? - Cofidis kündigt Klage an

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