Das Ende von Vandenbrouckes Karriere
Kometenhafter Aufstieg und ein Abstieg auf Raten
Am Ende in Handschellen: Vandenbroucke am Donnerstag in Polizeigewahrsam
Foto: Roth
28.02.02 (rsn) - "Dies ist meine letzte Chance",
hatte Frank Vandenbroucke erklärt vor der Saison bei seinem
dritten Comebackversuch, diesmal in den Farben von Domo.
Kaum wieder drin im Peloton, ist "VdB" auch schon
wieder draußen. Sein Rennstall entließ
den 27-Jährigen fristlos
wenige Stunden nachdem
die Polizei Dopingprodukte bei ihm fand.
Vandenbroucke, den man in Belgien als den "Erben Eddy Merckx'"
feierte, steht vor dem Scherbenhaufen einer
kurzen, aber ereignisreichen Karriere.
oder nicht.
Triumphale Siege eines 21-Jährigen, tiefe Depressionen,
Dopingverdächtigungen, die Rehabilitierung,
heftiger Streit mit seinen Rennställen,
Entlassung, Comebackversuche,
Vandenbroucke als Familienvater,
die Scheidung, Heirat mit einem italienischen Model -
bei Frank Vandenbroucke ging es immer
schrill zu, egal ob im Guten oder Schlechten.
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"Bimbo" war als Nachwuchs- rennfahrer ein
Überflieger, der alles gewann.
Mit gerade mal 19 Jahren wechselte er
zu den Profis. Als Berufsrennfahrer
machte Vandenbroucke da weiter,
wo er bei der U23 aufgehört hatte.
Ein kometenhafter Aufstieg folgte:
Mit 20 Jahren gewann er den Klassiker
Paris-Brüssel, vier Jahre später
machte er seine Meisterprüfung mit
dem umjubelten Triumph beim Klassiker Lüttich-Bastogne- Lüttich,
bei dem er exakt vorhergesagt hatte, wo er die entscheidende
Attacke setzte. Belgien feierte
den legitimen Nachfolger von Eddy Merckx.
Der Sieg bei der Doyenne ist
erst der Anfang, dachte man im April 1999. Ein großer Irrtum,
es sollte der Anfang vom Ende sein.
Nur wenige Wochen nach dem größten Erfolg seiner
Karriere war Vandenbroucke in eine
bis heute nicht restlos geklärte
Affäre verwickelt.
Anfang Mai
1999 war Vandenbroucke wegen seiner Kontakte zu Bernard "Dr.Mabuse" Sainz
schon einmal in den
Blickpunkt der französischen Dopingfahnder geraten. Was ihm
Sainz alles verabreicht hatte, konnte Vandenbroucke damals
selbst nicht sagen und er war wohl selbst etwas überrascht, als
sich später herausstellte, dass man ihm kein Doping nachweisen
konnte. Es war ein obskures Gebräu aus Alkohol,
Gemüseextrakten und ein wenig Koffein, das der Radstar
verabreicht bekam von seinem "Pfleger".
Der vom Dopingvorwurf befreite Vandenbroucke warf
seinem Cofidis-Team vor, dass dieses vorsichtig
auf Distanz gegangen war und ihn bis
zur Klärung der Vorwürfe suspendiert hatte.
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Frank Vandenbroucke
Foto: Roth
Geb. 06.11.1974 in Mouscron (Bel);
1,79 m, 64 kg; Wohnort Lebbeke (Bel);
Verheiratet in zweiter Ehe mit Sara;
Vater von zwei kleinen Töchtern (Cameron/3 Jahre, Margaux/3 Monate)
Profi seit 1995
Teams: Lotto (94- April 95), Mapei (95-98), Cofidis (99-2000), Lampre (2001),
Domo-Farm frites (1.Januar - 28. Februar 2002)
Größte Erfolge:
Lüttich-Bastogne-Lüttich 1999, 2 Etappen Vuelta a Espana 1999,
Paris-Brüssel 1995, GP Ouest-France 1996, Gent-Wevelgem 1998, Het Volk
1999, Cholet-Pays de Loire 1995, Schelde-Preis 1996, Trofeo Laigueglia 1996,
Rund um Köln 1997, Trofeo Matteoti 1997, GP d'Ouverture La Marseillaise 1999,
Paris-Nizza 1998, Mittelmeer-Rundfahrt 1996, Österreich-Rundfahrt 1996, Tour du Luxembourg 1997,
Galizien-Rundfahrt 1998
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Vandenbroucke führte nach und nach den Bruch mit
seinem Team herbei, obwohl er noch einen laufenden Vertrag
hatte und Cofidis sich eigentlich korrekt verhalten hatte.
Es folgte im Winter 1999/2000 eine endlose Posse um
eine vollmundige, spektakuläre "Vertragsauflösung"
und deren kleinlaute Rücknahme durch Vandenbroucke,
der kein neues Team gefunden hatte.
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Von da an ging es nur noch bergab mit
der Karriere von Frank Vandenbroucke.
Sein starker Auftritt bei der Spanien-Rundfahrt
im Herbst 1999, als er zwei Etappen gewann,
war im nachhinein nur eine Zwischen-Episode.
Im Jahr 2000 machte Vandenbroucke
nur noch mit Rennabsagen Schlagzeilen.
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VdBs Mutter: "Alles lief so gut"
"Alles lief doch so gut in den letzten Wochen.
So geht das jedes Mal: Alles läuft perfekt und dann
werden wir überrascht durch eine solche Katastrophe".
-- Die Mutter von Frank Vandenbroucke zu dem Dopingskandal
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Dennoch verpflichtete
ihn das italienische Lampre-Team "trotz all der Ammenmärchen,
die die Presse über ihn verbreitet",
wie damals ein Teammanager sagte.
Ein paar Monate später musste
man bei Lampre feststellen, dass
die "Ammenmärchen" durchaus nicht ganz aus
der Luft gegriffen waren.
Das geplante große Comeback wurde
immer wieder verschoben.
Bei der Baskenland-Rundfahrt im Juni
stieg Vandenbroucke vorzeitig aus.
Das war das letzte, was man bei Lampre von
seinem Star hörte. Entnervt beendete
man die Zusammenarbeit, wobei man das Wort
"Entlassung" höflich vermied.
Die "letzte Chance"
Im letzten Spätsommer litt
der fragile Vandenbroucke, der zwischen himmelhochjauchzend und
zu Tode betrübt schwankt, an Depressionen,
die so stark waren, dass er sich zeitweise
in einem Krankenhaus psychatrisch behandeln ließ.
Im Herbst schien Vandenbroucke wieder
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gefasst: Er trainierte wieder,
privat lief es gut mit seiner neuen Frau Sara.
Das (wievielte?) Comeback wurde
angekündigt.
Vandenbroucke, dessen Management und Gehälter
trotz des sportlichen Abstiegs immer erstklassig geblieben waren,
lud zu einer Pressekonferenz ein,
ließ sich in großer Pose ablichten:
VDB schaut nachdenklich in die Zukunft.
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VdB in großer Pose
Foto: Roth
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Im November unterschrieb
Farnk Vandenbroucke einen Vertrag beim belgischen Domo-Rennstall.
"Ich habe ein gutes Umfeld und ich fühle mich
gut. Ich weiß, dass dies wohl meine letzte
Chance sein wird", sagte er.
Bei der Qatar-Rundfahrt bestritt
VdB sein erstes Rennen seit der Baskenland-Rundfahrt im
Juni 2001. Der zerbrechliche Wallone
schien wieder auf dem rechten Pfad.
Er wurde zum zweiten mal Vater, seine zweite Ehefrau Sara bekam
eine Tochter. "Ich habe eine wundervolle Familie, heute bin ich
wieder ein glücklicher Mann. Ich werde
Geduld haben, sportlich wieder nach vorn zu kommen",
sagte Vandenbroucke im Januar.
"Dieses Jahr ist ein Übergangsjahr, ich schaue
auf 2003. Dann will ich wieder dahin kommen,
wo ich einmal war."
Es scheint als ob daraus nichts mehr wird.
Am Donnerstag wurde
Vandenbroucke von Domo fristlos
entlassen. Nicht einmal pro forma
wartet der Rennstall
die Erklärungen des Rennfahrers,
bei dem Stunden zuvor die Polizei Dopingprodukte
fand, ab. Frank Vandenbroucke hat eine gewisse Vorgeschichte.
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