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Überraschende Wende
Godefroot: Ullrichs Primavera-Start "nicht sicher"

05.03.00 - Beim Etappenrennen Tirreno-Adriatico beginnt ab Mittwoch für Erik Zabel der Countdown für das erste Weltcup-Rennen Mailand-San Remo am 18. März. Der zweifache Sieger muss dabei eventuell entgegen ursprünglicher Planung auf Jan Ullrich verzichten, der es bei der Murcia-Rundfahrt in Spanien, die am Sonntag mit Sieg des einheimischen David Canada zu Ende gegangen ist, noch sehr ruhig angehen ließ.

«Er ist im Aufbau. Bekanntlich läuft bei Jan alles in Funktion für die Tour de France und Olympia. Sein Start bei Mailand-San Remo ist noch nicht sicher. Wir klären das bei Tirreno-Adriatico», offenbarte Telekom-Teamchef Walter Godefroot etwas überraschend neue mögliche Einsatzpläne für seinen Top-Angestellten.

Bei einem Verzicht will ihn Godefroot eine Woche später zum Criterium International nach Frankreich schicken «Da könnte sich Jan schon einige Tour-Anstiege in den Pyrenäen angucken.» Unerwartete Formschwäche wäre laut Godefroot nicht der Grund für die neuen Überlegungen. Bei der Murcia-Rundfahrt, bei der Ullrich auf der «Königsetappe» am Samstag 25:16 Minuten auf Tagessieger Canada einbüßte, fährt der Zeitfahr-Weltmeister noch im moderaten Trainingsrhythmus und der Konkurrenz hinterher. «Sein Formaufbau ist im Plan und er ist besser als zum vergleichbaren Zeitpunkt des Vorjahres», versicherte Godefroot. Im abschließenden Zeitfahren über 12,9 km verlor Ullrich auf Canada über eine Minute.

Der zweite Telekom-Kapitän, Erik Zabel (Unna), ist logischerweise wesentlich weiter als Ullrich. Mailand-San Remo lockt den gebürtigen Berliner mit dem möglichen dritten Sieg. Godefroot will ihm eine starke Mannschaft an die Seite stellen - in den letzten Jahren nicht immer eine Selbstverständlichkeit. «Alberto Elli, der in Murcia Vierter wurde, ist viel stärker als im Vorjahr, Erik mindestens genauso stark. Dazu kommen Steffen Wesemann, von dem ich in den weiteren Frühjahrs-Klassikern viel erwarte, und wahrscheinlich Fagnini und Winokurow», umriss Godefroot die Mannschaftsaufstellung für die «Classicissima» in knapp 14 Tagen.

Normalerweise zählte die Telekom-Neuerwerbung aus Kasachstan für das zweite Vorbereitungsrennen im Hinblick auf den Weltcup-Start, Paris-Nizza, zum engsten Favoritenkreis. «Doch Winokurow ist nach Monaco umgezogen, das hat ihn etwas aus dem Rhythmus gebracht», sagte Godefroot, der für Zabel in San Remo Tom Steels (Belgien), Laurent Jalabert (Frankreich) und Roman Vainsteins (Lettland) als Hauptkonkurrenten ansieht.

Das vom zweifachen Tour-Sieger Laurent Fignon gekaufte Rennen Paris-Nizza leidet unter Prominenten-Schwund. Nach Marco Pantani, der am Samstag in seiner Heimatstadt Cesenatico einen Autounfall unverletzt überstand, und Lance Armstrong (USA/Bronchitis) sagte auch Favorit Frank Vandenbroucke ab. Der Belgier fiel in seinem Haus in Ploegstreet die Treppe hinunter und verletzte sich am Daumen, der ihm bei der WM in Verona im Oktober gebrochen war.

Laut Godefroot wird der Däne Bjarne Riis, der vor zwei Tagen seinen Rücktritt erklärt hatte, in Zukunft nicht im engsten Kreis des Teams beschäftigt werden. «Er hat kein Interesse daran, wie er mir sagte. Vielleicht betreut er mal Telekom-Ehrengäste. In San Remo wird das wahrscheinlich geklärt werden», sagte Godefroot über die Zukunftspläne des Tour-Siegers von 1996, der auch für das dänische Fernsehen arbeiten will.

Andreas Zellmer, dpa

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