24.08.99 -
Bei der ersten Etappe der Niederlande-Rundfahrt am Dienstag war der deutsche Radstar Jan Ullrich
in ungewohnter Pose zu sehen: Der Toursieger von 97 hatte das Handy dabei, mit dem
im Rennen der Sportliche Leiter kontaktiert wird. Ein Handy in der Tasche ist bei Radprofis
alles andere als ein Statussymbol, denn üblicherweise trägt nicht der Star das Gerät,
sondern der Wasserträger. Aber dass Ullrich derzeit Spaß auch an dieser Rolle hat,
ist kein schlechtes Zeichen.
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"Wir sind derzeit sehr zufrieden mit ihm", so Ullrich-Manager Wolfgang Strohband
am Dienstag gegenüber RADSPORT-NEWS.COM und
man glaubt dem Manager das aufs Wort, wenn man Ullrich derzeit auf dem Rad sieht:
Entspannt, locker und vor allem so schlank wie lange nicht mehr.
"Wir sind froh, dass er sein Gewicht trotz der langen Pause gehalten hat und jetzt sogar
schlanker ist als vor Monaten", so Strohband.
Im Frühsommer bei der Deutschland-Tour wenige Wochen vor der Tour de France
fuhr Ullrich grüblerisch und immer noch mit etlichen Pfunden
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Karikatur: Dean Fester
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zuviel
durch die Gegend. Der Sturz Anfang Juni, der ihn letztlich die
Tour kostete,
war irgendwie symptomatisch. Dann kamen auch noch die pauschalen Dopingvorwürfe
des "Spiegel" hinzu und Jan Ullrichs Moral war ganz unten. Lange sieben Wochen Rennpause folgten.
Doch die Krise ist jetzt dem Anschein nach vobei.
Bei der "Meisterschaft von Zürich" am vergangenen Sonntag stieg der Radstar zwar eine Runde vor Schluss vom
Rad, aber das war eher Routine, denn vorn mitfahren wollte er sowieso nicht.
"An der Erkältung hat der Ausstieg auch nicht gelegen, das war nichts Grosses",
so Manager Strohband. "Er sollte sich einfach da nicht leerfahren. Jan ist zur Zeit sehr
vernünftig unterwegs. Ihm macht es wieder Spaß."
Wen man auch fragt beim Telekom-Team, überall kommt derzeit das Wort "Spaß"
zur Sprache, wenn es um Jan Ullrich geht. Der 25-jährige, der
sonst oft wirkt, "als ob er eine eingebaute Tiefenentspannung hat" (TV-Sportjournalist
Beckmann) ist im August 99 kaum wiederzuerkennen. "Er ist zur Zeit so aufgeschlossen, für seine Verhältnisse
fast extrovertiert", so ein Mitarbeiter von Team Telekom.
Auch wenn Ullrich zur Zeit richtig aufzugehen scheint in seiner Helferrolle
und am Dienstag bei der Hollandrundfahrt nicht nur für die
Kommunikation zwischen Sportlichem Leiter und Team zuständig war, sondern
auch einem Danilo Hondo den Sprint anfuhr, könnte man Ullrich, der
seit einem Jahr keinen Sieg mehr verbuchen konnte und in der Weltrangliste
inzwischen auf Platz 311 abgerutscht ist, vielleicht schon demnächst wieder
siegen sehen.
Gelegenheit zu grossen Siegen hat Ullrich in dieser Saison noch reichlich:
Starts bei Vuelta, WM und Lombardei-Rundfahrt sind eingeplant.
Strohband: "Wir denken jetzt schon vor allem an die Saison 2000 und Jan kann mental
ganz ohne Belastung und ohne Druck fahren in dieser Saison. Aber ich würde mich
nicht wundern, wenn man ihn jetzt beim Zeitfahren der Holland-Rundfahrt am Donnerstag
in Nordhorn vorn sehen würde. Und auch die Zeitfahren bei der Vuelta bieten
sich natürlich an."