01.08.99 -
Jan Ullrich hatte in dieser Saison wie schon in den letzten Jahren zunächst wieder alles
auf die Tour de France ausgerichtet, die er 1997 gewann.
Eine Verletzung am Knie zwang ihn jedoch zur Absage der grand boucle und 1999 droht nun für den Merdinger,
der zuletzt im September 98 ein Rennen gewann und inzwischen auf Rang 165 der Weltrangliste abrutschte,
ein vollkommen verlorenes Jahr zu werden. Auch hinsichtlich seiner Starts bei Vuelta im September und WM
im Oktober ist Ullrich derzeit nicht sehr optimistisch.
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"Eigentlich sitze ich erst seit einer Woche wieder richtig fest im Sattel, habe mein Training
erst langsam steigern können. Die Zwangspause war doch sehr lang", so Ullrich, der
am Sonntag bei der Trofeo Castilla y Leon wieder ins Renn- geschehen zurückkehrte
und bei der ersten Etappe der Rundfahrt neun Minuten nach dem Sieger ins Ziel kam.
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Jan Ullrich Foto: Schwinge
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Aber Ullrich hat bei dem ersten Rennen nach sieben Wochen Pause ohnehin
keine ehrgeizigen Ziele: "Es wäre wichtig, dort durchzukommen, um mehr Wettkampf-Kilometer in den Beinen zu
haben. Nach so einer langen Pause ist das beinahe vergleichbar, als würde ich nach den
Wintermonaten wieder mit Rennen beginnen. Für mich ist es auch wichtig, dass ich mich wieder
Wettkämpfen stelle, um meine Form besser überprüfen zu können. Außerdem ist Rennen fahren nicht
so langweilig wie Training."
"Aussteigen kann ich bei der Vuelta immer noch"
In knapp zwei Wochen wird Ullrich in Hamburg beim deutschen Weltcuprennen "HEW Cyclassics"
starten, bei dem er im vergangenen Jahr sehr offensiv gefahren war.
Jan Ullrich: "Hamburg ist ein tolles Rennen, aber es wird für mich völlig anders laufen, als in den
letzten beiden Jahren, wo ich in Top-Form war und auf Siegkurs fuhr. In diesem Jahr kann ich nicht
gewinnen, mein Rückstand ist viel zu groß. Aber ich kann versuchen ein gutes Rennen zu fahren, denn
motiviert bin ich. Ich werde versuchen, meine Mannschaftskameraden so gut es geht zu unterstützen.
Wenn Erik vorn mit ankommt, hat er gute Chancen. Mal abwarten, wie das Rennen läuft."
"In Hamburg kann eigentlich jeder gewinnen. Das Rennen ist relativ offen, es gibt keine
haushohen Favoriten", schätzt der Telekom-Profi. "Man muß jetzt erst einmal abwarten,
mit welcher Form einzelne aus der Tour
kommen, ob sie die bis Hamburg halten können. Außerdem werden sich natürlich die Leute besonders
anstrengen, die im Weltcup in diesem Frühjahr eine wichtige Rolle spielten. Ich rechne mit Rabobank,
die mit Leon van Bon letztes Jahr den Sieger stellten und hochmotiviert sind. Von Vandenbroucke
hat man lange nichts gehört, Bartoli war wie ich verletzt, fängt jetzt erst wieder an. Man kann es eigentlich
nicht eingrenzen. Es kann ein Sprinter gewinnen, aber auch ein Allrounder. Hamburg ist schwer
kalkulierbar."
Auf die Frage, ob die WM im Oktober trotz der langen Pause ein Ziel bleibt, sagt
Ullrich: "Ja, auch wenn ich heute schon sagen kann, daß ich wohl kaum Weltmeister werde. Aber
manchmal geschehen ja Wunder. Doch zunächst einmal muß ich mir noch meine Startgenehmigung
erkämpfen. Die WM ist für mich deshalb so wichtig, weil ich mir Ziele stecken muß. Ich kann nicht bis in
die nächste Saison warten, bevor ich wieder ernsthaft Rennen fahre. Und darum werde ich auch bei der
Vuelta starten, egal wie meine Form dann ist. Aussteigen kann ich immer noch, wenn ich merke, daß
ich es nicht schaffe. Aber mein Ziel ist es, bis Madrid durchzuhalten."