16.06.99 -
Telekom-Tourhoffnung Jan Ullrich hat am Mittwoch während der zweiten Etappe der Tour de Suisse
das Rennen aufgrund von starken Schmerzen im rechten Knie aufgegeben. Der Toursieger
stieg nach 72km des Tagesabschnitts zwischen Solothurn und Lausanne vom Rad und
fuhr nach Freiburg, um sich dort im Krankenhaus untersuchen zu lassen.
Die Knieverletzung von Ullrich rührt noch von seinem Sturz bei der Deutschland-Rundfahrt Ende Mai, als er
das Rennen bei der dritten Etappe verletzungsbedingt aufgeben mußte.
Knieschmerzen hatten ihn auch beim Prologzeitfahren der Tour de Suisse am Dienstag stark
behindert (RADSPORT-NEWS.COM berichtete)
Da war man beim Team Telekom noch bemüht, die Knieverletzung von Ullrich
herunterzuspielen. Er habe "Problemchen" am Knie, hieß es.
Am Mittwoch morgen stellte sich dann jedoch heraus, daß die Verletzung gerade beim Zeitfahren
am Vortag schlimmer wurde.
"Heute ging gar nichts", so Ullrich nach seinem Ausstieg. "Vom ersten Kilometer an hatte ich
Schmerzen und von Kilometer zu Kilometer wurde es schlimmer." Zwei Mal ließ sich
der Telekom-Profi vom Rennarzt der Tour de Suisse behandeln. Bei der Verpflegungskontrolle
war dann Schluß. Ullrich stieg vom Rad und ins Mannschaftsfahrzeug.
"Ich hoffe, ich komme noch in Form für die Tour de France",
erklärte Ullrich, der inzwischen selbst nicht mehr ausschließen kann,
daß er ganz ausfällt für die Tour de France. "Wenn ich
in Form komme und wenn das Knie hält, fahre ich die Tour."
Der 25-jährige Merdinger hatte die letzten drei Frankreich-Rundfahrten jeweils
auf dem Podium beendet. 1996 wurde er bei seinem Tourdebut auf Anhieb Zweiter hinter
seinem Teamkollegen Bjarne Riis, im Jahr darauf gewann er und im letzten Jahr wurde er wiederum Zweiter.
Auf dem Papier war Ullrich für die Tour 99 der große Favorit, nicht zuletzt
auch, weil praktisch keiner seiner großen Rivalen am Start in Le Puy du Fou am 3. Juli
sein wird. Pantani wird nicht starten, genausowenig wie Richard Virenque, den die
Tourorganisatoren am Mittwoch ausluden (s. Bericht) und
Laurent Jalabert.
Aber selbst ohne diese großen Konkurrenten am Start stehen große Fragezeichen
hinter Ullrichs Tour de France. Zum einen ist die Konzentration in der Vorbereitung
sehr gestört worden aufgrund des Wirbels, den die
"Spiegel"-Dopingvorwürfe ausgelöst hatten, zum anderen fielen mit Rolf Aldag, der
wie Ullrich bei der Deutschland-Tour gestürzt war, sowie Jens Heppner, der am Montag
einen Trainingsunfall erlitt (RADSPORT-NEWS.COM
berichtete), zwei ganz wichtige Helfer aus. Beide werden nicht am Start in Frankreich sein.
Nach seinem Ausstieg bei der Tour de Suisse wegen des Knieproblems steht nun auch
hinter Ullrich selbst ein Fragezeichen. Selbst wenn die Freiburger Ärzte Ullrichs Knieverletzung noch in den Griff
bekommen, fehlt dem deutschen Radstar ein ganz wesentlicher Teil der Tourvorbereitung.
Der Telekom-Profi, der sich in dieser Saison praktisch noch nie in Rennen vorn zeigte,
brauchte die schwere Tour de Suisse, bei der auf den zehn Etappen viele Berge und
ein schweres Zeitfahren zu absolvieren sind, unbedingt, um sich seine Tourform zu holen.