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Jan Ullrich hat nur die Tour im Blick: "Was jetzt ist, ist nicht so wichtig"

29.04.98 - Toursieger Jan Ullrich ist wieder in Deutschland. An diesem Freitag startet der Merdinger neben Bjarne Riis und Erik Zabel in Frankfurt beim Henninger Turm. Ullrich freut sich über den ersten Start in Deutschland seit dem Herbst 1997: "Die Strecke ist schön und schwer zugleich, die Stimmung großartig. Es wird bestimmt ein großes Radsportfest." Ullrich nahm auch Stellung zu den zahlreichen Medienberichten über seine "Winterspeck-Krise".

Jan Ullrich versteht die ganze Aufregung gar nicht. "Ich weiß nicht, warum jetzt so eine Messe gemacht wird. Ich wiege 78 Kilo, fünf mehr als zum Tourstart im vergangenen Jahr - das ist völlig normal. Zur Zeit bin ich besser drauf als 1996 und da wurde ich auf Anhieb Tour- Zweiter. Ich liege ganz normal im Vorbereitungsplan und glaube an mich. Die Tour muß laufen, das ist entscheidend. Was jetzt ist, ist nicht so wichtig."

Zu den zuletzt schon fast unter der Gürtellinie liegenden Presseberichten meinte Ullrich: "Geärgert habe ich mich schon. Das meiste, was geschrieben wurde, war Mist. Ich habe zwar selten eine Zeitung gelesen, aber man bekommt es natürlich doch zu hören. Durch Krankheit habe ich mitten im Training zehn Tage verloren und etliche Wettkampfkilometer. Dann bekam ich auch noch Heuschnupfen, zum ersten Mal in meinem Leben. Das alles war der Grund, weshalb ich oft noch nicht mitkam, "Ullrich ist seines Ranges nicht würdig" --Schlagzeile in L'Equipe

"Das Genie ist fett"
-- AS Diario, Spanien

wenn es die Berge hochging. Nicht mein Gewicht, das war immer deutlich geringer als in den meisten Berichten. Da wurden einfach ein paar Kilo dazugedichtet."

Und wie sieht Ullrich denn nun selbst seine Chancen auf die Titelverteidigung im Juli? "Über zwei Monate vorher ist alles Spekulation. Alles schrieb bisher über Ullrich. Aber auch von Virenque oder Pantani hat man doch nichts gesehen. Es werden wohl wieder die Top-Ten von 1997 vorn sein, dazu vielleicht Alex Zülle aus der Schweiz und Laurent Jalabert aus Frankreich, der sich diese Saison bislang etwas zurückhielt." Seine eigene Ausgangsposition schätzt Ullrich in diesem Jahr aber in jedem Fall schwieriger ein als 1997, als niemand von ihm den Toursieg erwartete: "Der Druck war viel geringer. Wenn ich jetzt wieder die Tour gewinne, sagen alle: Haben wir eh gewußt. Wenn ich verliere, wird mir das viele Nachteile bringen."

Und was erwartet Ullrich vom anderen Toursieger im Team Telekom, von Bjarne Riis? Ullrich: "Eine ganz große Tour. Durch seine Handverletzung hat er sein Pulver nicht im Frühjahr wie 1997 schon teilweise verschossen. Bjarne ist 34, hat noch einmal riesigen Ehrgeiz und wird seine ganze Erfahrung für dieses Ziel einsetzen. Wir beide freuen uns auf unser Duell, aber die Konkurrenz wird keine Freude daran haben. Wir sind das ideale Paar für das Team Telekom, wir ergänzen uns gut, aber wir fahren bestimmt nicht gegeneinander."

Das weitere Programm von Ullrich sieht jetzt so aus, daß er nach dem Henninger beim Grand Prix in schweizerischen Gippingen fährt, danach steht Training an: "Wenn das Wetter gut ist, im Schwarzwald", sonst in Spanien oder Mallorca. Am 24. Mai wird Ullrich dann beim Klassiker "Rund um Köln" starten. "Dann", so Ullrich. "fahre ich Ende Mai die Bicicleta Vasca in Spanien. Im Juni ist die Tour de Suisse wieder der große Leistungstest."



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