Muß Ullrich die Tour de France bereits abschreiben?
08.04.98 - Wenn man Jan Ullrich derzeit beim Radfahren zusieht, fragt man
sich, wo die unbekümmerte, lockere und fast spielerisch anmutende Kraft
geblieben ist, mit der er bei der letzten Tour hinauf nach Andorra flog.
Übergewichtig stapft er derzeit am Hinterrad seines
Helfers Michael Blaudzun mit großem Rückstand hinter dem
Peloton her. Muß Ullrich die Tour de France bereits abschreiben?

Jan Ullrich im April 98
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Nun ist es April, fünf Monate Training hat Ullrich absolviert.
Noch gut drei Monate bis zur Tour.
Die meisten Konkurrenten, die Ullrich bei der Tour schlagen muß,
kommen dieser Tage so langsam in Form. Virenque, Zülle,
Casagrande, Escartin, Pantani, - sie sind zwar noch nicht in der
absoluten Topform, die für den Sommer angepeilt ist, aber sie
haben alle bereits einige Male ihre Form aufblitzen lassen. Von
Ullrich war bis jetzt rein gar nichts zu sehen. Nach seinem Kurzeinsatz
bei Tirreno Adriatico brach er jetzt auch die Baskenlandrundfahrt vorzeitig
nach der 2. Etappe ab.
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In der spanischen Sport-Presse mutmaßte man kürzlich
ganz im Ernst, daß Ullrichs Übergewicht vielleicht Teil eines
geheimen Trainingsprogramms seines Trainers sei, "so wie andere
Fahrer früher mit Steinen im Rucksack trainierten" (AS).
Daß der Toursieger tatsächlich so außer Form ist,
wie er aussieht, kann kaum jemand glauben. "Er ist sicher nicht
so schlecht wie er aussieht", glaubt etwa Kelme-Sportdirektor
Alvara Pino.
Nach seinem historischen Toursieg im Juli 1997
hatte Ullrich zunächst den üblichen Kriterienzirkus
mitgemacht und dabei ordentlich Geld verdient. Im August hatte er immer
noch gute Form, wie er etwa beim GP Suisse
zeigte. Dann kam der Herbst und Ullrich beendete früh seine Saison,
im September ging er in den wohlverdienten Urlaub.

Ullrich bei Nestlé auf der Messe "ANUGA 97"
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Mit Freundin Gabi
machte Jan Ullrich Ferien in der Türkei. Dort schmeckte ihm das Essen
wohl recht gut und ihm passierte, was jedem passiert, der ißt
wie ein Schwerarbeiter und sich bewegt wie Helmut Kohl am Wolfgangsee.
Ullrich ging auseinander wie ein Hefeteig. Bei der Wahl zum
Sportler des Jahres im Dezember
war er kaum wiederzuerkennen. Neun Kilo Übergewicht seien bei
ihm normal, hieß es damals von seinen Betreuern. Bis
zum Sommer 98 sei es ja noch sehr lange hin.
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Im November 1997 nahm Ullrich sein Training für die Saison auf.
Erkrankungen wie Grippe, Erkältungen, Mittelohrentzüdung (RADSPORT-NEWS.COM
berichtete) warfen Ullrich jedoch immer wieder zurück.
Das Übergewicht ist immer noch da.
Die Werbespots mit Ullrich für seinen neuen Sponsor Nestlé
drohen jetzt unfreiwillig komisch zu werden.
Rudy Pevenage, Telekom-Sportdirektor und Ullrich-Intimus,
gibt sich nach außen hin gelassen: "Der Junge macht das
schon." Aber was soll er auch anderes sagen?
Insider bezweifeln, daß Ullrich in den nächsten
3 Monaten bis zur Tour noch von "Null auf hundert" kommt.
Die Verteidigung des Toursiegs scheint momentan in weiter Ferne.
Fortsetzung folgt...
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