"Perfekte Lösung" für Pevenage gesucht
Ullrich: "Noch drei Chancen auf Tour-Sieg"
BERLIN, 07.12.03 (dpa) -
Für Jan Ullrich hat die Tour de France im kommenden
Jahr Priorität vor Olympia in Athen. So sind die Äußerungen des
Olympiasiegers in einem Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
(Samstag-Ausgabe) zu deuten. Der 30-Jährige, der am Montag mit Tobias
Steinhauser und weiteren Team-Kollegen sein erstes Trainingslager auf
Mallorca bezieht, sieht noch drei Chancen auf einen Tour-Sieg: «Ich
weiß, wie viel Jahre ich noch um den Sieg mitfahren kann: die
nächsten drei. Ich bin überzeugt, dass das meine Zeit ist. Es wäre
schade, wenn ich von den drei Chancen zwei verschenken würde.»
Die kommende Tour werde nach Ullrichs Meinung in der letzten
Woche, die mit den größten Schwierigkeiten gespickt ist, entschieden:
«Zu Anfang gibt es viele Trikotwechsel und Stress, und die Sprinter
kommen dazwischen.» Dem fünffachen Tour-Gewinner Lance Armstrong
(USA) billigt er besondere Motivationskünste zu: «Ich glaube, dass
Armstrong sich so motiviert, als Texaner. Wie man es in «Rocky»-
Filmen sieht, dass er sich seinen Gegner vor den Spiegel hängt und
jeden Tag sagt: Dich gilt es zu bezwingen.» Der deutsche Tour-Sieger
von 1997 ist sich sicher: «Ich weiß, ich schaffe es noch mal. Dieses
Jahr war ich ganz dicht dran.»

"Dich gilt es zu bezwingen"
Foto: Roth
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In Athen könnte er sich eine Unterstützung seines kasachischen
Team-Kollegen Alexander Vinokourov vorstellen, der in diesem Jahr
durch Rang drei in Paris in den Kreis der potenziellen Toursieger
vorgedrungen ist. «Ich glaube nicht, dass er im kommenden Jahr
unbedingt auf den Toursieg spekuliert. Ich sage aus Spaß: Du hilfst
mir bei der Tour, ich helfe Dir bei Olympia. Das ist, was zwischen
uns so viel Spaß macht: der eine gibt was und bekommt auch was
zurück», sagte Ullrich über sein Verhältnis zu dem Olympia-Zweiten.
Ullrichs Tour-Pläne werden seinen Arbeitgeber T-Mobile freuen.
Dort hat er einen hoch dotierten Dreijahresvertrag - die Rede ist von
rund 1,7 Millionen Euro pro Saison - bekommen. Die Unterschrift sei
bereits geleistet, bestätigte Team-Sprecher Olaf Ludwig am Sonntag
und trat damit Spekulationen entgegen, dass es wegen der noch
anhaltenden Auseinandersetzungen mit seinem früheren Arbeitgeber
Bianchi Verzögerungen beim T-Mobile-Kontrakt gebe. Im Ullrich-Gehalt
soll auch der Anteil von etwa knapp 200 000 Euro enthalten sein, den
er - aus eigener Tasche - an seinen persönlichen Betreuer Rudy
Pevenage zahlt.
Seinem langjährigen Mentor, der bei den Bonnern nicht wohl
gelitten ist, macht Ullrich wenig Hoffnung auf Integration: «Ich
glaube nicht, dass er wieder so ins Team findet wie früher als
sportlicher Leiter.» Das hatten beim Mannschafts-Treffen auch
Teamchef Mario Kummer und Manager Walter Godefroot unmissverständlich
klargemacht. «Es würde schmerzen, wenn ich mit Rudy nicht mehr
zusammenarbeiten würde. Es ist noch nicht alles bis ins letzte Detail
ausdiskutiert, aber ich hoffe, dass er immer da sein kann, wenn ich
ihn brauche. Es gibt bei T-Mobile auch gute sportliche Leiter, und es
würde auch einen Weg geben, ohne dass Rudy im Begleitwagen sitzt.»
Pevenage setzt weiter auf das Wort Ullrichs. «Ich vertraue ihm.
Details unserer Zusammenarbeit sind weiterhin nicht geklärt. In
Mallorca habe ich in der nächsten Woche sicher Gelegenheit, auch
darüber mit ihm zu sprechen. Ich habe in Zukunft nicht mehr den
Status eines sportlichen Leiters und somit wenig Einfluss auf die Art
und Weise, wie unsere Zusammenarbeit in der Praxis laufen soll. Jan
hat alles in der Hand», sagte Pevenage am Sonntag.
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