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Telekom: Polizeischutz beim Training
Für Ullrich beginnt die Saison am Freitag in Südafrika

08.02.00 - Jan Ullrich (Telekom) startet am Freitag in Südafrika bei der neuntägigen "Vodacom-Rapport-Tour" über insgesamt 1.042 Km in die neue Saison. Der des Dopings verdächtigte Italiener Marco Pantani, seit Juni 1999 inaktiv, greift zwei Tage später in Spanien bei der Ruta del Sol ins Geschehen ein. Lance Armstrong (USA) bevorzugt noch einsame Trimmpfade in Kalifornien: Die Tour de France- Sieger der vergangenen drei Jahre gehen verschiedene Wege in Richtung Saisonhöhepunkt im Juli, wo es in Frankreich zum Showdown der drei Großen kommen könnte.

Die Hürden für Ullrich, der den Winter wohl besser überstanden hat als in den vergangenen beiden Jahren und sich bedenkenlos auf die Waage traut, sind noch nicht sehr hoch. «Die neun Tage werden auf hügeligem Terrain sicher auch anstrengend werden,
aber Jan soll ja erst einmal nur durchfahren», plädiert der zuständige Telekom- Teamchef Rudy Pevenage für eher moderates Arbeitstempo zum Saisonbeginn. In den Trainingstagen vor dem Startschuss zum 3 Km- Prolog am Freitag genoss das Telekom-Team besonderen Begleitschutz durch die Polizei, um mögliche Zwischenfälle zu verhindern.
Ullrich und Co. beim Training
Foto: Team Telekom

Auch beim 30 Km langen Einzelzeitfahren der 3. Etappe wird von dem Spezialisten aus Merdingen noch nicht all zu viel zu erwarten sein. «Seine WM-Form hat er noch nicht und wir haben auch gar keine extra Zeitfahr-Maschine mit», sagte Pevenage, der für seinen Musterschüler Ullrich mit der Tour, der Spanien-Rundfahrt und Olympia drei Termine im Kalender 2000 rot angestrichen hat.

Nach Trainingslagern auf Fuerteventura und Mallorca sei Ullrichs Motivation laut Pevenage zuletzt «unten» gewesen «Er konnte wegen des schlechten Wetters nur auf der Rolle trainieren.» Die Laune des Zeitfahr-Weltmeisters besserte sich aber merklich seit der Landung vor einer Woche in Südafrika. «Temperaturen knapp unter 30 Grad, Super-Hotel, alles perfekt», schilderte Pevenage die Umstände am Kap, wo sich Alberto Elli (Italien), Udo Bölts (Heltersberg) und Danilo Hondo (Cottbus) schon fast in Topform präsentieren wollen.

Eine Steigerung gegenüber dem Saisoneinstand 1999 sollte Ullrich nicht schwer fallen. Vor Jahresfrist griff der 26-Jährige bei der Mallorca-Rundfahrt als 102. in Puerto de Soller mit 17:56 Minuten Rückstand auf den Tagessieger ins internationale Wettkampfgeschehen ein. Mit diesem Fehlstart schien Ullrich ein persönliches Krisenjahr eingeleitet zu haben, das durch den Vuelta- und WM-Erfolg im Herbst allerdings mit einem sensationellen Comeback endete und den Tour- Verzicht vergessen machte.

Pantani will seine Giro-Demission wegen verdächtig hoher Blutwerte vergessen machen und verschrieb sich für 2000 ein Marathon-Programm. Der charismatische Glatzkopf, der weiter Doping leugnet, will beim Giro, der Tour, Vuelta und Olympia möglichst die erste Geige spielen. Der Hobby-Chansonnier legt nach seinem Verzicht diesmal wieder sein Hauptaugenmerk auf die Tour, bei der er Ullrich 1998 keine Chance ließ.

Trotz abträglicher Meldungen bleibt der Radsport offensichtlich weiter attraktiv. In Italien, wo Doping-Untersuchungen vor allem auf staatlicher Ebene immer wieder Erschreckendes zu Tage fördern, werden in diesem Jahr 17 Sportgruppen mit einem Gesamtvolumen von rund 100 Millionen Mark finanziert. In Frankreich hat der Tour-Skandal von 1998 nur geringe Spuren hinterlassen - die Zahl der Teams ist deutlich angewachsen. In Europa und Nordamerika sind 90 Profi- Mannschaften in drei Divisionen lizenziert.

Andreas Zellmer, dpa

Etappen-Vorschau: Vodacom-Rapport-Tour 2000

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