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Tour de France |
Ullrich im Goldtrikot der Tour de Suisse Aufatmen bei Telekom: "Jetzt ist Jan in Schwung" Pevenage feiert mit Champagner: "Habe mich gewundert, wie schnell es ging"
Im Telekom-Lager konnte schon vor der Königsetappe über drei
Alpenriesen zufrieden registriert werden: Ullrich, der nach
gesundheitlichen Rückschlägen in einem chaotischen Frühjahr wieder
schwer in Tritt kam, scheint tatsächlich über den Berg zu sein. Nach
seinem dritten Rang im 30 Km-Einzelzeitfahren in Sierre übte der 26-
jährige Zeitfahr-Weltmeister schon für die Tour. «Es ist schön, mal
wieder ein Gelbes Trikot zu tragen», sagte Ullrich nach seinem Sprung
an die Spitze des Gesamtklassements, den er am Vortag durch eine
Galavorstellung auf dem ersten Berg der Rundfahrt durch die Schweiz
vorbereitet hatte.
«Seine Leistung vom Freitag hat mich eigentlich noch mehr erstaunt
als sein dritter Platz im Zeitfahren», gestand Pevenage, der bei der
Deutschland-Tour vor knapp drei Wochen noch einen Ullrich gesehen
hatte, der meilenweit von adäquater Tour-Form entfernt war. Für den
ehemaligen Stunden-Weltrekordler Tony Rominger aus der Schweiz, zu
aktiven Zeiten in der Tour immer von Miguel Indurain dominiert,
genügten zwei Tage, um Ullrich sogar schon wieder «zum Tour-Favoriten
Nummer eins» zu erklären.
Der umhegte Telekom-Kapitän, der in seiner Paradedisziplin am
Samstag nur 16 Sekunden auf den lettischen Tagessieger Raivis Belovosiks
(Lampre) auf anspruchsvoller Strecke verlor, vermied Prognosen
ähnlicher Art und gab sich nach seinen imponierenden Leistungen
zurückhaltend. «Ich hatte heute auf das Trikot spekuliert und es hat
geklappt. Aber wir werden es nicht auf Biegen und Brechen
verteidigen. Ich bin nicht hierher gekommen, um zu siegen. Mit dem
Stand meiner Tour-Vorbereitung bin ich zufrieden. Das war heute ein
gelungener Test», sagte Ullrich nach dem Zeitfahren.
Anders als die übrigen heißen Kandidaten auf den Toursieg,
Vorjahressieger Lance Armstrong (USA) und sein Vorgänger Marco
Pantani (Italien), feilt Ullrich noch im Wettkampf an der rechten
Verfassung für Frankreich. «Nach der Tour de Suisse, die am
Donnerstag zu Ende geht, startet Jan am kommenden Sonntag noch bei
den deutschen Meisterschaften», sagte Pevenage, der bei Ullrich, der
von März bis Anfang Mai keine Rennen fuhr, auch Fortschritte in der
für ihn besonders schwierigen Disziplin der Gewichtsreduzierung
registrierte: «Er muss nur noch ein bisschen dünner werden.»
Anfang der kommenden Woche wollen Teamchef Walter Godefroot und
Pevenage das neunköpfige Telekom-Tour-Team bekannt geben. Zur
maßgeblichen Meinungsbildung trugen beide Teamleiter und die Kapitäne
Ullrich und Erik Zabel bei, der am Samstag in Spanien bei der
Katalonien-Rundfahrt seinen Saisonsieg Nummer 15 gefeiert und bereits
Tour-Top-Form nachgewiesen hatte.
Andreas Zellmer, dpa
12.06.00 Vor der Tour de Suisse: "Mensch, ist Ullrich schlank geworden" |