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Ullrich im Goldtrikot der Tour de Suisse
Aufatmen bei Telekom: "Jetzt ist Jan in Schwung"
Pevenage feiert mit Champagner: "Habe mich gewundert, wie schnell es ging"

18.06.00 - Der Stein, der Telekom-Teamchef Rudy Pevenage vom Herzen fiel, war ihm mindestens eine Flasche Champagner wert. «Ein bisschen habe ich mich schon gewundert, wie schnell es plötzlich ging. Jetzt ist Jan in Schwung. Er wird am 1. Juli mit 90 Prozent seines Leistungsvermögens an den Tourstart gehen können», zog der Belgier am Sonntag die Bilanz der zwei vergangenen Tage der Tour de Suisse, in denen sich Jan Ullrich im «Goldtrikot» überraschend als einer der Favoriten für die in zwei Wochen beginnende Tour de France eindrucksvoll zurückmeldete.

Im Telekom-Lager konnte schon vor der Königsetappe über drei Alpenriesen zufrieden registriert werden: Ullrich, der nach gesundheitlichen Rückschlägen in einem chaotischen Frühjahr wieder schwer in Tritt kam, scheint tatsächlich über den Berg zu sein. Nach seinem dritten Rang im 30 Km-Einzelzeitfahren in Sierre übte der 26- jährige Zeitfahr-Weltmeister schon für die Tour. «Es ist schön, mal wieder ein Gelbes Trikot zu tragen», sagte Ullrich nach seinem Sprung an die Spitze des Gesamtklassements, den er am Vortag durch eine Galavorstellung auf dem ersten Berg der Rundfahrt durch die Schweiz vorbereitet hatte.

«Seine Leistung vom Freitag hat mich eigentlich noch mehr erstaunt als sein dritter Platz im Zeitfahren», gestand Pevenage, der bei der Deutschland-Tour vor knapp drei Wochen noch einen Ullrich gesehen hatte, der meilenweit von adäquater Tour-Form entfernt war. Für den ehemaligen Stunden-Weltrekordler Tony Rominger aus der Schweiz, zu aktiven Zeiten in der Tour immer von Miguel Indurain dominiert, genügten zwei Tage, um Ullrich sogar schon wieder «zum Tour-Favoriten Nummer eins» zu erklären.

Der umhegte Telekom-Kapitän, der in seiner Paradedisziplin am Samstag nur 16 Sekunden auf den lettischen Tagessieger Raivis Belovosiks (Lampre) auf anspruchsvoller Strecke verlor, vermied Prognosen ähnlicher Art und gab sich nach seinen imponierenden Leistungen zurückhaltend. «Ich hatte heute auf das Trikot spekuliert und es hat geklappt. Aber wir werden es nicht auf Biegen und Brechen verteidigen. Ich bin nicht hierher gekommen, um zu siegen. Mit dem Stand meiner Tour-Vorbereitung bin ich zufrieden. Das war heute ein gelungener Test», sagte Ullrich nach dem Zeitfahren.

Anders als die übrigen heißen Kandidaten auf den Toursieg, Vorjahressieger Lance Armstrong (USA) und sein Vorgänger Marco Pantani (Italien), feilt Ullrich noch im Wettkampf an der rechten Verfassung für Frankreich. «Nach der Tour de Suisse, die am Donnerstag zu Ende geht, startet Jan am kommenden Sonntag noch bei den deutschen Meisterschaften», sagte Pevenage, der bei Ullrich, der von März bis Anfang Mai keine Rennen fuhr, auch Fortschritte in der für ihn besonders schwierigen Disziplin der Gewichtsreduzierung registrierte: «Er muss nur noch ein bisschen dünner werden.»

Anfang der kommenden Woche wollen Teamchef Walter Godefroot und Pevenage das neunköpfige Telekom-Tour-Team bekannt geben. Zur maßgeblichen Meinungsbildung trugen beide Teamleiter und die Kapitäne Ullrich und Erik Zabel bei, der am Samstag in Spanien bei der Katalonien-Rundfahrt seinen Saisonsieg Nummer 15 gefeiert und bereits Tour-Top-Form nachgewiesen hatte.

Andreas Zellmer, dpa

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