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Tour de France |
Nach der Absage beim Alpenklassiker Jan Ullrich trainiert "mit kleinen Gängen"
Eine Entwarnung gab vorerst Teamarzt Lothar Heinrich am Sonntag:
«Jan konnte heute relativ beschwerdefrei trainieren, es geht ihm
besser, ich bin optimistisch.» Ullrich habe laut Teamsprecher Olaf
Ludwig am Sonntag «mit kleinen Gängen» am Mont Ventoux trainiert, wo
am 13. Juli die 12. Tour-Etappe endet. Am Donnerstag soll er zurück
nach Merdingen reisen, wo weitere Trainingseinheiten und eine
intensive Untersuchung in der Uniklinik Freiburg anstehen.
«Eigentlich hat Jan durch die Absage in seiner Vorbereitung nur einen
Tag mit voller Belastung verloren. Wir gehen davon aus, dass wir die
Beschwerden in den Griff bekommen werden», sagte Ludwig.
Von den Gala-Vorstellungen seiner vermeintlichen Tour-Konkurrenz
in den französischen Alpen erfuhr Ullrich am Samstag nur aus zweiter
Hand: Jose-Maria Jimenez gewann bei brütender Hitze das 197-km-Rennen
über sieben Berge vor dem vorjährigen Tour-Dritten Fernando Escartin
(beide Spanien) und Tour-Sieger Lance Armstrong (USA). Fast
gleichzeitig erlebte Marco Pantani (Italien) auf der Königsetappe des
Giro d'Italia so etwas wie eine «Wiedergeburt». Armstrong, der vor
einem Monat bei einem Sturz eine Gehirnerschütterung erlitt, war
sichtlich zufrieden mit sich: «Es läuft besser als im Vorjahr zu
diesem Zeitpunkt. Mein Gewicht ist jetzt schon wie beim Tour-
Start'99». Am Sonntag ging er an den Start der Dauphine-Libere-
Rundfahrt.
Im Vorjahr kostete ein Sturz bei der Deutschland-Tour, bei dem
erst Kopfverletzungen und dann später Knie-Probleme diagnostiziert
wurden, Ullrich den Start bei der Frankreich-Rundfahrt. Die
diesjährige Deutschland-Tour sollte dem 26-jährigen im Anschluss
einer zweimonatigen Zwangspause als Folge zweier Infekte zum weiteren
Formaufbau dienen. Rückstände auf der Königsetappe im Schwarzwald und
in seiner Domäne, dem Zeitfahren, dazu noch deutliches Übergewicht,
ließen nicht wenige im Fahrerfeld und unter den Begleitern zweifeln,
ob der Ausnahmeathlet aus Merdingen noch rechtzeitig die Kurve
kriegt.
Ullrich versicherte immer wieder: «Ich schaffe es, rechtzeitig in
Form zu kommen. Es wird von Tag zu Tag besser.» Dabei setzte der
Tour-Sieger von 1997, der bei seinem letzten Auftritt bei der
Frankreich-Rundfahrt 1998 von Pantani entthront worden war, auf das
Gesetz der Serie. Schon oft hat er in seiner Karriere bewiesen,
blitzschnell in die rechte Verfassung kommen zu können. Zuletzt
reichten ihm fünf Wochen, um im Vorjahr nach seinem Tour-Verzicht die
Spanien-Rundfahrt in großem Stil zu gewinnen und anschließend
Zeitfahr-Weltmeister zu werden.
«Er konnte sich morgens nicht die Schuhe zumachen. Er hat noch
kurz versucht zu fahren, stieg dann aber nach dem Start vom Rad. Es
hatte keinen Zweck», schilderte Teamchef Rudy Pevenage seinen Schreck
in der Morgenstunde in Chambery. Heinrich leitete eine kurze
Behandlung ein («zwei Spritzen in den Rücken») und registrierte am
Abend schon eine leichte Besserung bei seinem Patienten. Ullrichs
nächster geplanter Renntermin ist ab 13. Juni die in diesem Jahr
besonders anspruchsvolle Tour de Suisse. Am 1. Juli beginnt die Tour,
und die «wird die Hölle», sagte Godefroot am Sonntag.
Andreas Zellmer, dpa
03.06.00 Absage beim Alpenklassiker: Ullrichs Tourstart gerät in akute Gefahr |