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Tour de France |
Comeback am Dienstag Tour-Countdown für Telekom-Star Ullrich beginnt
Nach zweimonatiger Renn- Abstinenz hat sich der Telekom-Kapitän
bei der sechstägigen Midi- Libre-Rundfahrt durch das Zentralmassiv
einiges vorgenommen. Besonders die Abschnitte am Freitag
(Zeitfahren/26 km) und Samstag nach Lescerou (Königsetappe über
sieben Berge und 184 km) haben es in sich.
Neben fehlender Wettkampfpraxis hat Ullrich im Angesicht der
Weltelite einen weiteren «Rucksack» zu tragen. Noch ist der 26-
Jährige mindestens fünf Kilogramm von seinem Ideal-Gewicht entfernt.
Diese Überbelastung könnte wie ein Bremsfallschirm wirken, aber
Ullrich und seine Entourage haben vorgebaut. «Ich will nur mitfahren.
Das ist mein Einstieg, Siegform habe ich sowieso noch nicht»,
erklärte Ullrich in der vergangenen Woche in einem Interview und sein
ihn betreuender Teamleiter Rudy Pevenage gab die Parole aus «Jan
muss durchfahren. Wenn er abgehängt wird, ist das nicht schlimm.»
Das Gesetz der Serie spricht für den gebürtigen Rostocker, der
mehrmals in seiner sechsjährigen Profikarriere bewiesen hat, dass er
blitzschnell Topform erreichen kann. Seine selbst errechnete
Erfolgskurve soll bis zum Tourstart am 1. Juli in Futuroscope über
die Stationen Midi Libre - Deutschland-Tour - Alpen-Klassiker und
Tour de Suisse stetig nach oben führen. Er selbst ist Realist genug,
um zu wissen, dass nur ein kleiner Zwischenfall schon das erneute
Tour-Aus bedeuten könnte «Mein Zeitplan ist sehr eng». Aber er ist
auch Optimist «Warum sollte ich erneut krank werden? Und an einen
Sturz denke ich sowieso nicht», sagte Ullrich.
Pevenage erinnerte an den August 1999, als Ullrich nach verpasster
Tour de France die Spanien-Rundfahrt ins Visier nahm. «Bei Castillia
y Leon startete er ganz schlecht, anschließend bei der Holland-
Rundfahrt wurde er schon Siebenter und danach gewann er die Vuelta in
großem Stil und wurde dann in Italien noch Zeitfahr-Weltmeister. In
ähnlicher Situation befindet sich Jan jetzt.»
Vom vermeintlichen Kern der Telekom-Tourmannschaft begleiten
Ullrich in Südfrankreich nur Giuseppe Guerini (Italien), Jens Heppner
(Gera), mit dem er zuletzt im heimischen Schwarzwald fleißig
trainiert hatte, und der Kasache Alexander Winokurow. Daneben fahren
Giovanni Lombardi (Italien), die Neulinge Andrej Misurow (Kasachstan)
und Gerhard Trampusch sowie Georg Totschnig (beide Österreich). Bis
auf Toursieger Lance Armstrong (USA), der die Folgen einer
Gehirnerschütterung auskuriert, und die im Giro-Einsatz befindlichen
Italiener ist die Elite der Branche bei der Midi Libre am Start. (dpa)
11.05.00 Interview mit Jan Ullrich: "Ein großes Ding im Jahr ist gut" |