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Tour de France |
Interview mit Jan Ullrich "Ein großes Ding im Jahr ist gut"
dpa: Nach zweimonatiger Trainings-Klausur im Schwarzwald starten
Sie am Dienstag bei Midi Libre in Frankreich Ihr Comeback. Freuen Sie
sich darauf, oder haben Sie ein bisschen Bauchschmerzen, wenn sie an
die Konkurrenz und die schweren Anstiege denken?
dpa: Ihr letztes Rennen fuhren Sie am 15. März. Wie ist Ihre Form?
Ullrich: «Ich fühle mich jetzt etwa so wie im Januar auf Mallorca.
Sicher habe ich noch keine Siegform, aber das kommt schon, wenn alles
gut läuft. Ich habe zuletzt 180 bis 200 Kilometer täglich trainiert.»
dpa: Bis zum Tourstart am 1. Juli sind es nur noch sieben Wochen.
Ist die Zeit nicht etwas knapp, um sich dort in Topform präsentieren
zu können?
Ullrich: «Das ist jetzt schon sehr eng, das stimmt. In jedem
Dezember nehme ich mir vor, besser ins Jahr zu starten. Aber dann
wurde ich 14 Tage krank, und dann wieder und da setzte ich ohne
Training eben schnell Gewicht an. Ich achte das ganze Jahr extrem auf
mein Gewicht, aber ich kann ja nicht drei Wochen gar nichts essen.
Bis zur Tour müssen noch vier bis fünf Kilo runter».
Ullrich: «Das ist eine Riesenbelastung für den Körper, aber gegen
Krankheiten und die beschriebenen Folgen kann man eben nichts machen.
Das ist wie ein Teufelskreis.»
dpa: Mit der Methode der extrem kurzen Vorbereitung vollführen
Sie auch eine Gratwanderung und sie birgt ein hohes Risiko. Gewinnen
Sie wieder die Tour, war alles top, wenn Sie Zweiter werden, war
alles schlecht. Sehen Sie das ähnlich?
Ullrich: «Mir ist diese Gratwanderung bewusst. Wenn ich ein großes
Ding im Jahr treffe, ist das gut. Aber das wird nicht leichter.»
dpa: Wie sehen ab Dienstag Ihre Stationen bis zum Tourstart aus
und mit welchen Ambitionen gehen sie in die bevorstehenden Rennen?
Pevenage weiter: "Jan muss Midi Libre natürlich auf jeden Fall durchfahren.
Wenn er abgehängt werden sollte, würde uns das aber nicht schocken. Er hat
zuletzt sehr hart trainiert."
Telekom bei Midi Libre
Ullrich: «Ich erwarte, dass meine Form jetzt konstant hochgeht.
Midi Libre ist der Einstieg, die anschließende Deutschland-Tour ist
zum Einrollen, bei der Tour de Suisse will ich dann schon richtig gut
in Form sein. Da hole ich mir den letzten Schliff. Wenn ich in Form
bin, brauche ich bei der Tour de France niemanden zu fürchten.»
dpa: Telekom-Teamchef Walter Godefroot will den Senkrechtstarter
Andreas Klöden, der am Mittwoch seinen Vertrag verlängerte und sich
gleich mit einem Etappensieg bei der Friedensfahrt dafür bedankte,
noch schonen. Sie haben sich für seinen Tour-de-France-Einsatz
eingesetzt und er will auch starten. Hätten sie ihn gerne dabei?
Ullrich: «Wenn er seine gute Frühjahrsform hält und nicht müde
ist, sollte er die Chance nutzen und erhalten. So wie ich 1996 auch
die Chance bekam, und von Bjarne Riis, der dann die Tour gewann, viel
lernen konnte. Andreas hat sich schon im Vorjahr bei der Spanien-
Rundfahrt sicher einiges von mir abgucken können.»
Das Interview führte Andreas Zellmer, dpa
05.05.00 Ullrich bestätigt Comeback am 16. Mai - Klöden Kapitän bei der Vuelta? |