13.03.98 - Jan Svorada (Mapei) gewann am Freitag die dritte Etappe der Rundfahrt
Tirreno Adriatico vor Erik Zabel. Das Tagesgespräch war jedoch
die Disqualifikation der 129 Rennfahrer vom Vortag. Fast die ganze Nacht
zum Freitag über gab es Diskussionen, Forderungen, Drohungen, Bitten.
Die Jury blieb hart: am Freitag mittag ging ein Mini-Peloton mit 51 Rennfahrern
an den Start.
"Das Rennen ist nicht mehr dasselbe", meinte Tagessieger Jan Svorada, der
sich über einen seiner wenigen Siege gegen Erik Zabel freuen konnte,
wenngleich die Jury-Entscheidung die Schlagzeilen beherrscht.
Am Donnerstag disqualifizierten die Organisatoren 129 Rennfahrer,
nachdem diese mit einem "Bummelstreik" gegen die
Vorgehensweise der Jury nach einem Sturz 60 km vor dem Ziel der
2. Etappe protestiert hatten.
Jener Sturz hatte die Rennfahrer, die zum Zeitpunkt des Sturzes im Peloton
ganz vorne waren, bevorteilt. Diese 35 Rennfahrer, darunter
Erik Zabel, Claudio Chiappucci und Weltmeister Laurent Brochard,
konnten einen großen Vorsprung herausfahren, während
der Großteil des Feldes noch damit beschäftigt war,
irgendwie aus dem Knäuel von Rennrädern und -fahrern
herauszukommen. Die 129 später wegen Zeitüberschreitung
disqualifizierten Rennfahrer sahen darin eine Unfairness und
protestierten, indem sie die letzten 50km ganz gemächlich
bis ins Ziel rollten.
"Es gibt einen inoffiziellen Ehrenkodex, der hätte respektiert
werden müssen", sagte Silvio Martinello (Saeco) an die Adresse
der 35 Fahrer an der Spitze. Michele Bartoli: "Ich hätte
ja auch vorne hinfahren können, aber ich habs nicht gemacht."
Claudio Chiappucci, einer der 35 Fahrer vorne, hält dagegen:
"Wir sind ja schon weit vor dem Sturz weggefahren und wir wußten
zunächst gar nichts von dem Sturz. Die Fahrer an der Spitze haben gemacht,
was man von ihnen erwartet. Wenn das die anderen stört- scusi..."
Am späten Donnerstag abend gab es dann Diskussionen und Proteste
bis tief in die Nacht. Die Jury blieb aber hart. Chef-Organisator
Carmine Castellano: "Sie hätten vorher an die Konsequenzen
denken sollen."
Nun werden die weiteren fünf Etappen von Tirreno Adriatico
von nur noch 51 Fahrern bestritten. Castellano: "Mir ist das auch egal, wenn
nur drei Fahrer ins Ziel kommen. Das sind genug fürs Podium."
Das Rennen droht zur Farce zu werden. Mapei hat noch drei Fahrer im
Rennen, Casino fünf. Telekom ist fast noch vollzählig
mit sechs Rennfahrern. Dagegen sind die Mannschaften Saeco,
Mercatone und Asics jetzt überhaupt nicht mehr im Rennen vertreten.
Es fällt schwer, unter diesen Bedingungen noch von einem
regulären Rennen zu sprechen.