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12.03.98 - Telekom- Supersprinter Erik Zabel gewann am
Donnerstag die zweite Etappe von Tirreno Adriatico überlegen
vor Jan Svorada (Mapei). Aber die Sprintentscheidung war am Ende
fast nebensächlich: |
Ca. 50km vor dem Ziel gab es einen Massensturz,
in den über 100 Fahrer verwickelt waren.
Rolf Järmann (Casino), der selbst nicht in den Massensturz verwickelt war
und in der ersten Gruppe mit Zabel ins Ziel kam, schreibt
in seinem Online-Tagebuch
über die Bedingungen in denen es zu dem gigantischen Massensturz kam:
"Heute 1000 Kurven und 2000 Schachtdeckel, die 10 cm
tiefer als der Asphalt sind. Dann noch alles voll
Öl und Staub, gemischt mit Regen, es war
wie bei Holiday on Ice."
Alexander Spezialetti brach sich in dem Sturz das Bein. Ein riesiges
Tohuwabohu entstand, weit mehr als 100 Rennfahrer versuchten ihre
verhakten Räder auseinanderzubringen und irgendwie wieder in
den Rennsattel zu kommen. Die Fahrer und die sportlichen Leiter baten
die Jury sofort, das Rennen zunächst zu neutralisieren bis
einigermaßen reguläre Bedingungen wiederhergestellt waren.
Als die Renn-Jury dies rundherum ablehnte, traten fast 150 Rennfahrer
in einen "Streik", fuhren im Bummeltempo Richtung Ziel.
Das große Fahrerfeld kam schließlich 26 Minuten nach Etappensieger
Zabel ins Ziel -und damit fünf Minuten zu spät, denn das
Zeitlimit lag bei 21 Minuten.
Die Jury zögerte nicht: 129 Rennfahrer wurden wegen Zeitüberschreitung
aus dem Rennen genommen. Unter den Ausgeschlossenen Gianni Bugno,
Michele Bartoli, Maurizio Fondriest und viele andere Topstars.
Am Freitag dürften somit nur noch 51 Fahrer starten, wenn die Jury
diese mehr als merkwürdige Entscheidung nicht wieder zurücknimmt.
Möglich ist auch, daß die in der Wertung verbliebenen Fahrer
aus Solidarität am Freitag auch nicht an den Start gehen. Die Renn-Jury
wäre wohl gut beraten, es soweit erst gar nicht kommen zu lassen.
Die Organisation der italienischen Profi-Radrennfahrer (ACCPI) hat
noch am Donnerstag abend einen scharfen Protest geäußert und
von der Rennleitung gefordert, alle Rennfahrer wieder in die Wertung zu nehmen. Der Ausschluß
von 70 Prozent der Rennfahrer, so die ACCPI, schade den Rennfahrern,
ihren Sportgruppen und der ganzen Organisation von Tirreno Adriatico.