BERLIN, 17.12.03 (dpa) -
Ex-Radprofi Dietrich Thurau hat Doping eingestanden
und würde auch für die heutige Generation von Fahrern diesbezüglich
«bestimmt nicht» die Hand ins Feuer legen.
«Wir haben alle was
genommen. Aber ich kann von mir sagen, dass ich es zum Glück immer
unter Kontrolle hatte», sagte der seit 1989 nicht mehr aktive Thurau
in einem Interview mit den «Stuttgarter Nachrichten» (Donnerstag-
Ausgabe).
Mit einer «normalen Ernährung» sei bei längeren Rundfahrten
nicht weiterzukommen: «Sonst gehst Du nach sieben Tagen in die Luft.
Du wirst zwangsläufig mit Doping konfrontiert, wenn Du ans Limit
kommst.»
«Was auf keiner Dopingliste steht, ist auch kein Doping. Da bewegt
man sich ständig im Grenzbereich - aber heutzutage wenigstens unter
ärztlicher Kontrolle», sagte Thurau. In seiner Karriere war der heute
49-jährige Frankfurter, der 1977 für 15 Tage im Gelben Trikot bei der
Tour de France fuhr, mehrmals bei Doping-Kontrollen mit positiven
Werten aufgefallen.
Nach dem Karriere-Ende von Jan Ullrich und Erik Zabel befürchtet
der Immobilien-Händler Verhältnisse wie im Tennis nach den
Rücktritten von Boris Becker und Steffi Graf. «Nach Ullrich und Zabel
wird nicht mehr viel kommen. Die zwei sind so ziemlich die letzte
Generation, die noch aus der Kaderschmiede der DDR stammt. Die gibt
es nicht mehr und damit auch kaum Talente. Unser System ist zu
lasch», sagte «Didi» Thurau, der in den 70er Jahren durch seine
Erfolge einen ähnlichen Boom ausgelöst hatte wie Ullrich nach seinem
Toursieg 1997.