Internationale Thüringen-Rundfahrt
Judith Arndts Renn-Tagebuch
Die beste deutsche Rennfahrerin beim wichtigsten deutschen Frauen-Rennen
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Die Leipzigerin Judith Arndt (Equipe Nürnberger) ist die zurzeit
beste deutsche Rennfahrerin. In diesem Jahr gewann die
26 Jahre alte Weltranglisten-Vierte bereits u.a. zum zweiten Mal
hintereinander die bedeutende Tour de l'Aude in Südfrankreich.
Von der Thüringen-Rundfahrt (22.- 27.07.), eine der international wichtigsten Frauen-Rundfahrten,
berichtet Judith Arndt in einem persönlichen Rennfahrer-Tagebuch.
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7. und letzte Etappe
Mit Lachkrampf kann man nicht treten
27.07.03. Um ein schnelles Fazit zu ziehen Anstatt im gelben Trikot Champagner in
rauhen Mengen zu schlürfen, bin ich nur vierte und hab zum ersten Mal in meinem
Leben Herpes am Mund. Das hatte ich mir schon alles etwas anders vorgestellt....
Also die letzte Etappe hätten wir uns eigentlich sparen können, denn an der
Gesamtwertung hat sich nichts mehr geändert. Ich freu mich allerdings sehr für
die heutige Etappensiegerin, Kimberly Bruckner vom Team T-Mobile. Mit ihr bin
ich letztes Jahr zusammen bei SATURN gefahren und schätze sie sehr, als Mensch
sowie als Rennfahrerin.
Um mal kurz den Rennverlauf zu schildern 11 Uhr Start in Gera auf dem
Marktplatz (nirgendwo Dixie-Klos.........), dann eine mehr oder weniger gebummelte
erste Rennhälfte (ist eigentlich ganz schön, nur daß die Kilometer dann gar
nicht vergehen), Hitze, und am Ende dann schließlich die erwarteten Attacken von
allen, die sich noch etwas in der Gesamtwertung ausrechneten und das waren
nicht wenige. Besonders die beiden auf Rang 2 und 3 liegenden Fahrerinnen von
BIK-Powerplate, Ljungskog und Carrigan, setzten alles daran, Polkhanova das
Trikot noch auszuziehen (Das hört sich ja an..... Bitte nicht falsch verstehen ;-),
aber sie und ihr Team haben ihren ersten Platz souverän verteidigt.
Auch wir hatten noch Ambitionen, denn meine 39sec Rückstand war ja keine
aussichtslose Situation, doch ich glaube, meine Attacken waren eher kläglich...
Nach 110km hatten wir dann Ziel in Zeulenroda, wo sich vermutlich die gesamte
Stadt am Zielbereich versammelt hatte. Es waren wirklich unheimlich viele
Leute, die sich der knallenden Sonne ausgesetzt hatten, um unseren Zieleinlauf zu
sehen. War schön!
Ich hab ja heute auch noch eine lustige Story... Also, wir fahren gerade
berghoch und da sehe ich einen jungen Mann (der Bruder einer Fahrerin aus dem
Peleton) am Straßenrand stehen. Mutterseelenallein und mit so einer pinken
Riesen-Winkehand von Telekom oder so. Sieht man auch oft in grün... Na jedenfalls
fand ich das schon irgendwie komisch, allein schon den Fakt, sich ganz alleine
mit diesem Teil dort hinzustellen, und als wir dann näher kommen, rennt er los
und guckt zu uns anstatt nach vorne... und stürzt mit seiner riesigen Hand
kopfüber in den Straßengraben. Wenn ich das jetzt schreibe, kriege ich immer noch
Lachanfälle. Ich kann nur eins sagen Wenn man beim Radfahren einen Lachkrampf
kriegt, kann man nicht mehr treten.Trixi und ich haben bestimmt 30 Plätze
verloren, bis der Berg zu Ende war. Man kann sich ja in sowas auch
reinsteigern... Die Fahrerinnen, die mich überholt haben, dachten höchstwahrscheinlich, ich
heule, weil es mir so schlecht geht oder so, jedenfalls haben sie mich
angefeuert und mir Mut gemacht, aber das hat mich nur noch hysterischer gemacht.
Um meinem Tagebuch jetzt mal ein seröses Ende zu setzen Ich bin froh, daß
die Rundfahrt vorbei ist, denn sie war sehr schwer. Wir haben hart gearbeitet,
gekämpft und fast alles richtig gemacht. Deswegen können wir mit dem vierten
Platz und einem Etappensieg auch zufrieden sein. Sehr stolz waren wir, als wir
das Mannschaftszeitfahren gewonnen haben. Das hat mich persönlich auch sehr
glücklich gemacht. Ich bin froh, daß ich Teil dieser Mannschaft bin und freue
mich schon auf die nächsten Rennen.
Beim Tagebuchschreiben hatte ich übrigens auch Spaß, und das ist gut, denn
mit Spaß geht alles leichter!
In diesem Sinne bis bald,
Judith
5. und 6.Etappe
Mit Eminem ins Zeitfahren
26.07.03. Je länger eine Rundfahrt geht, desto leerer wird man im Kopf. Ich möchte mal wissen, wie sich die Männer nach 3 Wochen Tour fühlen.
Man gerät irgendwie in so einen Trott und lebt in einer Welt, in der es sich nur noch um Radfahren dreht. Schlimm, eigentlich... Irgendwann interessiert man sich auch gar nicht mehr für irgendwas anderes und sogar das Lesen wird zu anstrengend. Manchmal hab ich schon Angst, zu verblöden....
Heute war ein langer Tag mit zwei Etappen. Die erste war ein 73km langes Straßenrennen von Schleiz nach Gera. So kurze Rennen sind immer besonders schnell und hektisch. Da kann sich jeder nochmal aufraffen und versuchen, was abzukriegen. So jagte eine Attacke die nächste und am Schluß kam es dann doch zum Massensprint, den die Holländerin Debby Mansveld gewann.
Ich habe versucht, mich etwas zu schonen, denn abends wurde dann in Schmölln noch ein Zeitfahren veranstaltet und zwar auf einer 17km langen Runde, an die ich überhaupt keine guten Erinnerungen hab. Jedes Jahr hatte ich dort übelst schlechte Beine und das setzt sich natürlich dann irgenwann auch im Kopf fest und man muß aufpassen, dass man nicht anfängt, sich die schlechten Beine nur einzureden....
Bevor es losging, mußten aber noch 7 Stunden überbrückt bzw. totgeschlagen werden. Zuerst gab es Mittag, da ging schon mal eine Stunde für drauf. Die nächsten 4 Stunden habe ich in einer Turnhalle verbracht, in der ungefähr 100 Feldbetten aufgestellt waren. Da konnten also alle Fahrerinnen gemeinsam die Stunden zählen, bis es endlich weiterging. Jeder verbringt ja so ne Leerlauf-Zeit verschieden. Manche schlafen, andere lesen, wieder andere rotten sich zusammen und tratschen (wahrscheinlich über die, die gerade schlafen -) und manche liegen einfach nur da und starren an die Decke. Ich habe Musik gehört. Zuerst so einen 80er Mix und dann Eminem. Man muß ja schließlich wenigstens ein bißchen Agressivität aufbauen vor einem Zeitfahren... Nicht, daß man noch einschläft, wenn man so auf dem Zeitfahrlenker liegt... Aber Spaß beiseite, ich brauch immer Musik, um mich in die richtige Stimmung zu bringen, und auch um mich von der Außenwelt abzuschirmen, denn ein Zeitfahren bedarf schon einer gewissen Konzentration. Vor allem auch beim Warmfahren, womit ich mich dann die restlichen 2 Stunden befasst habe, braucht man seine Ruhe und da kommen Autogramm- oder Interwievwünsche doch eher ungelegen. Oder jemand mit Fotoapparat und "Setz mal bitte die Brille ab und lächle freundlich" und solche Sachen stören doch schon beträchtlich die Vorbereitung.
Wie auch immer, schließlich stand ich am Start.... und wünschte mich zurück in die Turnhalle in mein Feldbett. Echt, ich fühl mich immer wie Wegrennen, wenn ich dann endlich am Start stehe und die Uhr rückwärts rennt! Als ich noch Bahn-Verfolger war, war dieses Gefühl noch extremer. Die Nerven zum Zerreißen gespannt.... Ich überlege dann immer, was eigentlich passieren würde, wenn ich einfach wieder absteige und gehe... Da würden vielleicht alle gucken!!
Na ja, also dann wurden die letzten 5 Sekunden auch noch laut mitzählt und dann gings los.
Das Zeitfahren ausführlich zu beschreiben erspare ich mir jetzt mal. "Kopf runter und treten" sagt eigentlich alles.
Am Ende war ich dritte und im Gesamtklassement immer noch vierte. Ist aber alles wieder enger zusammen gerückt. Die ersten fünf liegen alle innerhalb einer Minute...
Es ist jetzt kurz vor halb zwölf und ich mir fallen gleich die Augen zu. Hoffentlich schaff ich es noch vorher ins Bett. So ein Bett ist schon ne schöne Erfindung... Aber ich muß sagen, das Feldbett heute war auch nicht schlecht! Nur die Toilette war so weit weg... Man hätte vielleicht noch 100 Dixie-Klos mit in die Turnhalle quetschen sollen. Ich bin sowieso dafür, daß man im Starbereich eines Radrennens genügend Dixie-Klos bereit hält.... Aber das ist ein Thema, das man ja auch zu einem anderen Zeitpunkt diskutieren kann.
Nacht,
Judith
4.Etappe
"..würd' ja lieber Tour gucken"
25.07.03. Eines der schlimmsten Dinge, die einem Radsportler passieren können, ist, wenn man denkt, man fährt gerade richtig schnell berghoch und dann dreht man sich um und sieht, daß noch mindestens 100 Mann dranhängen..... Das ist mir heute leider passiert....
Die heutige Etappe führte von Greiz nach Schleiz und war 105km lang. Es war wieder ein sehr schnelles Rennen. Gestern hatten wir ja einen Schnitt von über 41km/h. Das ist ziemlich zügig für so ein anspruchsvolles Terrain wie Thüringen. Ich habe das Ergebnis von heute noch nicht gesehen, aber ich denke, der Schnitt war wieder in etwa so.
Die zweite Hälfte der Etappe war extrem bergig (Ich erinnerte mich an eine Stelle, an der letztes Jahr Leute standen, die ganz gehässig gerufen haben "Ha ha, geht noch ganz lange berghoch!" Fand ich nicht so lustig.) und die zwei momentan wohl stärksten Fahrerinnen des Feldes konnten das für sich nutzen, und zwar attackierte die Weltmeisterin Susanne Ljungskog aus Schweden und nur die Russin Valentina Polkhanova konnte mitgehen. Die beiden sind auch zusammen ins Ziel gekommen, und somit ist Polkhanova nun die neue Trägerin des gelben Trikots.
Ich hatte heute keine guten Beine. Jedenfalls nicht wenn es berghoch ging.
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Es ist manchmal sehr eigenartig, was einem so durch den Kopf geht, wenn man sich quält. Manchmal ist es die ganze Zeit irgendein dummes Lied, manchmal auch was ganz absurdes, was gar nichts damit zu tun hat, was man gerade macht. Heute mußte ich die ganze Zeit an Giovanni Trappatoni, diesen Fußball-Trainer, der mal Bayern gecoacht hat, denken. Und zwar an diesen Satz " Strunz!!!! Strunz spielen wie Flasche leer!". Kennt bestimmt jeder! Na und dann habe ich mir immer unseren Teamleiter Jens vorgestellt, wie er aufgeregt vor der Kamera rumfuchtelt und schreit "Arndt.... fahren wie Flasche leer!!!!!". Irgendwann habe ich mich dann aber wieder zusammen gerissen und mich aufs Treten konzentriert.
Jedenfalls hatte
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Foto: Roth
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das Ausreißerduo zwischenzeitlich mal 1.30min Vorprung, aber wir konnten sie noch mal auf 51sec zurückholen. So liegen die ersten vier im Gesamtklassement nun innerhalb einer Minute. Das wird noch sehr spannend, und ich denke, daß ich als momentan vierte immer noch eine kleine Chance habe. Man darf nie aufgeben, bevor man zum letzten mal den Zielstrich überquert hat!
Heute wird für mich das allabendliche Essen mit der Mannschaft ausnahmsweise mal ausfallen, denn ich bin mit meinen Großeltern verabredet, die hier in der Nähe leben. Ich sehe sie quasi nur einmal im Jahr und das ist hier bei der Rundfahrt. Deswegen ist immer ein Abend für sie reserviert. Das ist schon richtig Tradition!
Lang wird der Abend allerdings nicht werden, denn morgen muß ich schon um 6 Uhr frühstücken, da die erste Halbetappe schon um 9 Uhr losgeht (Man ißt immer so ungefähr 3 Stunden vor einem Rennen). Am Nachmittag ist dann noch ein Zeitfahren, aber ich finde, wir solten das ausfallen lassen, denn erstens kann ich Zeitfahren nicht leiden und zweitens würde ich viel lieber das Zeitfahren der Tour im TV angucken. Also ich würde mich sehr ärgern, wenn Ullrich morgen die Tour gewinnen würde und ich hätte es nicht live gesehen!
Aber wir sind ja nicht bei Wünsch-Dir-Was, ich weiß schon....
Und so wünsche ich allen, die morgen kein Rennen fahren müssen, eine erlebnisreiche Freitagnacht und dann ein schönes Wochenende. Laßt die Puppen tanzen, wie man so schön sagt!!!!
Tschüß,
Judith
3.Etappe
"Man fühlt sich wie ein Sklaventreiber"
24.07.03.
Um es gleich mal vorweg zu nehmen Heute gab es leider kein KÖSTRITZER Schwarzbier, weil: Keine Dopingkontrolle für mich, weil gelbes Trikot verloren.
Deswegen sitze ich nun vollkommen nüchtern am Computer, das ist vielleicht ein komisches Gefühl!! (Kleiner Scherz, natürlich.) Aber mal ganz im Ernst, nach einem Bier war ich immer schon ziemlich hinüber, und es war gar nicht so einfach, die Dopinkontrolle konzentriert zu erledigen und vor allem den Becher zu treffen.
Also, wie schon gesagt, das Gelbe ist weg, dafür darf ich morgen das weiße Trikot, welches die beste Sprinterin im Peleton kennzeichnet, tragen.( Lachen erlaubt!) Ich sprintete ja gestern bei den Sprintwertungen mit, weil es dort nämlich Bonussekunden gibt und im Gesamtklassement alles noch ganz eng beieinander lag.
Das sieht nach der heutigen Etappe schon ganz anders aus. Es ging von Hermsdorf nach Greiz über 106km. Bald nach dem Start fing es an zu regnen wie verrückt. Das war dann ungefähr so wie blind Tretboot zu fahren.
Dann griff die russische Mannschft Velodames-Colnago an, und zwar im Doppelpack. Die haben das echt drauf und wenn sie einmal weg sind, sieht man sie nie wieder. Nach ein paar Kilometern stießen noch zwei Fahrinnen vom Team Stuttgart zu den beiden Russinnen und damit war die Spitzengruppe, die es zu jagen galt, komplett.
Für meine Teamkameradinnen fing damit eine Tortour an. Hanka, Petra, Madeleine, Trixi und Margeret haben alles gegeben was sie hatten, aber es war unmöglich, diese Gruppe wieder zu stellen. Ich selbst durfte ja nicht mitarbeiten, da am Ende der Etappe noch ein Berg kam und ich meine Kräfte dafür schonen mußte. So verbrachte ich die Zeit mit dem Anfeuern meiner ackernden Teamgefährtinnen und erinnerte sie dran, genug zu essen und zu trinken (vergißt man manchmal, wenn man zu sehr beschäftigt ist, und wenn man am Limit fährt, ist es sowieso eher unangenehm sich noch was in den Mund zu stecken, zu kauen und zu schlucken). Manch einer denkt jetzt vielleicht, ich hab mir nen faulen Lenz gemacht und mich gefreut, meine Teamkameradinnen schuften zu sehen. Aber ich kann euch sagen Man fühlt sich ganz mies, so wie ein Sklaventreiber, wenn man sieht, wie sich seine Freunde abbuckeln und toatl erschöpft sind, und wenn sie dann kurz vor dem Abfallen sind, schreit man sie nochmal an, dass sie noch ein weiteres Mal durch die Führung gehen müssen... Ich hab dann immer ein ganz schlechtes Gewissen und hoffe, daß keine kollabiert und ich dann schuld dran bin...
Zurück zum Radrennen.... Wir bekamen dann noch Hilfe vom BIK-Powerplate-Team, das ebenfalls nicht so happy mit der Spitzengruppe war.
Jedenfalls hatten wir dann am Fuße des letzten Anstieges noch ungefähr 2min Rückstand und die Arbeit für mein Team war erledigt. Nun lag es an mir, mit den Guten den Berg hochzukommen. Um es kurz zu fassen Ich hab es nicht ganz geschafft. Drei Fahrerinnen mußte ich ziehen lassen und war dahinter in einer 6er-Gruppe. In der Gruppe waren auch Tina Liebig und Theresa Senff vom Team Euregio-Egrensis und an dieser Stelle möchte ich mich bedanken, dass sie mitgeholfen haben, die drei Fahrerinnen vor uns wieder einzuholen.
Wir haben sie 100m vor dem Ziel eingeholt. Spannung, pur denkt man da. Wenn ich zurückdenke, denke ich nur SCHMERZEN, PUR!!!
Also, um noch ein paar Fakten zu nennen die Etappe gewonnen hat Christiane Soeder und in Gelb fährt morgen Youlia Raszenkowa. Sie hat 38sec Vorsprung im Gesamtklassement auf mich. Noch ist nichts verloren!
Danke nochmal an alle aus unserem Team für ihre Arbeit. WAR KLASSE!!
Zum Schluß möchte ich noch verraten, was ich heute gelernt habe. Man lernt ja bekanntlich nie aus.... Also Ich esse nie im Leben wieder Tomatensoße zum Mittag, denn die kommt einem noch 6 Stunden später wieder hoch!
Mahlzeit und bis morgen,
Judith
2.Etappe
"Nicht an meinem Geburtstag!"
23.07.03. Falls es irgendjemand nicht weiß Heute ist mein Geburtstag! :-) Geburtstage sind ja insofern schon mal sehr angenehm, weil sich jeder besonders viel Mühe gibt nett zu sein... Nee, aber mal im Ernst, ich habe so viele schöne Geschenke und liebe Anrufe bekommen! Danke an alle, die mich glücklich gemacht haben.
Es gab allerdings auch "bösartige" Geschenke... Bei uns im Team ist es allgemein bekannt, dass ich Bananen nicht ausstehen kann. Und was habe ich gekriegt? Lauter Bananen!!! Und auch noch mit zweideutigen Sprüchen versehen....
Eines meiner schönsten Geschenke will ich auch noch schnell nennen Unsere schwedische Mitstreiterin, Madeleine Lindberg, hat mir einen kleinen "Glückwunschbrief" geschrieben, und zwar auf deutsch. Dazu muß man sagen, wir reden sonst immer englisch miteinander, aber anscheinend hat sie durch notgedrungenes Zuhören unserer deutschsprachigen Konversationen wohl genug aufgeschnappt, um diesen süßen und lustigen Brief zu verfassen. Hat mich sehr zum Lachen gebracht!
Leider bestand der heutige Tag nicht nur aus Festlichkeiten, sondern auch aus Arbeit. Heute war nun also die zweite Etappe der Thüringen-Rundfahrt, ein Straßenrennen über 128km von Zeulenroda nach Hermsdorf. Also ich muß ja sagen, in der Renn-Biebel (damit ist das Rundfahrt-Buch gemeint, in dem beispielsweise alle Etappen genau beschrieben werden, wann es wie lange hoch und runter geht usw.) sah das alles viel leichter aus! Es war wirklich ein fürchterliches Auf und Ab und Kopfsteinpflaster auch noch, und dann noch diese Hitze! Aber ich will ja nicht rumjammern.
Das Rennen ging schon sehr schnell los, und nach ca. 20km hatte sich dann eine Spitzengruppe mit erst 10 und schließlich 14 Fahrerinnen gebildet, die bis zum Ziel zusammenblieb.
Von uns war unglücklicherweise nur ich dabei. Das heißt aber nicht, dass der Rest von uns das nicht drauf hatte, sondern sie waren nur zur falschen Zeit am falschen Ort. Sowas passiert, man braucht auch oftmals Glück im Rennen.
Es war natürlich eine sehr heikle Situation für uns, denn manche Teams waren sogar zu dritt in der Gruppe vertreten und somit in der beneidenswerten Situation abwechselnd zu attackieren und mich (und andere "Singles") kaputt zu fahren. Haben sie auch versucht, aber ich dachte mir HA! NICHT AN MEINEM GEBURTSTAG! Nee, Quatsch, es war natürlich so, dass ich mich mit Händen und Füßen gewehrt habe und letztendlich froh war, das Ziel zeitgleich mit der Siegerin, Chantal Beltman (Acca due-Team), zu erreichen. Gelbes Trikot verteidigt!
Natürlich hatten wir uns das alles etwas anders vorgestellt, denn wir haben unsere gute Ausgangsposition, die wir durch den Sieg im Mannschaftszeitfahren hatten, verspielt. Aber ich denke, es ist kein Grund die Flinte ins Korn zu schmeißen, denn noch haben wir das Gelbe und morgen werden wir wieder alle dafür kämpfen, es zu behalten. Rennen, die nicht nach Wunsch verliefen, muss man am besten gleich abhaken.
Bevor ich aber meinen Kampf-Anteil morgen bringen kann, brauch ich erst mal `ne Massage. (Ich hoffe, es wird `ne extra-lange Geburtstagsmassage....)
Also danke nochmal an alle, die mir heute so viel Freude bereitet haben. Eigentlich Mist, daß ich morgen nicht nochmal Geburtstag habe....
Ach so, und bevor ich es vergesse Ich wollte nochmal das leckere KÖSTRITZER Schwarzbier loben, das ich jeden Tag (morgen hoffentlich auch noch...) bei der Dopingkontrolle bekomme. Das macht die Sache doch richtig angenehm!
Prost!
judith
1.Etappe
Wunderbares Gefühl
Heute gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Ich fang mit der guten an: Wir haben das Mannschaftszeitfahren gewonnen! Die schlechte gleich hinterher: Ich habe meinen Ohrring verloren.... Es sind doch manchmal so kleine Dinge, an denen man sehr hängt und wenn sie fort sind, man ganz schön traurig ist.
Ich komm lieber wieder auf die gute Nachricht zurück.. Also, das war eines der besten Mannschaftszeitfahren, die ich jemals gefahren bin! So schön gleichmäßig, das hat es wirklich gebracht. Es ist nämlich gar nicht so einfach, 6 Fahrerinnen unter einen Hut zu bringen, denn jede hat andere Stärken und Schwächen. Manche haben Probleme, gleichmäßig zu fahren. Andere wiederum haben Angst den Berg runter zu fahren. Und die schlimmste Sorte sind die, die beim Berg hoch fahren keine Schmerzen verspüren. Hat halt auch jeder einen anderen Fahrstil. Heute allerdings haben wir alle nahezu perfekt zusammengearbeitet. Das macht mich sehr glücklich. Es ist eines der wunderbarsten Gefühle, die ich kenne, wenn man einen Sieg gemeinsam erringt und sich alle gemeinsam freuen. Manchmal bin ich echt neidisch auf Mannschaftssportarten, wie Fußball oder so!
Gefreut habe ich mich auch, als ich nach dem Rennen gesehen habe, wie froh und erleichtert Hanka war. Sie hatte sogar Tränen in den Augen. Sie war so lange verletzt und krank und es lief einfach alles nicht so rund bei ihr. Das nagt schon am Selbstvertrauen. Heute ist sie aber so stark gefahren, und das vor heimischen Publikum. Sie stammt ja von hier, und als sie aufs Podium kam, sind die Zuschauer fast ausgeflippt. War schön zu erleben!
Freud und Leid liegen aber bekanntermaßen dicht beieinander, und in dem Fall meine ich Petra, die immer noch durch einen Sturz bei der Deutschen Meisterschaft gehandicapt ist. Sie hat eine Verletzung an der Schulter und kann kaum den Lenker festhalten. Sie ist ziemlich niedergeschlagen darüber und kommt sich etwas nutzlos vor. Ist aber Quatsch, denn sie ist diejenige, die die Mannschaft zusammenhält und sehr viele positive Impulse gibt. Was wären wir ohne sie....? Ich werde ihr das nochmal sagen!
So neigt sich ein sehr emotionsgeladener Tag dem Ende zu.
Morgen fahre ich nochmal zu der Stelle, wo wir uns nach dem Rennen umgezogen haben. Vielleicht liegt mein Ohrring da ja noch irgendwo...
Gute Nacht
Judith
Vor dem Start
Trainiert - und Ulle geguckt
Jedes Jahr, wenn ich zur Thüringen-Rundfahrt anreise, fühle ich mich, als ob ich in den Urlaub fahre. Es ist so schön hier und die Menschen so freundlich, und dieses Jahr wohnen wir auch in einem richtig tollen Hotel, dem Seehotel in Zeulenroda (Sehr empfehlendswert! Zimmer mit Seeblick...!)
Morgen wird das Urlaubsgefühl jedoch schlagartig verschwinden, denn die erste Etappe der Thüringen-Rundfahrt steht an, ein Mannschaftszeitfahren über 27,5km. Das wird bestimmt nicht so lustig, denn erstens ist Mannschaftszeitfahren etwas, was man nicht so oft macht und zweitens wird es für den Großteil der Mannschaft das erste Rennen nach einer dreiwöchigen Wettkampfpause sein.
Um sich also ein bißchen einzustimmen und zueinander zu finden, hat sich unsere Mannschaft, die
Equipe Nürnberger Versicherung , schon heute um 13 Uhr in Zeulenroda getroffen. Bevor wir trainieren gefahren sind, haben wir aber erst mal Tour de France geguckt. Das bringt nämlich ganz schön Motivation.... Jedes mal, wenn ich Ullrich fahren sehe, wünsche ich mir, dass ich das auch so gut kann... Heute hat er mir aber leid getan. Es ist so ein häßliches Gefühl, wenn am Berg jemand antritt und man kommt nicht mit. Na ja, aber schön gekämpft hat er ja.
Also, nachdem die Tour-Etappe vorbei war, sind wir dann trainieren gefahren und zwar die Strecke vom morgigen Rennen. Ganz schön ungemütlich... Sehr technisch, aber das ist eben Thüringen Hoch und runter, links und rechts. Liegt mir persönlich nicht so, aber ich fahre hier trotzdem immer sehr gern, denn es ist eben fast zu hause (ich habe auch viele Verwandte, die hier wohnen) und außerdem super organisiert.
Nach dem Training waren wir dann zum Abendessen, und danach mußten vier von uns zur Dopingkontrolle. Ich dachte erst, mich will jemand auf den Arm nehmen, denn heute morgen hatte ich schon mal Besuch von den Dopingkontrolleuren...na ja, doppelt hält besser!
Nun ist schon fast Bettzeit. Hoffentlich kann ich schlafen. Damit habe ich nämlich so meine Probleme vor Radrennen. Vor allem vor wichtigen Events, wozu die Thüringen-Rundfahrt auf jeden Fall gehört, denn als deutsches Team möchte man bei Rennen in Deutschland natürlich besonders gut aussehen und für seinen Sponsor ordentlich Werbung betreiben.
Na es wird schon werden, bis jetzt war dieses Jahr ziemlich erfolgreich für uns und ich hoffe, dass die zweite Hälfte der Saison genauso gut verläuft. Oder sogar noch besser....?
In diesem Sinne bis morgen,
judith ;-)
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