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Erfolgreiches Wochenende für Team Telekom
Klöden fühlt sich nicht als "neuer Ullrich"
Übergewichtiger Jan Ullrich ganz der Alte

12.03.00 - Telekom kann auch ohne Jan Ullrich Rennen gewinnen. Das Bonner Team erlebte mit dem Etappen- Sieg von Erik Zabel bei Tirreno-Adriatico und dem sensationellen Gesamterfolg von Andreas Klöden bei Paris-Nizza das spektakulärste Wochenende des Jahres. Dass Mannschafts-Kapitän Jan Ullrich wieder einmal mit einigem Übergewicht seiner Form hinterherfährt und zu schwach ist, um beim Weltcup-Auftakt in einer Woche dabei zu sein, rückte so in den Hintergrund.

Mannschafts-Kapitän Ullrich kann sich Zurückhaltung leisten. Alle Zeichen deuten darauf hin, dass der Toursieger von 1997 auch in diesem Jahr - zum dritten Mal in Folge - auf das erste Weltcup-Rennen Mailand-San Remo am kommenden Samstag verzichtet. «Er wird keinem einen Platz wegnehmen, wenn es zurzeit bei uns stärkere Fahrer gibt. Jan hat ja andere Prioritäten», sagte Teamchef Rudy Pevenage.

In Frankreich wurde Klöden schon nach seinem Sieg im 10,2 km langen Zeitfahren am Samstag auf den Col d'Eze etwas überschwänglich als «neuer Ullrich» gefeiert. Der Vergleich stammt von Michel Gros, dem sportlichen Leiter von Ex-Weltmeister Laurent Brochard (Frankreich), dem Klöden die Show stahl und das Weiße Trikot des Spitzenreiters bei der renommierten Rundfahrt nahm. Auch am Sonntag verteidigte der 24-jährige Berliner, 1996 WM-Dritter im Zeitfahren und seit 1998 Profi an der Seite Ullrichs, den Sieben-Sekunden- Vorsprung und folgte Rolf Wolfshohl, der das «Rennen zur Sonne» als bisher einziger Deutscher 1968 gewann. Die Abschluss-Etappe in Nizza über 160 km gewann der Belgier Tom Steels.

Der gefeierte Newcomer gibt sich ganz bescheiden und drückt auf die Bremse. «Das mit dem zweiten Ullrich ist Quatsch. Das ist hier zwar eine gutbesetzte Rundfahrt, aber eben nicht die Tour, der Giro oder die Vuelta. Ich habe schon im Prolog und bei den ersten Bergen gemerkt, dass es bei mir gut läuft, ich drehe jetzt aber nicht durch. Die Katalanische Woche ist mein nächstes Rennen», sagte Klöden vor dem Start zur letzten Etappe. Nach einem Tagessieg im Vorjahr bei der Portugal-Rundfahrt waren die Überraschungs-Erfolge vom Wochenende seine Profi-Siege Nummer zwei und drei - und der große Durchbruch. Teamchef Walter Godefroot schwärmte «Sensationell. Noch nie hatte ich zu diesem Zeitpunkt des Jahres so viel starke Fahrer.»

Zabel feierte am Samstag beim parallel laufenden Tirreno-Adriatico seinen fünften Saisonsieg in Luco Marsi nach 207 km in klassischer Manier. In einem vorbildlich vorbereiteten Sprint verwies er Mario Cipollini (Italien) und Jan Svorada (Tschechische Republik) auf die Plätze und tat damit vor allem etwas für sein Selbstvertrauen. «Das tut mir gut vor Mailand-San Remo», sagte der Telekom-Topsprinter, der am Samstag die «Classicissima» zum dritten Mal gewinnen kann. Die Chancen stehen in diesem Jahr besonders gut, weil seine Mannschaft so stark wie selten sein wird. «Allerdings werden alle nur auf uns und Erik gucken», fürchtet Pevenage besondere «Manndeckung» zum Weltcup- Auftakt.

Trotz uneingeschränkten Rennbetriebs seit 11. Februar fährt Ullrich zurzeit den Erwartungen etwas hinterher. Eine Magen-Darm- Infekt zu Beginn der Woche brachte ihn zudem etwas aus dem Rhythmus. Aber sein Chef Godefroot hatte für seinen Topangestellten, den auch wieder einige Pfunde plagen, einen speziellen Trost parat Die potenziellen Tour-Konkurrenten Marco Pantani (Italien) und Lance Armstrong (USA), der bei Paris Nizza als Zuschauer nicht schlecht über Klöden staunte, sind noch viel weiter zurück. Die Toursieger der vergangenen beiden Jahre haben es in der laufenden Saison noch nicht einmal auf je 400 Rennkilometer gebracht.

Andreas Zellmer, dpa

Ergebnisse: Tirreno-Adriatico
Ergebnisse: Paris-Nizza



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