13.09.99 - Der Kader des deutschen Erstdivisons-Rennstalls "Team Deutsche Telekom"
für die kommende Saison beginnt Formen anzunehmen. Bislang stehen fünf
Neuzugänge fest. Weltmeister Oscar Camenzind, mit dem Telekom-Teamchef
Walter Godefroot verhandelt hatte, wird unterdessen "zu 90 Prozent nicht" zu dem Bonner
Rennstall wechseln. Dies erklärte Godefroot am Montag
gegenüber RADSPORT-NEWS.COM.
Die Vertragsverhandlungen zwischen Weltmeister Oscar Camenzind (Lampre)
und Telekom sind gescheitert. "Wir waren letzte Woche so verblieben, dass
sich Camenzind bis heute (Montag, die Red.) entscheiden wollte. Heute
hieß es, sie bräuchten noch eine Woche. Für mich heißt
das, wir schauen uns eben nach einem anderen Fahrer um. Vielleicht
wird noch etwas aus der Camenzind-Verpflichtung, aber zu 90 Prozent
kommt er nicht", so Godefroot, der am Montag abend nach Spanien zur Vuelta flog, um
mit dem einen oder anderen Fahrer Gespräche zu führen.
Godefroot: "Einen neuen Fahrer wollen wir noch holen für nächstes Jahr."
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Telekom setzt stark auf den Nachwuchs: Mit Stephan Schreck (bisher Team Köstritzer) ,
dem amtierenden Deutschen U23-Meister Matthias Kessler
(bisher Telekom-U23) sowie dem 21 Jahre alten österreichischen Kletterspezialisten Gerhard Trampusch
(u.a. Vierter bei der U23-EM)
wurden drei Fahrer im Espoir-Alter verpflichtet.
Stephan Schreck aus Erfurt unterschrieb einen Zwei-Jahresvertrag, der ab 1. Januar 2000 läuft.
Der 21-jährige gewann in diesem Jahr u.a. die Thüringen-Rundfahrt und gilt als eines der
größten Talente im deutschen Radsport.
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Stephan Schreck Foto: Hans Will
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Ralf Grabsch (kam von Team Cologne) fährt bekanntlich bereits im Magenta-Dress. Der gebürtige Wittenberger
war eigens für die Vuelta bereits zum 1. September geholt worden, um damit in Spanien etwas Telekoms
Personalnot zu lindern. Der kraftvolle 26-jährige fand sich auf Anhieb gut zurecht
im Ullrich-Team, zeigte sich am Montag etwa lange in einer Ausreißergruppe.
Grabsch und Kapitän Ullrich kennen sich im übrigen gut: Beide kamen
1990 nach Hamburg zu Wolfgang Strohbands damaligen Bundesliga-Team.
Auch der Wechsel von Gian-Matteo Fagnini (Saeco) stand seit langen fest.
Der ehemalige Cipollini-Sprinthelfer wurde geholt, damit er Erik Zabel
auf dem letzten Kilometer die Sprints anzieht. Für diese Helfer-Dienste
wird der 28-jährige fürstlich entlohnt: An die 750.000 DM wird
der Italiener künftig verdienen.
Von den bisherigen Telekom-Profis wird der Italiener Francesco Frattini
seine Karriere beenden. Der 32-jährige hätte bei Telekom einen
neuen Vertrag bekommen, wäre aber nur bei kleineren Rennen zum Einatz gekommen.
Das wollte Frattini jedoch nicht. Der Italiener hat auch eine berufliche
Perspektive: Er wird künftig in einem Reiseunternehmen arbeiten.
Keinen neuen Vertrag bei Telekom bekommen werden Giovanni Lombardi und Dirk Baldinger.
Mit den Leistungen beider Profis ist man bei Telekom unzufrieden. Ein Fragezeichen
steht noch hinter Bjarne Riis. Godefroot am Montag: "Im November
werden wir ein großes Mannschaftstreffen haben. Dann müssen wir mal sehen, ob
Bjarne überhaupt noch weitermachen will."
Unterdessen gibt es ein kleines Verwirrspiel um Raphael Schweda, der bei "Nürnberger" um ein Jahr verlängerte
und einen "Vorvertrag" für das Jahr 2001 bei Telekom vereinbarte. So hieß es zumindest
in einer offiziellen Presse-Mitteilung von "Team Nürnberger".
Wie RADSPORT-NEWS.COM erfuhr, ist man bei Telekom mit dem Begriff
"Vorvertrag" nicht hundertprozentig einverstanden. Es hieß, wenn Schweda bei
Nürnberger eine gute Saison fahre, dann sei man durchaus bereit, ihn zu verpflichten.
Das aber wäre dann freilich kein "Vorvertrag", sondern eine Selbstverständlichkeit...