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64.Tour de Suisse
Marco Fincato bringt Soloflucht erfolgreich ins Ziel
Ullrich weiter im Goldtrikot / Gluthitze im Tessin / Läßt Telekom zuviele Körner?

19.06.00 - Jan Ullrich (Telekom) fährt auch am Dienstag im Goldenen Trikot des Spitzenreiters bei der Tour de Suisse. Der 7. Tagesabschnitt von Locarno nach Lugano über 170,7 Kilometer stand am Montag ganz im Zeichen der rund 35 Kilometer langen Alleinfahrt des Italieners Marco Fincato (Fassa Bortolo). Er erreichte das Ziel in Lugano mit einem
Vorsprung von 21 Sekunden auf die Verfolger Salvatore Comesso (Saeco) und Maarten den Bakker (Rabobank).

Als Scharfrichter der Tour sieht der Merdinger Tour-de-France- Sieger von 1997 nun die kommenden zwei Etappen an. «Es geht nicht unbedingt um den Gesamt-Sieg bei der Schweizrundfahrt. Wichtig ist die optimale Vorbereitung auf die Tour de France», wehrte Ullrich alle voreiligen Glückwünsche vor der am Donnerstag zu Ende gehenden Rundfahrt ab. «Ich habe aber auch keine Angst vor den Angriffen der Konkurrenz», fügte er hinzu. «Ich habe nur ein wenig Sorge, dass die Mannschaft zu schwer belastet wird», sagte Ullrich.

Seine Telekom-Mitstreiter kontrollierten am Montag jederzeit das Geschehen und machten bei Gluthitze in den Bergen jeden Vorstoß von Ullrichs gefährlichsten Konkurrenten zunichte. «Bei den letzten beiden Anstiegen war das Team schon sehr gefordert. Ich bin sehr zufrieden mit dem bisherigen Verlauf», äußerte Ullrich. Oscar Camenzind, der mit 16 Sekunden Rückstand auf Ullrich Platz drei des Gesamtklassements hinter dem Italiener Eddy Mazzoleni belegt, glaubt den Beteuerungen des Telekom-Teams, den Rundfahrtsieg nicht unbedingt anzustreben, nicht: «Wenn sie das Goldene Trikot nicht behaupten wollten, würden sie nicht jeden Vorstoß attackieren», meinte der Schweizer schon ein wenig verzweifelt.

Tagessieger Marco Fincato war am Montag am Ende der letzte "Überlebende" einer Fluchtgruppe, die sich bereits nach 34km gebildet hatte. U.a. waren mit dabei der Italiener Michele Bartoli (Mapei) und der Schweizer Markus Zberg (Rabobank). Als die Ausreißer einen Vorsprung von drei Minuten aufs Feld hatten, reagierte die Polti-Mannschaft, um den zweiten Gesamtrang von Eddy Mazzolieni zu schützen. Nach und nach wurde die Spitzengruppe immer kleiner bis schließlich nur noch sechs Fahrer an der Spitze waren: Bartoli, Zberg, Fincato, der Belgier Chris Peers (Cofidis), der Italiener Fausto Dotti (Liquigas) und der norwegische Gerolsteiner-Profi Svein-Gaute Holestol. 35km vor dem Ziel, am Anstieg von Pedrinate (424m) attackierte dann Fincato und wurde bis ins Ziel nicht mehr gestellt.

Der 29 Jahre alte Marco Fincato, der seine Profikarriere 1996 im Roslotto-Team begann, fuhr später zwei Jahre bei Marco Pantanis Mercatone Uno-Truppe, wurde jedoch durch Verletzungen oft zurückgeworfen. "Ich konnte leider nie für Pantani beim Giro oder der Tour de France fahren", sagte Fincato mit Bedauern. Im weiteren Verlauf der Tour de Suisse wird sich der Etappensieger von Lugano in den Dienst seiner Kapitäne Wladimir Belli und Dario Frigo stellen. Auf Letzteren tippt übrigens Telekom-Sprecher Olaf Ludwig als Gesamtsieger. "Wenn man hundertprozentig die Gesamtführung verteidigen will, kostet das die Mannschaft unheimlich viele Körner. Der Preis (für einen Sieg in der Schweiz) wäre für uns zu hoch. Unser Ziel ist die Tour de France. Andere Mannschaften wie Lampre von Oscar Camenzind haben im Juli Urlaub, die können und müssen jetzt alles geben", sagte Ludwig am Montag.

Ergebnisse: Tour de Suisse

Tour de Suisse: Übersicht



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