"Never change a winning team": Godefroot stellt Telekom-Tour-Team vor
27.06.98 - Das Team Deutsche Telekom wird die Tour de France 1998
mit der gleichen Mannschaft bestreiten wie im Vorjahr und
sich den "Luxus" (Telekom-Sportdirektor Godefroot) leisten können, mit zwei
Kapitänen anzutreten: Bjarne Riis und Jan Ullrich werden
gleichberechtigt die Tour beginnen. Erst im Verlauf des Rennens,
je nach Abschneiden und Leistungsvermögen der beiden, will
die Teamleitung entscheiden, für wen das Team fahren wird.
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"Warum einen Kapitän nehmen, wenn man zwei haben kann",
flachste Walter Godefroot bei der offiziellen Teampräsentation in der
Firmenzentrale der Deutsche Telekom AG in Bonn.
Godefroot will sich auf einen Kapitän erst festlegen, wenn
"ich das Gefühl habe, daß einer der beiden besser ist als der
andere. 1996 war Jan der beste Helfer für Bjarne.
Letztes Jahr war es umgekehrt."
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Aufschlußreiche Dramaturgie?
Aus der Präsentation der Telekom- Tourauswahl am Freitag
in der Bonner Firmenzentrale der Deutschen Telekom AG
machten Team und Sponsor ein Mordsspektakel mit
"offiziellem Teamsong", Vorhang und Light-Show.
Die Fahrer wurden in alphabetischer Reihe vorgestellt,
aus der Reihe fiel nur Riis, der als die Hauptfigur
zum Schluß kam. Oder zumindest kommen sollte,
denn Georg Totschnig, der seinen Einsatz verpasst hatte,
kam ganz am Schluß und brachte die Dramaturgie
etwas durcheinander.
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Die Entscheidung wird nicht leicht werden für Godefroot.
Bjarne Riis ist trotz verletzungsbedingtem, späten Saisonstart
in weitaus besserer Form als vor Jahresfrist, als er bei der Tour
große Probleme hatte. Und auch Ullrich ist wieder voll da,
hat die "Winterspeck-Krise", die
in den Medien für allerlei Aufregung
gesorgt hatte, überwunden. "Ich fühle mich völlig gesund,
ich bin sehr, sehr zufrieden", so Ullrich am Freitag in Bonn.
"Ich bin in gleicher Form wie im letzten Jahr, und genauso schlank."
Ullrich hat in den letzten Monaten 10 Kilogramm abgespeckt.
Der "Kartoffel-Suppen-Fan" (Express) hat jetzt wieder sein Kampfgewicht
von 73kg.
Daß die Vorbereitung, die von Formeinbrüchen
und zahlreichen vorzeitigen Aufgaben geprägt war, alles
andere als optimal verlief, gibt auch Ullrich zu: "Ich habe im Winter
Fehler gemacht."
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Wie Jan Ullrich ist auch der zehn Jahre ältere Bjarne Riis
festentschlossen, ein zweites Mal die Tour zu gewinnen.
"Ja, das möchte ich gerne", meinte der Däne schmunzelnd
auf eine entsprechende Reporterfrage in Bonn.
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Die Mannschaft
Rolf Aldag (29): Das Arbeitspferd im Team
Udo Bölts (31): Edeldomestike für Riis und/oder Ullrich in den Bergen
Christian Henn (34): Erfahrener Allround-Helfer
Jens Heppner (33): War selbst einmal der Mann fürs Gesamtklassement im Team:
1992 wurde Heppner 10. der Tour de France.
Giovanni Lombardi (29): Der "Startblock" für Zabel in den Sprints
Georg Totschnig (27): Super-Kletterer, momentan in super Form. In den Bergen
von unschätzbarem Wert für den Kapitän
Erik Zabel (28): Der Milan-San Remo-Gewinner will Etappensiege im Flachen,
vielleicht auch wieder das Grüne Trikot, aber Zabel sagt:
"Priorität hat das Gelbe Trikot von Jan oder Bjarne."
Bjarne Riis (34): Ob er die Tour noch mal gewinnen wolle, fragte ihn am Freitag ein Reporter.
Riis knapp: "Ja, das möchte ich gerne."
Jan Ullrich (24): Ullrich hat nur ein Ziel: Titelverteidigung.
"Für mich muß Ziel Nummer Eins sein, in Paris im Gelben
Leibchen auf dem Treppchen zu stehen", so Ullrich am Freitag ungewohnt deutlich.
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Zwei Hähne auf einem Hof, das geht meist nicht gut,
aber Godefroots Standardspruch "Wir haben da keine Probleme mit",
den er schon im letzten Jahr ständig aufsagen mußte,
dürfte im Fall Riis/Ullrich sogar zutreffen.
Beide sind vom Charakter her so ruhig, so sachlich-friedfertig,
daß ein verbaler Schlagabtausch über die Medien
oder teaminterner Zwist einfach undenkbar erscheinen.
Ein anderer Spitzenmann schien ob des Trubels um die
deutsch-dänische "Doppelspitze" ein wenig unterzugehen.
Erik Zabel, der Weltklasse-Sprinter im Team Telekom, würde
zwar sehr gern sein Grünes Trikot vom Vorjahr
verteidigen, hat aber gegenüber seinen Sprinterkonkurrenten
einen gewaltigen Nachteil, weil sein Team im Kampf um die
Gesamtwertung vollends ausgelastet sein wird und
nicht auch noch ständig für Zabel bei der Punktejagd
arbeiten kann. Auch Zabel, der leicht in einem anderen Team
der unumschränkte Kapitän sein könnte, stellt
sich absolut in den Dienst der Mannschaft. Der Milan-San Remo-Sieger
zielt auf Etappensiege ab. "Aber", so Zabel. "das Gelbe Trikot von
Bjarne und Jan hat die Priorität, das ist klar."
16.06.98 Godefroot gibt vorläufiges Telekom-Tour de France-Aufgebot bekannt