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Tour de France |
Serie: Gesichter der Tour de France (1) Die Karawane: Eine eigene Welt mit 3.800 Einwohnern
Die fahrende Kleinstadt namens Tour de France wird von einem bunten Völkchen
bewohnt. Virginie z.B., die offizielle Friseurin der Tour, ist seit
drei Jahren dabei. Sie öffnet
ihren Mini-Salon vor jedem Renntag im Village du Tour. Ihre Kunden, die
freilich nicht zu bezahlen brauchen, sind neben den Fahrern auch alle
Mitglieder der Karawane, vom Koch bis zum Tourdirektor. Von ihr
werden
Der Village du Tour, das "Tour-Dorf" ist in den letzten Jahren längst
zur Kleinstadt gewachsen. Neben der Tourfriseurin gibt es hier
eine mobile Polizeistation ebenso wie eine Bank, - eine Filiale von Toursponsor Crédit Lyonnaise
versteht sich. Auch ein Postamt gibt es, wo täglich viele hundert
Briefe eintreffen, meist Fanpost für die Fahrer.
Die "Bewohner" der Village sehen sich zwar in der Regel nur
drei Wochen in jedem Sommer, aber man kennt sich dennoch gut.
Die meisten begleiten die "Grosse Schleife" schon seit Jahren.
Natürlich haben alle viel Arbeit, aber zum kleinen Plausch
in den täglich neu aufgebauten Gastromiezelten oder in den
"Night Clubs", die Hauptsponsor Coca Cola aufbietet, ist immer mal Zeit.
Der esprit du Tour kommt auf, schon Tage vor dem Start.
Während der "normale" Tour-Fan, der weder "VIP"- noch
Presseausweis vorweisen kann, beim "Village" im Start- und Zielort nur Zaungast sein
darf, sind andere aus der Tourkarawane erpichter darauf, mit
ihm in Kontakt zu treten. Die riesige Werbekarawane, die
Stunden vor den Rennfahrern über die Strecke rollt,
erinnert manchmal etwas an einen Rosenmontagszug. Die verschiedenen
Autos, aus denen heraus meist Werbegeschenke verteilt werden,
von der Minisalami bis zum Insektenspray, sind liebevoll hergerichtet
wie ein "Motivwagen" im Kölner Karneval und da rollt dann auch
schon mal eine Riesenameise an den Zuschauern vorbei, dass diese sich in
einen Horrorfilm versetzt fühlen. Doch keine bange: es ist
nur Werbung des Insektenspray-Herstellers...
Einen besonders hohen Nerv-Faktor haben die emsigen
Verkäufer der "offiziellen" Tourprodukte vom
originalen Gelben Trikot bis zum Programmheft. In kleinen
Lieferwagen, die hinten einen kleinen Balkon haben, schwärmen
sie allmorgendlich aus und preisen über fürchterlich quäkende Megaphone
ihre Waren an. Solange bis die Tourpolizei von der Garde républicaine (mehr
zu ihr in Folge 3) anrückt und mit einem unmißverständlichen
"Vite, vite, vite!" die Krämer verscheucht. Dann sieht
der Zuschauer an der Strecke für ein paar Sekunden das vorbeischwirrende
Peloton, erspäht vielleicht den ein oder anderen Star oder
das Maillot Jaune. Nach kurzer Zeit ist alles vorbei und
wieder folgt die Karawane, diesmal der hintere Teil mit
den vielen Teamfahrzeugen, den Journalisten-Motorrädern und schließlich
dem Besenwagen. 3.600km lang rollt dieser Bandwurm durch französische
Dörfer und Städte und diesmal - am 20. Juli - auch durch
Deutschland, wenn die Tour durch den Schwarzwald nach Freiburg führt.
(kv)
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