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Tour de France |
Serie: Gesichter der Tour de France (2) Der Tag an dem Fabio Casartelli starb
Bis zum Ende der Etappe wußten die meisten im Peloton nichts vom Tode
von Fabio Casartelli. Selbst Johan Museeuw, der ebenfalls bei jenem tragischen Sturz beteiligt war
und das Rennen mit einer Wunde am linken Knie fortsetzte, erfuhr es erst im Ziel.
Dort sah man dann, wie dieser harte Mann aus Flandern zusammensackte und in Tränen
ausbrach.
Francis Lafargue von der Banesto-Teamleitung, erinnert sich, wie er es Indurain sagte,
unmittelbar bevor der Träger des Maillot Jaune zur Siegerehrung ging:
"Er war geschockt. Sein Blick sagte alles. Ich habe es
Roger Legeay, Sportdirektor des damaligen Gan.Teams, erklärte, in einem Fall wie
diesem sei es das Beste sei, den Fahrern
Fabio Casartelli war noch nicht lange im Profi-Fahrerfeld. Aber wie alle, die die ersten 14 Etappen der
Tour de France überstehen, war er ein großer Rennfahrer. Bei der 15. Etappe fuhr
"Die Erde hört nicht auf, sich zu drehen. Und auch die Räder drehen sich weiter bei der Tour de France. Als hätte ein Blitz vom Olymp des Radsports den 24 Jahre alten Fabio Casartelli aus ihrer Mitte gerissen, halten die Radprofis, Veranstalter und Zuschauer einen Moment lang inne, und schon geht es weiter wie gewohnt."
(...)"Die Geschichte der Tour besteht aus einer Reihe tragischer Kapitel. Der Tod Casartellis ist ein weiteres. Er wird Teil der Legende, die über ihre Opfer hinauswächst."
Diese Etappe war eine der schwersten der Tour 95. 206 Kilometer, mehr als 5000 Höhenmeter.
Daher wurden die beiden ersten Anstiege vom Peloton auch locker angegangen. Alle 129 Fahrer
fuhren geschlossen über den ersten Pass, den Col de Portet d'Aspet. Der Anstieg vom Osten her
ist relativ leicht, die Abfahrt auf der Westseite aber äußerst steil. 15 Prozent. 5 km
lang enge Serpentinen. In rasender Abfahrt fuhr das Feld ins Tal.
In einer Linkskurve kurz vor dem Ende der Abfahrt kommt es zu einem Massensturz. Die Ursache ist
nicht bekannt. Vielleicht ein Defekt, vielleicht eine leichte Kollision. Auf der engen Nebenstraße
gibt es keine Leitplanken, eine kleine, niedrige Mauer markiert den Straßenrand.
Dante Rezze, der über die Mauer in den Abgrund fiel: "Ich wollte mich noch auf den Boden werfen,
Casartelli fiel nicht über die Mauer, er stürzte mit dem Kopf darauf. Einer der
Fahrer direkt hinter ihm, Francois Simon: "Sein Vorderrad blockierte und er ging kopfüber
über den Lenker."
Fabio Casartelli verlor das Bewußtsein. Tour-Arzt Dr. Gerard Porte, der als erster an Ort und
Stelle war, sagte später, er habe "enorm viel Blut verloren" aufgrund von schweren
Kopfverletzungen. Dem Mediziner gelang es, Casartelli wiederzubeleben nachdem sein Herz
bereits drei Mal stehengeblieben war. Mit dem Helikopter wurde er nach Tarbes in die Klinik
geflogen, aber die Ärzte hatten keine Chance, sein Leben zu retten, zuviel Blut hatte er
verloren.
Der 24-jährige Italiener war noch kein Star. Er gewann 1992 die Goldmedaille bei den
Olympischen Spielen in Barcelona, aber das war "nur" die Eintrittskarte ins Profilager.
Er begann seine Karriere 1993 im Ariostea-Team vielversprechend. Er gewann eine
Etappe der Settimana Bergamasca, beendete den Giro als 107. Im Jahr darauf, Ariostea
war aufgelöst worden, fuhr er beim kleinen ZG-Selle Italia-Team, mit dem er 1994 auch
mit gerade 23 Jahren die Tour bestritt. 1995 bekam Casartelli einen Vertrag beim Top-Team
Motorola. Durch gute Leistungen im Frühjahr und bei der Tour de Suisse ergatterte er einen
Platz im Tour de France-Team von Motorola.
Der Tag nach den schrecklichen Ereignissen, die 16. Etappe der Tour de France 1995, war einer
der traurigsten Tage des Radsports. Die Tour zollte Fabio Casartelli ihren Tribut.
Die Fahrer beschließen, sämtliche Prämien des Tages, 220.000 Francs,
der Familie von Fabio Casartelli zukommen zu lassen.
300 Meter vor der Ziellinie stoppte das gesamte Peloton. Die sechs Mannschaftskameraden von
Fabio Casartelli haben Trauerflore an Trikots und Rennrädern und fahren gemeinsam über die
Ziellinie. Als erster Andrea Peron, der Zimmergenosse von Fabio.
Lance Armstrong, einer von Casartellis Teamkollegen, beschrieb seine Gefühle bei dieser traurigen 16. Etappe: "Wir waren etwa 120 Mann.
115 davon haben acht Stunden lang nicht ein Wort gesagt. Es war der schwerste Tag meiner Karriere.
Obwohl wir es haben ganz langsam angehen lassen, war es hart, es war heiß und es war auch
physisch verdammt schwer. Im Kopf war ich ganz weit weg. Ich möchte so einen Tag nie mehr
in meinem Leben erleben. Das war die härteste Etappe der Tour de France." (kv)
Serie: Gesichter der Tour de France (1) - Die Karawane |