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Serie: Gesichter der Tour France (3)
Lächeln und Bussi: Deutsche Glücksfee bei der Tour
"Von den Siegern geht eine tolle Stimmung aus" / Papa der Fan Nummer 1

11.07.00 - Sie lächelt für die Sieger, und ein Kuss von ihr lässt das Glücksgefühl selbst erschöpftester Rad-Helden vollkommen sein. Claudia Schölzel ist bei der 87. Tour de France eine von Fortunas Töchtern, die nach jeder Etappe mit dem Träger des begehrten Gelben Trikots auf dem Siegerpodest posieren.

Gewinner haben eine faszinierende Aura, findet die blonde Schönheit aus Stuttgart, die bisher noch vergeblich auf Jan Ullrichs Auftritt gewartet hat: «Von den Siegern geht eine solch tolle Stimmung aus, dass man
glatt die ganzen Kameras um sich herum vergisst», erzählt sie in ihrem knallgelben Dienst-Blazer. Für die seit 1995 in Paris lebende 24- jährige Studentin der Kommunikations- wissenschaften hat sich ein Hostessen-Ferienjob als Traum entpuppt.

«Als ich nach einem Auswahlverfahren Anfang März erfuhr, dass ich den Job für die Tour bekomme, ahnte ich noch nicht, was das wirklich bedeutet», erinnert sie sich frierend auf einer verregneten Bergetappe in den Pyrenäen. Charme, Chic, Esprit und Eleganz waren gefragt, um Tour-Tross und Sportler auf positive Stimmung einschwören. Aber auch gute Sprachkenntnisse waren Trumpf, um etwa Jan Ullrich oder Lance Armstrong in seiner Muttersprache gratulieren zu können, Auskünfte am Pressestand zu geben oder nach stundenlangen Autofahrten abends auf Empfängen an Zielorten amüsanten Small-Talk zu halten. «Hier ändert sich jeden Tag etwas anderes. Es ist eine interessante Arbeit, und ich habe noch nie zuvor so viel von Frankreich gesehen», gesteht sie.

10 000 Franc - umgerechnet rund 3 000 Mark - gibt's für




Ob bei der Tour (oben), beim Giro (Mitte) oder der Vuelta - was wäre ein großes Radrennen ohne die hübschen Hostessen auf dem Podium!
den dreiwöchigen Job. «Aber was zählt, ist das einmalige Erlebnis und die Faszination, die von der Tour ausgeht», strahlt die junge Deutsche, die Millionen TV-Zuschauer in aller Welt auf den Bildschirmen als lächelnde Botschafterin des Glücks bewundern können. Ihr größter Fan sitzt zu Hause: «Der Papa ist ganz begeistert; man könnte fast schon denken, dass ich es bin, die die Berge rauffährt», meint sie mit Blick auf das gestiegene Interesse ihres Vaters an der Tour. Sie selbst bewegt sich in Paris zwar per Rad zur Hochschule, war bisher aber nicht unbedingt Fan der Radsport-Welt, die sie als eine nach wie vor sehr stark männlich geprägte Domäne wahrnimmt. Ob sie da umschwärmt wird? «Das kommt ganz auf den Mann an», lacht sie.

Ihr bisheriger Favorit unter den Pedalrittern ist der schottische Sonnyboy und Tour-Neuling David Millar. «Der war so jung und unerfahren bei der Vergabe des Gelben Trikots, dass ich ganz vergaß, dass auch ich das erste Mal auf dem Podium war», beschreibt die kokett, aber stets auch höflich-bestimmt auftretende Claudia ihre Beobachtungen aus nächster Nähe. Der anstrengende Arbeitsrhythmus und das wochenlange Leben aus dem Koffer und auf engster Nähe mit ihren drei Kolleginnen haben erste Spuren hinterlassen. Für den an diesem Mittwoch anstehenden Ruhetag ist für sie daher klar: «Da wird in Carpentras ausgeschlafen, und dann schaue ich mir die Gegend an.» Ob sie - wie viele Rad-Profis - dann Besuch von Familie oder Freunden erwarten? «Nein, unsere Freunde werden nicht kommen», meint sie.

Ralf E. Krüger, dpa

Serie: Gesichter der Tour de France - Teil 1: Die Karawane
Teil 2: Der Tag an dem Fabio Casartelli starb

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