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Tour de France - Grünes Trikot
Vom besten Sprinter zum "fleißigsten Punkte- sammler" - Die Identitätskrise des Erik Zabel

  25.07.99 - Am Sonntag gewann Erik Zabel (Telekom) zum vierten Male in Folge das Grüne Trikot der Tour de France. Aber trotz dem abermaligen Gewinn der "Sprinterwertung" weiß auch Zabel, daß, er zwar der Punktbeste, aber nicht der beste Sprinter der Tour 1999 war. Die vier- bzw. dreimaligen Etappensieger Mario Cipollini und Tom Steels ließen dem Deutschen in Sprintfinals
nicht den Hauch einer Chance. Aber Zabel kann im Gegensatz zu diesen Vollblutsprintern auch Berge anständig fahren. Ist Zabel, der zuletzt am 13. Juli 1997 eine Touretappe gewann, überhaupt noch ein richtiger Sprinter oder nicht schon längst ein Mann für Klassiker wie Johan Museeuw?

Erik Zabel kann mit Recht hochzufrieden sein mit seiner Tour de France. Noch nie ist es einem Rennfahrer gelungen, vier Mal hintereinander das Grüne Trikot der Tour zu erobern. Dennoch ist ein Grünes Trikot ohne einen Sprint-Etappensieg irgendwie unkomplett. 1996, als Zabel das erste Mal "Grün" holte, gewann er zwei Etappen, 1997 waren es drei. Auch seine Vorgänger an der Spitze der Punktewertung haben alle mindestens einen Etappensieg verbuchen können: Olaf Ludwig (1990/1 Etappe), Abduschaparov (1991/2, 1993/3, 1994/2), Laurent Jalabert (1992/1 und 1995/1).

"So knapp wie dieses Jahr war es noch nie, mir ist es noch nie so schwer gefallen, das Grüne Trikot zu holen. Aber es ist 'meine' Wertung", so Erik Zabel am Ende der Tour de France 1999. "Ich habe schon große Straßenrennen gewonnen. Milan - San Remo (1997 und 1998, die Red.), Paris - Tours (1994), Henninger Turm (1999). Auch sieben Touretappen.
Aber bekannt bin ich bei den Leuten fürs Grüne Trikot. Das ist Ansporn genug und wenn man es schafft, ist das einfach super."

"Ich weiß, es gibt mindestens zwei, die schneller sind als ich: Cipollini und Steels. Wenn man jetzt das Grüne Trikot gleichsetzt mit 'bester Sprinter', dann sollte es einer von denen tragen. Aber, um das Grüne Trikot in Paris zu bekommen, muß man auch über die Berge fahren. Und da haben Cipollini und Kirsipuu recht schnell die Segel streichen müssen. Steels war bei den Zwischensprints ein bißchen faul und ich war der fleißigste beim Punktesammeln. So gesehen habe ich das Trikot auch voll verdient", so Zabel.

"Früher konnte ich in den Sprints das allein mit meiner Kraft machen", sagt Zabel, der in diesem Jahr ordentliche bis sehr gute Plazierungen bei Eintagesklassikern wie der Flandernrundfahrt (22.), Paris- Roubaix (29.) oder Amstel Gold Race (13.) holte, aber bei Massensprints oft geschlagen wurde "von Leuten, die mich vor ein, zwei Jahren nicht im Sprint bekommen hätten", wie Zabel im Frühjahr bereits in einem RADSPORT-NEWS.COM- Interview analysierte.

Zabel nach der Tour de France: "Ich vermisse heute selbst die Kraft, die ich vor ein, zwei Jahren hatte. In Sprints gibt es heute oftmals Situationen, wo ich denke, jetzt mußt Du da hingehen, aber die Beine wollen nicht mehr so wie früher. Da macht man sich schon Gedanken um die Zukunft."

Wie die aussehen könnte, zeigen die Beispiele von Männern wie Laurent Jalabert oder Johan Museeuw. Auch die begannen ihre Karrieren als pure Sprinter. Vor allem auch zu Museeuw sieht Telekom-Sportdirektor Walter Godefroot gewisse Parallelen. Museeuw, Weltmeister von 1996 und dreifacher Flandern-Rundfahrtsieger, wurde erst richtig gut, nachdem er längst kein purer Sprinter mehr war.

Erik Zabel ist 29 Jahre alt, hat also noch mindestens drei, vier Jahre im besten Radsportalter vor sich. Man darf gespannt sein, wohin seine Entwicklung ihn führt.

17.07.99 Interview/Zabel: "Ich schaue von Tag zu Tag"
12.07.99 Tour de France: Erik Zabel: "Ich bin noch dabei"

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